Aber das Wichtigste ist der «Faktor Mensch»: INFOREL in Basel

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Bei REMID besteht die Möglichkeit, als Institution Mitglied zu sein. Dies nutzen ein Unternehmen, mehrere Religionsgemeinschaften (z.B. die Deutsche Buddhistische Union) sowie das inhaltlich verwandte Schweizer Projekt INFOREL. Während REMID 1989 von ReligionswissenschaftlerInnen gegründet wurde, waren es Angehörige von elf Religionsgemeinschaften, welche 1987 INFOREL ins Leben riefen, um differenzierte, unabhängige Information über Religionen, kirchliche Gemeinschaften, religiöse und weltanschauliche Bewegungen anzubieten. Wir interviewten den Leiter, den Religionswissenschaftler Christoph Peter Baumann.

Wir haben ja auch bereits zusammengearbeitet, INFOREL und REMID weisen teilweise Ähnlichkeiten auf, aber auch Unterschiede. Etwa gibt es bei REMID keinen so expliziten Bezug zum interreligiösen Dialog wie bei INFOREL in den Statuten. Wie sehen Sie das?

Die Entstehungsgeschichte von INFOREL und REMID sind unterschiedlich.
Anfänglich stand der interreligiöse Dialog im Vordergrund. Dies hat sich im Verlauf der Jahre komplett geändert.
Dass der Punkt „Förderung von Begegnungen zwischen Menschen verschiedenster Bekenntnisse («Interreligiöser Dialog»)“ immer noch so in den Statuten steht, war von Vorstandsmitgliedern als Konzession an Sponsoren begründet worden. (Ich verstehe dies nicht, aber ich bin wieder einmal unterlegen!).

1992 beschlossen Sie vereinsintern, dass Begegung bzw. Dialog als zu anspruchsvolles Unterfangen eingeschränkt wurde – zugunsten einer Informationsstelle. Wie kam es dazu?

Wir sahen, dass interreligiöser Dialog leicht in eine Sackgasse führt. „Wir sind ja alle so nett“, „Eigentlich glauben wir ja alle das Gleiche“ etc.
Wir sahen, dass die Kenntnisse über die Religionen fehlen – sowohl über die „fremde“, als auch über die eigene. Deshalb sahen wir die Notwendigkeit zu informieren.
So begannen wir mit der Arbeit, wie Ihr sie von Anfang an gemacht habt. Dazu beigetragen haben unter anderem auch Gespräche mit Gründungsmitgliedern von REMID, so zum Beispiel mit Martin Baumann und Steffen Rink.
Hermann Ruttmanns Buch «Religionen – Kirchen – Konfessionen. Glaubensgemeinschaften in Marburg» war für uns Vorbild für «Religionen in Basel-Stadt und Basel-Landschaft».

Der Religionskalender ist ein wichtiges Projekt von INFOREL. Wie wird dieser von seinen Nutzern aufgenommen?

Die Gestaltung des «Religionskalenders» haben wir von REMID abgekupfert! Leider wird er von Euch nicht mehr weiter geführt.
Das Interesse an unserem «Religionskalender» ist unterschiedlich:
– Im Internet werden die verschiedenen Seiten jährlich über 50’000 mal aufgerufen
– Der Verkauf des gedruckten Kalenders ist so stark rückläufig, dass wir ihn vorderhand nicht mehr drucken.

religionskalender

Wie bei REMID gehören zu Ihrem Angebot Materialkoffer der Religionen. Wie ist hier die Nachfrage bzw. der Dialog mit den Interessenten?


Hier ist es für einmal umgekehrt: Die Materialkoffer sind meine «Erfindung». Seit der Aufsplittung von INFOREL und Manava vertreibe ich die Materialkoffer auf eigene Rechnung (vergleichbar ist diese Aufsplittung am Ehesten mit dem Verhältnis von REMID und dem diagonal-Verlag).
Die Ausleihe, mit der INFOREL seinerzeit begonnen hat, ist heute nur noch marginal, dafür habe ich mehrere Hundert Materialkoffer verkauft.

Materialkoffer Hinduismus (große Version für speziell tamilischen Hinduismus) von INFOREL.

Eine Rubrik bei Ihnen lautet „Veränderungen in der Religionslandschaft“ mit Bezug auf die Region Basel. Kann man für unsere Leser diese Veränderungen grob skizzieren?

Dies haben wir auf inforel.ch wie folgt skizziert:
«Im Bereich der Religionen ist die einzige Konstante die Veränderung
Ein Grund ist die starke Zunahme der Mobilität. Wichtiger ist aber, dass die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religionsgemeinschaft bei immer mehr Menschen nicht mehr eine feste oder sogar unveränderliche Größe ist.
Beim Besuch der verschiedenen Gemeinschaften war auffallend, dass viele Menschen zeitweise oder sogar permanent auf der Suche sind. Oft könnte sogar von einem eigentlichen Religions- und Weltanschauungstourismus gesprochen werden.

Die Zahl derer, die in eine Kirche hineingeboren werden und ihr treu bleiben bis zum Tod, wird immer kleiner.»

Ich las auch, dass INFOREL Gutachten erstellt. Wie häufig wurde dieses Angebot genutzt? Und bei welchen Fragen?


Dies ist selten der Fall. Das letzte Mal war dies wegen der Neuapostolischen Kirche. Ausführlich haben wir das auf unserer Webseite beschrieben (1/2011, Neuapostolische Kirche noch nicht anerkannt).

Weil das Gesuch von der zuständigen Regierungsrätin zurückgezogen worden ist, musste das zuständige Departement das Ganze nochmals behandeln. Es gab dann eine Expertenrunde, zu der ich als Vertreter von INFOREL eingeladen wurde.

Ich danke für das Interview.

Das Interview führte Christoph Wagenseil.

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