Von Chanology bis Pentabarf – wie halten Hacker es mit der Religion?

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Die Welt der sogenannten Nerds war von Anfang an gekennzeichnet durch eine gewisse Affinität, sozusagen mittels einer Art Cyber-Platonismus die digitalen Welten zu bevölkern: Lässt man sich in einem Linux-System z.B. die aktuell laufenden Systemprozesse anzeigen, wimmelt es da von „Dämonen“ (disk and execution monitors), nicht nur „Trojaner“ verweisen auf Mythologien, die Programmiersprache „Bon“ wurde benannt nach dem „Gemurmel magischer Formeln“ der tibetischen Bön-Religion, und die Rede vom „Avatar“ als Bezeichnung für eine eigene Repräsentation an einem bestimmten digitalen Ort macht den Umgang mit dem Computer zu einem transzendenten Akt. Aber das ist nicht alles. Schon die ersten „Hacker“-Generationen entwickelten eigene Sinnkonzepte.

Seit Ende 2010 sind „Hacker“ und Konsorten in aller Munde. Bisher wussten nur Eingeweihte, wie man diese Seite des Weltgeschehens verfolgt. Bis dahin gab es wohl insbesondere „Kriege“ von Hackergruppen gegeneinander; einmal abgesehen vom alltäglichen – kommerziell motivierten – Spam und einigen herausragenden Nachrichtenmeldungen, zumeist über einzelne junge Autodidakten, denen etwas Ungeheuerliches gelang, angefangen bei den Gründungslegenden des Chaos Computer Clubs (CCC), den Hacks der Jugendlichen-Gruppe The 414s 1983 in den USA und Karl Kochs Spionage-Tätigkeit für den KGB in Deutschland.

Man muss dabei auch einräumen, dass dies nur eine bestimmte Dimension des Begriffes anspricht, denn eigentlich bedeutete der Begriff in seiner Verwendung seit den 1960ern zunächst nur einen Technikenthusiasten bzw. einfach einen „Experten“ oder eben „Crack“ auf einem Gebiet. Das Kompendium dieser frühen, zunächst akademischen Bewegung (der wir mit das Internet verdanken), das Jargon File, erscheint seit Mitte der 1970er Jahre in regelmäßiger Aktualisierung. Darin wurde früh eine sogenannte „Hacker-Ethik“ integriert:

  • Der Zugang zu Computern und allem, was einem zeigen kann, wie diese Welt funktioniert, sollte unbegrenzt und vollständig sein.
  • Alle Informationen müssen frei sein.
  • Mißtraue Autoritäten – fördere Dezentralisierung
  • Beurteile einen Hacker nach dem, was er tut und nicht nach üblichen Kriterien wie Aussehen, Alter, Rasse, Geschlecht oder gesellschaftlicher Stellung.
  • Man kann mit einem Computer Kunst und Schönheit schaffen.
  • Computer können dein Leben zum Besseren verändern.
  • Mülle nicht in den Daten anderer Leute.
  • Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen (Quelle: CCC).

Mit „Ethik“ betreten wir einen religionswissenschaftlich relevanten Bereich. Nach ihr werden die „Hacker“, jetzt in der durch die konventionellen Medien vertrauteren Bedeutung, in Western-Manier eingeteilt in Hüte: White, Grey and Black Hats. Hier drängen sich Vergleiche mit ähnlichen Rhetoriken innerhalb der Magie-Szene auf. Nur die „Weißen“ halten sich streng an die ethischen Regeln. Verwirrend mag dabei sein, dass eine der wichtigen Entwicklungen der „weißen Hüte“ ausgerechnet auf den Namen „SATAN“ (Security Administrator Tool for Analyzing Networks) hört. Aber darum geht es im Grunde: Wegweisend war hier 1993 ein Artikel von Dan Farmer und Wietse Venema, wie man die Sicherheit seines Systems verbessern kann, indem Hacker es auf seine Lücken testen.  Der Artikel mutet in seinen Beispielen dabei etwas gnostisch an: Der wieder als „Ankläger“ fungierende „Satan“ verhindert eine Serie von üblichen Attacken des Users „evil“. Dieser wiederum wird per Nietzsche-Adaption als „uebercracker“ bezeichnet:

This seems to be the popular image of a system cracker.  Young, inexperienced, and possessing vast quantities of time to waste, to get into just one more system.  However, there is a far more dangerous type of system cracker out there.  One who knows the ins and outs of the latest security auditing and cracking tools, who can modify them for specific attacks, and who can write his/her own programs.  One who not only reads about the latest security holes, but also personally discovers bugs and vulnerabilities.  A deadly creature that can both strike poisonously and hide its tracks without a whisper or hint of a trail.  The uebercracker is here.

Dies scheint das populäre Bild eines System-Crackers [das meint auch black-hat-Hackers; Anm. C.W. ] zu sein: Jung, unerfahren und mit jede Menge Zeit zum Vergeuden, um einfach in ein weiteres System erfolgreich eingedrungen zu sein. Allerdings gibt es einen weitaus gefährlicheren Typ System-Cracker da draußen. Einen, der sich auskennt mit den neuesten Tools, der diese für spezifische Attacken zu modifizieren in der Lage ist und auch völlig eigene Programme schreiben kann. Also jemand, der nicht bloß von den neuesten bekannt gewordenen Sicherheitslücken weiß, sondern selbst Programmfehler und -lücken erkundet. Ein tödliches Geschöpf, das beides kann: effektiv zuschlagen und sämtliche eigene Spuren verwischen. Der Übercracker ist da. (ebd.; grobe Übers. C.W.).

Soweit entstammt dies noch der „akademischen Hacker-Kultur“. Der erwähnte Karl Koch und die von Hinterbliebenen zusammengestellte Dokumentation (PDF) erfuhren mit dem Film „23 – Nichts ist wie es scheint“ eine starke Popularisierung. In der Doku ist auch die „von seinen FreundInnen geschrieben[e] und am 8.9.89 auf seiner Beerdigung gehalten[e]“ Grabrede abgedruckt:

Sie hatten es geschafft; Du warst zu Ihrer Marionette [mögliche Bezugsgruppen im Vortext: Kripo und Staatsschutz, die Medien, CDU und SPD; Anm. C.W.] geworden. Du hast versucht, einen Weg in Ihre Maschinerie zufinden[!]. Du hattest Dir Dein eigenes Weltbild geschaffen, Dich selber in Ihren Psychoknast gebracht – Deine letzte Chance auf Geborgenheit? – nur um gleich wieder zu versuchen, ihm zu entkommen: Zu verhindern, daß sie Deine Träume, Deine Gefühle, Dein Verrücktsein mit ihrem Allheilmittel Haldol lahmlegen. Geschafft hast Du’s nicht; […].

Du bist geworden, was Du Dir vielleicht gewünscht hast: Ein Mysterium – der Anarchist, Drogenabhängige, Superhacker und Verrückte. DASS DU EIN MENSCH WARST, IST GESCHICHTE… (S. 23).

Ein paar Seiten weiter heißt es in einem Text „Von der Lust, ein Dark-Side-Hacker zu werden“: „Hacken ist Sucht, es ist das permanente Verlangen, das Denkbare nicht nur zu denken, sondern mit Hilfe des Computers real werden zu lassen“ (S. 27).  Der Text versucht, entgegen Technikverdrossenheit zu argumentieren, aber auch gegen den gerne behaupteten Schein-Charakter des Cyberspace: „Es ist ein Fakt, dass sich die Koepfe der Speicherplatten bewegen, wenn Du eine Taste drueckst, egal ob der Rechner in Hamburg oder Kalifornien steht“ (S. 28). Damit kann aber auch – ein wenig ironisch – das Establishment noch beruhigt werden (1989!):

Die bange Frage, die sie [„die Gralshueter der Datenkommunikation“] sich immer wieder stellen, ist die, ob und wann sich die „linke“ Szene – immer noch als Hauptfeindbild in ihren Koepfen existent – die Moeglichkeiten der Datenkommunikation zunutze macht. Bislang scheint jedoch jede Panik unbegruendet, da Technikfeindlichkeit und Misstrauen gegenueber Hochtechnologie in der Szene nach wie vor bestimmend sind. Man sollte sich nicht laenger in Sicherheit wiegen – Denn: Was heute noch als exotische Hochtechnologie angesehen wird, ist schon morgen allgegenwaertige Alltagstechnik, der man sich nicht oder nur schwer entziehen kann. (S. 29).

Im erwähnten Film wird man mehr finden über die „Fantasy-Welt des Timothy-Leary-Freundes Robert Anton Wilson“ (Tempo 8/89, zitiert nach Doku, S. 58), nach dessen Figur aus der Illuminatus!-Trilogie Hagbard Celine  sich Koch nannte und in dessen Kampf gegen eine damals neue Interpretation eines Geheimbundes der Illuminaten er sich schließlich gänzlich hineinsteigerte.  Koch ist dabei nicht der einzige, der sich der „Gegenströmung“ des Diskordianismus, welchen Wilsons Romane populär machten, verschrieben hat (allerdings sei erwähnt, dass er kurz vor seinem Tod den Mormonen in Hamburg beitrat, vgl. Doku S. 32). Die heutigen Anhänger des anarchistisch gedachten Diskordianismus betreiben ihn auf eine andere Weise als Religion, bei vielen mit mehr Humor als bei Karl Koch:

Der Pentabarf (Penta gr. fünf, barf engl. kotzen)

1. Es gibt keine Göttin außer der Göttin [Eris, Tochter der Nyx, Göttin der Zwietracht und des Streits, lat. Discordia] und sie ist deine Göttin. Es gibt keine Erisische Bewegung außer der Erisischen Bewegung und es ist die Erisische Bewegung. Und jeder goldene Apfel ist das geliebte Heim eines Goldenen Wurmes.

2. Ein Diskordier soll immer das offizielle diskordische Dokumentennummerierungssystem benutzen.

3. Ein Diskordier ist zu Beginn seiner Illumination dazu verpflichtet, an einem Freitag alleine nach draußen zu gehen um fröhlich einen Hot Dog zu genießen; diese Zeremonie ist dazu da, um gegen die beliebten Paganismen dieser Tage zu demonstrieren: gegen die katholische Christenheit (freitags kein Fleisch), das Judentum und den Islam (kein Fleisch vom Schwein), den Hinduismus (kein Fleisch von der Kuh), den Buddhismus (kein Fleisch von Tieren) und den Diskordianismus (keine Hot-Dog-Brötchen).

4. Ein Diskordier soll keine Hot-Dog-Brötchen essen, denn es war der Trost der Göttin, als sie mit der ursprünglichen Zurückweisung konfrontiert war.

5. Einem Diskordier ist es verboten, zu glauben, was er liest.

Quelle: Wikipedia

In der deutschen Religionswissenschaft scheinen nur einige studentische Referate hierzu online Spuren hinterlassen zu haben (man möge statt ihrer aber lieber gleich in deren zumeist wesentlicher Quelle Wikipedia nachlesen). Im anglophonen Raum findet sich ein Aufsatz von David Chidester (Journal for the Study of Religion, Vol 16, No 2 [2004], Fake Religion: Ordeals of Authenticity in the Study of Religion, S. 71-98). Carole M. Cusack wiederum widmet in ihrem Buch „Invented Religions: Imagination, Fiction and Faith“ (2010) dem Diskordianismus mehrere Kapitel. Zudem werden die „Church of All Worlds„, die vom Diskordianismus beeinflusste „Church of the Subgenius“ sowie Jedism, Matrixism und die Kirche des Fliegenden Spaghetti-Monsters behandelt. Diese Bewegungen können dabei als Religionsparodien interpretiert werden, zumindest der Diskordianismus und manche der anderen können aber auch durchaus positiv als Religion oder Weltanschauungslehre verstanden werden. Der Eifer der Anhänger, sie entsprechend in jedem Online-Lexikon über Religionen zu platzieren, kann dabei auf beide Weisen verstanden werden – oder auch, wie es das Sekten-Info Nordrhein-Westfalen deutet, als Ausdruck eines missionarischen Neuen Atheismus.

In der Tat verschreiben sich manche – auch der „Hacker“ – einem Kampf für die Freiheit, die sie auch durch „Sekten“ bedroht sehen. Sowohl Wikileaks als auch Anonymous (zdf-Sendung; „Operation Chanology“) begannen ihre Karrieren auch mit Aktionen gegen Scientology. Und manche kämpfen auch aktuell gegen z.B. „Psychokulte“ (zu einer Kritik des Begriffs „Kult“ vgl. den Blog-Artikel „Intoleranz steigt. Warum unser Toleranzbegriff ein Update braucht…„):

Grafik von einer Anonymous-Gruppe Reutlingen und Tübingen

Grafik von einer Anonymous-Gruppe Reutlingen und Tübingen

Zu dem „Propaganda“-Material, wie sie es selbst nennen, heißt es auf der Webseite, sie seien bemüht,

„nichts Unbelegtes darauf zu schreiben. Die Quellen folgen nach und nach und können jederzeit über das Kommentarfeld angefordert werden. Anons dürfen sie verwenden. Scientologen nur, wenn sie die darauf dargestellten Tatsachen nachrecherchieren und ehrlich darüber nachdenken.“ (ebd.)

Dabei heißt es auf einem Anonymous-Flyer von 2009 „Wir wenden uns nicht gegen einen Glauben oder eine Religion“, bei Scientology folgen sie der problematischen Kategorisierung, es handele sich bei Scientology um keine Religion, sondern um ein „Wirtschaftssystem“.  Man vergleiche dazu – auch um klarzustellen, aus welcher Perspektive ein Religionswissenschaftler das problematisch finden kann, ohne deshalb Scientologe zu sein – den Tagungsbericht zum REMID-Kongress „Streitfall Neue Religionen“ von 1998:

Die bereitwillige Zusage der angefragten Referenten und die große Zahl der angemeldeten Gäste zeigte, daß an dieser Art der Beschäftigung mit dem Thema Neue Religionen in Deutschland ein großes Interesse besteht. Um so verwunderlicher war es, daß die beiden kirchlichen Referenten, Michael Nüchtern von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen und Hans Gasper von der Zentralstelle Pastoral der Deutschen Bischofskonferenz, ihre Monate zuvor gegebene Zusage in der Woche vor der Veranstaltung plötzlich zurückzogen. Als Begründung wurde auf eine Presseerklärung von REMID verwiesen. Darin hatten die Veranstalter das politische Ziel der Tagung erläutert, das darin bestand, zu einer Versachlichung der in Deutschland mitunter hysterische Züge annehmenden Diskussion beizutragen. Obwohl dieses Anliegen den beiden Referenten von Anfang an bekannt gewesen war, sie es durch ihre Teilnahmezusage auch gebilligt hatten, lehnten sie nunmehr eine diesbezügliche »Vereinnahmung« ab. Ganz offensichtlich hat bei dieser Entscheidung der massive innerkirchliche Druck eine Rolle gespielt, dem die beiden Referenten ausgesetzt gewesen waren. Vorausgegangen war all dem ein Artikel Thomas Gandows. Der Provinzialpfarrer für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg hatte in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift »Berliner Dialog« (Nr. 4/1997, S. 28) seinem »Befremden« über die geplante Teilnahme der Herren Nüchtern und Gasper Ausdruck verliehen. Mit der von ihm virtuos beherrschten Methode der diffamierenden Andeutung hatte Gandow die Veranstaltung als Teil einer »Kampagne« der »Kult-Lobby« präsentiert, die Wissenschaftlichkeit der Tagung in Frage gestellt und den Veranstaltern »Verbindung zu Scientology« unterstellt. Damit war der Boden bereitet für eine andauernde kircheninterne Kontroverse, an deren Ende die Absage der Referenten Nüchtern und Gasper stand. Der kurzfristige Rückzug erregte Unverständnis und Bedauern. Siegfried Keil, Dekan der theologischen Fakultät, in deren Räumlichkeiten die Konferenz stattfand, mißbilligte in seinem Grußwort die Absage seiner Kollegen. Nachdrücklich identifizierte er sich mit dem auf Dialog und Versachlichung zielenden Anliegen der Veranstalter und verhinderte auf diese Weise bei den Gästen aus dem In- und Ausland den Eindruck, daß Vertreter der großen Kirchen in Deutschland den wissenschaftlichen Dialog und das Gespräch über abweichende Religiosität grundsätzlich scheuten (Thomas Hase).

Unabhängig davon, dass Religionswissenschaftler Gordon Melton (Santa Barbara), der damals über die Scientology Church vortrug, „keinen Hehl aus seiner persönlichen Einschätzung [machte], daß es sich bei Scientology um eine Religion handle“ (ebd.) – es geht eben gerade nicht um Verteidigung einer umstrittenen Gruppe. Zugleich gilt aber auf der anderen Seite: „Daß in Deutschland ein Referat über eine umstrittene Religion ohne explizite Distanzierung seitens des Referenten sogleich als Parteinahme aufgefaßt wird, zeigt, wie groß hierzulande die Berührungsängste beim Thema Neue Religionen nach wie vor sind“ (ebd.).

Um zurück zu den Hackern zu kommen: Anonymous operiert häufig mittels sogenannter DoS-Attacken (Überlastungsmeldung denial of service), jüngst gelangen dem losen Netzwerk aber auch anspruchsvolle Hacks (Zoll- und NATO-Rechner). Allgemein kursiert als Ursprungslegende, es sei das anarchistische Board 4chan gewesen, in welchem die ersten Anonymous-Aktionen geplant worden sind.

In diesem Umfeld geraten auch andere Religionen – in ähnlich plakativer Logik – ins Visier, so etwa die katholische Kirche mittels Karikaturen der von 4chan initiierten Figur Pedobear, meistens in japanischer Manga-Ästhetik (der Leser googele selbst). Auch die betont Homosexualität ablehnende Westboro Baptist Church in Topeka (Kansas), auch bekannt über ihre Webseite godhatesfags.com, wurde dieses Jahr ein Ziel von Anonymous im Februar. Im Juli setzte die Web-Guerilla sich im „Project Orlando“ für die inhaftierten Mitglieder von Food Not Bombs ein, welche wider polizeilicher Anordnung Obdachlose mit Essen versorgten. Dabei wurde auch die Webseite der Roman Catholic Diocese of Orlando attackiert, deren Bischof John Noonan zwischen der Stadt und der Non-Profit-Organisation vermittelte. Die einzelnen Projekte orientieren sich an den Menschenrechten und agieren so in Indien, Malaysia, seiner Zeit auch in Tunesien und Ägypten. Häufig sind es auch große Konzerne, welche anvisiert werden. Entsprechend ernst reagieren die betroffenen Länder, es gab bereits Verhaftungen in den USA, in Holland, Großbritannien, Australien, Spanien und der Türkei.

Hacker entwickeln also idealistische eigene Weltanschauungen zwischen Religion und Parodie. Zudem finden sie in der Welt der Religionen potenzielle „Gegner“, insofern sie ihrem Konzept einer eher „freien Spiritualität“ bzw. einer atheistischen Philosophie entgegenzustehen scheinen. Ihre eigene Selbsteinschätzung in Sachen Religion ist einer Umfrage von Hacker News zufolge auch hauptsächlich „Nonreligious/Atheist/Agnostic/etc“ (1513 User gegenüber 303 Christen, 92 Hindus, 76 Muslimen, 71 Buddhisten, 58 Juden, 47 mit der Angabe „It’s complicated…“, 40 mit der Angabe „Other“, 14 Sikhs, 8 Bahai, 6 Neuheiden, jeweils fünfmal „Shinto“ und Scientology – das dürfte der Existenz der Kategorie zu verdanken sein – und dreimal „Deismus“). Doch wer kann schon einschätzen, wie repräsentativ der Ort der Umfrage sein mag. Jedenfalls wird die Sache auch als solche dort diskutiert:

Ask YC [YCombinator Hacker News]: Are you religous?

BenS 1123 days ago: I feel like online applications and communities built around religion are pretty poor given how important religion is for lots of people. One hypothesis is that few hackers are religious. Maybe the YC community can confirm/offer a counter-explanation. […]
ars: No, there are plenty of religious hackers, it’s that they don’t talk about it because there is nothing much to say: every single religious argument has been argued over and over for thousands of years. What’s the point in doing it again?

Und vielleicht hat User „ars“ ja recht, seine Fülle sich selbst so verstehender religiöser Hacker schweigt einfach gewöhnlich zu diesen Fragen. In zitierter Umfrage wurden die erwähnten eigenen „Religionen“ wie der Diskordianismus nicht berücksichtigt. Ob dessen Anhänger nun kaum in der Zielgruppe vorhanden waren, sie sich doch eher als „Nonreligious/Atheist/Agnostic/etc“ ansehen oder sich unter Angaben wie „Other“ oder „It’s complicated“ verbergen, bleibt offen. Ebenso, wie sich die „Hacker“ mitsamt ihren inneren Widersprüchen zwischen Emanzipation, Sinnsuche und zugleich Kritik von Sinnkonzepten anderer in der Zukunft entwerfen.

Christoph Wagenseil

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Ein Kommentar:

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