Der neue REMID-Blog
Religionswissenschaft ist in den Medien deutlich unterpräsentiert. Neben den Blogs von Michael Blume und Kerstin Probiesch ist nicht viel in der Blogosphäre zu finden. Insbesondere letzterer ist zu verdanken, dass das Thema auch bei REMID immer wieder eine Rolle spielte, wenn auch leider lange Zeit einer Umsetzung harrte. Überhaupt gilt es, das Web 2.0 auch in Deutschland als relevant für die akademische Öffentlichkeit zu etablieren.
Dieser Blog soll der Idee nach eine Plattform nicht nur für alle REMID-Mitglieder sein, auch Gäste dürfen in Absprache Artikel beitragen oder im Interview Rede und Antwort stehen. Auf diese einfache Weise können Neuigkeiten aus der Religionswissenschaft bzw. religionswissenschaftliche Analysen des Zeitgeschehens um Religionen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Auf neue Einträge verweisen wir dabei über Twitter, Facebook, Xing oder bewegung.taz.de.
Die Blog-Mitteilungen stellen dabei keine durch den Vorstand verabschiedeten offiziellen Äußerungen von REMID dar, sondern liegen in der Verantwortung der jeweiligen Autoren, die ihre Texte mit ihrem Namen unterzeichnen sollten.
Auch ist eine gewisse Netiquette zu wahren, Kommentare werden erst nach Sichtung veröffentlicht und auch Autoren müssen sich an wissenschaftliche Prinzipien halten und einen höflichen Umgang pflegen.
Zugleich dient dieses Medium aber nicht allein für review-reife Artikel, sondern darf gerne essayistisch und journalistisch mit kleinen Beiträgen zum aktuellen Geschehen um Religionen, Religionswissenschaft, interkulturellen wie interreligiösen Dialog, Migration und Integration bestückt werden. Andere Rubriken wären kurze Rezensionen, Bekanntmachungen von Veranstaltungen, Vorstellungen z.B. von anderen gemeinnützigen Vereinen, Verweise auf konventionelle Medien etc.
Was ist Religionswissenschaft?
Religionswissenschaft ist nicht Theologie. REMID steht für eine konfessionell ungebundene Religionswissenschaft, die mit vor allem deskriptiv-empirischen und philologischen Methoden Religionsgemeinschaften und Diskurse um religionsbezogene Themen untersucht. Unser Netzwerk bezieht über seine Mitglieder viele benachbarte Disziplinen mit ein wie Ethnologie, Kulturwissenschaft, Religionssoziologie, Religionspsychologie uvm.
In Deutschland ist per Grundgesetz Religionsfreiheit garantiert. Religiöser Pluralismus kann ein friedliches Zusammenleben der Religionen und Weltanschauungen bedeuten. Um Intoleranz vorzubeugen und so mit zu einem toleranten Miteinander beizutragen, braucht es sachliche, unabhängige religionswissenschaftliche Information. Das bedeutet auch den Ausschluss religiöser Modelle zur Deutung von Religion(en). Empirische Religionswissenschaft untersucht Anhänger von religiösen Vorstellungen. Der mögliche Wahrheitsgehalt dieser Vorstellungen spielt dabei keine Rolle. Nicht nur entziehen sich religiöse Wahrheiten der Überprüfbarkeit durch den Religionswissenschafter – wenn nicht überhaupt, auch ist es nicht die Aufgabe des Religionswissenschaftlers über Religionen theologisch zu urteilen. Wohl aber kann er beispielsweise feststellen, wo Rassismus oder Antisemitismus vorliegen oder wo Verstoße gegen die im Grundgesetz festgehaltenen Grundrechte oder gegen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte gebilligt oder nahegelegt werden. Zugleich wird der oder dem ReligionswissenschaftlerIn aber wichtig sein zu betonen, dass religiöse Innovation eher den Normalfall der Geschichte darstellt, entsprechend dass in vielen Ländern immer schon ein religiöser Pluralismus Bestand hat und religiöse Homogenität global eher die Ausnahme ist. Insofern kann nur Offenheit für religiöse Vielfalt die Devise für eine zukunftsfähige pluralistisch-demokratische Gesellschaft sein.
Christoph Wagenseil
Themenübersicht
Dieser Eintrag wurde am Freitag, 25. März 2011 um 15:43 erstellt und ist abgelegt unter mehreren Kategorien. Mit dem RSS 2.0 Feed kannst du den Antworten zu diesem Artikel folgen. Du kannst eine Antwort hinterlassen, oder einen Trackback von deiner eigenen Seite senden.



Super, das es nun auch einen REMID-Blog gibt! Das Online-Interesse an religionsbezogenen Themen und gerade auch Religionswissenschaft ist enorm. Und Blogs machen unsere Disziplin nicht nur sichtbar, sondern bieten auch hervorragende Möglichkeiten des Bekanntmachens, Debattierens, Einübens und Vernetzens von wissenschaftlichen Befunden. Ich wünsche dem REMID-Blog viel Erfolg und werde gerne auch hin und wieder themenbezogen aus “Natur des Glaubens” heraus hierher verlinken.
Beste Grüße, viel Erfolg!