Prä-Astronautik: Religionsgeschichte als unheimliche Begegnung der dritten Art


Für manche steht Sternenkult am Anfang der Religion. Solche Götter am Himmel sind dann Antwort auf die Frage, ob wir allein sind – auch in den unendlichen Weiten des Alls. Metaphysisch erschaudern lässt sowohl die Vorstellung, dass nach der Rare-Earth-Hypothese sehr viele komplexe Zufälle nötig gewesen seien, damit Vielzeller-Leben auf der Erde entstehen konnte, als auch diejenige der Green-Bank-Formel (oder SETI-Gleichung), nach welcher – je nach dem, welche Zahlen man für ihre Variablen einsetzt – wir uns in einer Masse an außerirdischen Zivilisationen verlieren. Der Physiker Enrico Fermi formulierte 1950 das Paradox, dass, vorausgesetzt Leben wäre kein ungewöhnlicher Vorgang im All, der Weltraum doch eigentlich dicht bestückt mit Raumschiffen, Sonden etc. sein müsste. Unabhängig davon, ob man aktuell an Präsenz von Außerirdischen glaubt, auch ernsthafte Entgegnungen auf Fermi seiner Zeit argumentierten, wir hätten diese Ära der Raumschiffe nur verpasst, Zivilisationen vergehen. Populärer als diese Gedankenspiele von Physikern sind bestimmte „Rätsel“ der Archäologie und Geschichte, welche eine Bewegung, die sich Prä-Astronautik oder Paläo-SETI nennt, als Spuren außerirdischer Zivilisationen deutet. Nicht nur zu ihrem bekanntesten Vertreter Erich von Däniken interviewte REMID den Religionswissenschaftler Jonas Richter.

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Der Flug ins All und die Möglichkeit des Lebens auf fremden Planeten beschäftigt Menschen schon lange. 1865 veröffentlichte Jules Verne den Roman "De la terre à la lune" mit dieser Illustration eines bemannten Projektils auf dem Weg zum Mond.

Nicht jede(r) kann mit Ausdrücken wie „Prä-Astronautik“, „Paläo-SETI“ oder „Paläonautik“ etwas anfangen. Worum geht es – und warum ist das ein für Religionswissenschaftler spannendes Thema?

Prä-Astronautik oder Paläo-SETI (wobei „SETI“ für „Search for Extra-Terrestrial Intelligence“ steht) bezeichnet die Beschäftigung mit der Frage, ob Außerirdische vor Urzeiten bereits auf der Erde waren, die Entwicklung des Menschen genetisch und kulturell beeinflusst haben, und als Götter und Kulturbringer in unsere Mythen Eingang fanden. Mythologische und heilige Schriften, aber auch archäologische Funde werden als Belege für diese Hypothese interpretiert. Dadurch, dass die prähistorischen Menschen die außerirdischen Besucher für Götter hielten, seien auch die Religionen entstanden. Vom bekanntesten Vertreter der Prä-Astronautik, dem Schweizer Bestsellerautor Erich von Däniken, wird die Grundidee in einem Satz zusammengefasst: „Die Götter waren Astronauten.“ Religionswissenschaftlich interessant ist die Prä-Astronautik damit einerseits durch die heterodoxe Deutungstradition religiöser und mythologischer Texte, aus der ein neuer Mythos entsteht. Dieser prä-astronautische Mythos dient in unterschiedlichen Ausprägungen auch als Geschichtsbild für sogenannte UFO- bzw. ETI-Religionen wie etwa die Rael-Bewegung. Andererseits ist sie interessant durch ihr Spannungsverhältnis zu den bestehenden Religionen. Däniken kombiniert in dieser Hinsicht Religionskritik mit Vorstellungen von einer kosmischen Universalreligion.

Apropos Spannungsverhältnis: Das Verhältnis zwischen Prä-Astronautik und Wissenschaft ist doch auch mehr als problematisch?

Selbstverständlich! Die Spekulationen von Vertretern der Prä-Astronautik sind in der Wissenschaft nicht anerkannt, weil ihre Argumentation wissenschaftlichen Ansprüchen nicht genügt. Die Paläo-SETI-Autoren sehen sich selbst hingegen als visionäre Vorreiter, die Recht behalten werden. Däniken z.B. ist überzeugt, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis ein eindeutiger Beweis für die Prä-Astronautik gefunden wird. Die „Götter-Astronauten“, wie er sie nennt, haben seiner Meinung nach vorhergesehen, dass sie zunächst als Götter fehlgedeutet würden, und dass die Menschen erst Jahrtausende später, wenn sie selbst ins Raumfahrtzeitalter eintreten, die wahren Zusammenhänge erkennen würden. Für diese Generation hätten die außerirdischen „Götter“ eine Zeitkapsel platziert. Sie zu finden und damit den wissenschaftlich unzweifelhaften Beweis zu haben, das ist die Hoffnung der Prä-Astronautik.
Aus religionswissenschaftlicher Sicht ist aber natürlich das Aufdecken sachlicher oder methodischer Schwächen in prä-astronautischen Argumentationen uninteressant (außerdem gibt es bereits diverse Widerlegungsschriften, [z.B. zur Cheops-Pyramide; Anm. Red.]). Wie bei Religionen sollten wir auch bei dieser Weltanschauung trotz oder gerade wegen ihres Szientismus für religionswissenschaftliche Fragestellungen die Wahrheitsfrage außen vor lassen. Streng genommen kann man schließlich nur über die einzelnen Argumente streiten, aber nicht über die mythologische Grundannahme der Prä-Astronautik, dass einst Außerirdische auf der Erde waren.

Bei der Prä-Astronautik scheint es sich doch um eine sehr marginale Erscheinung zu handeln, die auch nicht besonders traditionsreich sein kann. Wie lässt sie sich kulturell eigentlich verorten?

Wir sollten nicht vergessen, dass in unserer Kultur seit Jahrhunderten über außerirdische Lebewesen und ferne Welten nachgedacht wird. Der Diskurs über die „Pluralität der Welten“ (bzw. über das „biologische Universum“, wie Steven Dick es vor ein paar Jahren nannte) hat eine lange Tradition, und viele wichtige Persönlichkeiten haben dazu beigetragen: zum Beispiel Kepler, Cusanus, Kant und Goethe (vgl. z.B. Crowe: The extraterrestrial life debate, 1750-1900: the idea of a plurality of worlds from Kant to Lowell, 1988; vgl. Dick: Plurality of Worlds. The Origins of the Extraterrestrial Life Debate from Democrit to Kant, 1984; Ernst Benz: Kosmische Bruderschaft. Die Pluralität der Welten: zur Ideengeschichte des Ufo-Glaubens, 1978).
In den Vorstellungen von nicht-menschlichen Außerirdischen wird unter anderem die Frage nach Identität und Alterität verhandelt, was das Menschsein ausmacht, und welches Gegenüber es für uns gibt. Im 20. Jahrhundert wurde die Suche nach außerirdischem Leben zunehmend wissenschaftlicher und „trockener“. Es verwundert nicht, dass sich begleitend dazu eine Subkultur ausgebreitet hat, die sich letztlich mit Sinnfragen befasst: Im Bild des außerirdischen Wissenschaftlers, der auf der Erde intelligente Wesen erschafft, ist sowohl die Frage unseres Ursprungs beantwortet, als auch unsere Daseinsbestimmung: Däniken glaubt, dass die Menschen das All besiedeln und dort selbst zu Schöpfergöttern werden sollen. Prä-Astronautik hat heute zwar keine solche Breitenwirkung mehr wie in den 1970ern, aber sie beschäftigt sich letztlich mit Themen, die uns Religionswissenschaftlern in vielen, wenn nicht in allen Weltanschauungen begegnen. So fremd ist das also gar nicht.

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Bernard le Bovier de Fontenelle argumentiert 1686, dass der Mond und die Planeten bewohnt seien. Johann Elert Bode gab 1789 eine deutsche Übersetzung "Dialogen über die Mehrheit der Welten" heraus.

Etwas detaillierter betrachtet weist die Prä-Astronautik Wurzeln in der Theosophie auf. Wiktor Stoczkowksi hat sich in Des hommes, des dieux et des extraterrestres näher mit dieser Traditionslinie befasst. Heutige Bezüge gibt es, soweit ich sehe, vor allem zu alternativen und heterodoxen Ansichten z.B. in der Esoterik oder anderen Grenzwissenschaften, vor allem zu anderen alternativen Archäologien und natürlich zur Ufologie. Dabei darf man nicht vergessen, dass die Prä-Astronautik selbst keine religiöse Gemeinschaft ist. Sie ist stark beeinflusst von dem öffentlichen Ansehen, dass Wissenschaft und Technologie in unserer Gesellschaft genießen. Man kann auch Verbindungslinien zum Astrofuturismus ziehen – zur Überzeugung also, dass die Zukunft der Menschheit im Weltraum liegt. Die prä-astronautische Grundannahme, dass Außerirdische schon vor langer Zeit die Erde besucht haben, ist seit den 1920ern immer wieder in fiktionalen Texten, Filmen, Comics und Computerspielen verwendet worden. Prä-Astronautik ist in unterschiedlichen Formen also durchaus populär und weit verbreitet. Erich von Däniken ist vermutlich der weltweit erfolgreichste Sachbuchautor.

Die sogenannten „Cargo-Kulte“ der Polynesier werden manchmal mit den Erwartungen gegenüber Außerirdischen in Beziehung gebracht, etwa gegenüber dem aktuellen Ufo-Glauben (vgl. Andras Grünschloß: „When we enter into my Father’s spacecraft“. Cargoistic hopes and millenarian cosmologies in new religious UFO movements, 1998/2001). Spielt dieser Vergleich in der Prä-Astronautik irgend eine Rolle?

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Auf der Insel Tanna in Vanuatu wird John Frum verehrt, der im Vulkan wohne und aus Amerika stamme. Hilfslieferungen während des 2. Weltkrieges werden als Hintergrund solcher Bewegungen in der Südsee vermutet. John Frums Ehren werden am 15. Februar jährlich begangen, wozu aktuell auch die abgebildete Flaggenzeremonie gehört.

Bild von Charmaine Tham unter Creative Commons CC-BY-2.0 Lizenz.

In der Prä-Astronautik selbst wird auch auf das Modell des Cargo-Kultes verwiesen, wobei zwei Aspekte betont werden: Erstens wird verallgemeinernd angenommen, dass die Entdecker als Angehörige einer technisch fortgeschrittenen Kultur von den „Primitiven“ für Götter gehalten werden. (Begrifflich ist Däniken nicht sehr zimperlich.) Zweitens kommt es den Prä-Astronautikern auf die „missverstandene Technologie“ an, also auf das Phänomen, dass Objekte wie Flugzeuge, Gewehre oder Antennen nicht verstanden, aber auf einfache Weise nachgebildet werden. Solche Imitationskulte erkennt Däniken in allen Religionen der Welt, und das Konzept der missverstandenen Technologie dient häufig zur Erklärung und Umdeutung von bildlichen Darstellungen im Sinne der Prä-Astronautik.

Ufologen sind ja auch oft bemüht, eine Prähistorie des Ufo-Phänomens vor Roswell und Kenneth Arnold 1947 zu entwickeln. Dafür wurde ja eine Art philologisches Deutungsmuster etabliert (vgl. Blog-Artikel Wiederlesen und Neuschreiben), welches Geschichten um Elfen, Engel, Heiligenvisionen, Gotteswunder und schließlich um mysteriöse Luftschiffe und Ballons als Außerirdischen-Eingriffe deutet. Wie ist das mit der Prä-Astronautik im engeren Sinn zusammenzubringen? Könnte man das nicht auch als eine eigenwillige Variante von sozusagen „Religionswissenschaft“ betrachten?

Ja, wie ich eben sagte: Bei der Prä-Astronautik handelt es sich gewissermaßen um eine Religionstheorie, jedenfalls um eine hypothesengeleitete, interpretierende Beschäftigung mit religiösen und mythologischen Überlieferungen: Da Religionen auf dem Missverständnis beruhen sollen, die außerirdischen Besucher seien Götter, ist es nur konsequent, religiöse Überlieferungen im weitesten Sinne einer neuen Interpretation zu unterziehen und sie in einem modernen bzw. futuristischen Vorstellungshorizont umzudeuten.

Ufologie und Prä-Astronautik betreiben dabei eine gewisse Aufgabenteilung: UFO-Forscher befassen sich mit dem gegenwärtigen Phänomen, Prä-Astronautiker mit prähistorischen und historischen Indizien für die Präsenz Außerirdischer. Dabei muss allerdings gesagt werden, dass in der Ufologie die ET-Hypothese nur eine von mehreren zur Erklärung des Phänomens ist (wenn auch die mit der größten Verbreitung und Bekanntheit), während in der Prä-Astronautik der „Paläokontakt“ mit Außerirdischen quasi die Prämisse aller Überlegungen bildet.

Die Prä-Astronautik ist auch nicht allein auf textliche Quellen beschränkt. Auch archäologische Monumente und Objekte werden als Indizien herangezogen. Das gilt für Stonehenge genauso wie für Puma Punku in Bolivien, für japanische Dogu-Statuen wie für den Mechanismus von Antikythera. Vereinzelt wird auch auf Bildkunstwerke oder ethnologisches Material zurückgegriffen.

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Für Erich von Däniken sind die aus der Luft erkennbaren Scharrbilder der Nazca-Wüste in Peru die Spuren eines Kultes zur Verehrung der außerirdischen Götter. Die abgebildete Formation wird als Kolibri bezeichnet.

Bild von Bjarte Sorensen unter Creative Commons CC-BY-SA-3.0 Lizenz.

Mein Eindruck ist, dass es in letzter Zeit sowohl um Ufos als auch um die Prä-Astronautik ruhiger geworden ist, auch wenn z.B. Däniken weiterhin durch Deutschland tourt. Stimmt dieser Eindruck?

Für den UFO-Bereich kann ich das nicht so genau sagen, wobei sich in den letzten Jahren mit der Exopolitik eine interessante weltanschauliche Bewegung in diesem Themenfeld etablieren konnte. Um die Prä-Astronautik ist es nach dem Boom der 1970er ruhiger geworden, wobei allerdings beispielsweise zu beobachten ist, dass seit ein paar Jahren Dänikens Bücher auch wieder auf Englisch erscheinen. Prä-Astronautische Gedanken sind auch in der Populärkultur weit verbreitet, beispielsweise in den Stargate-Serien oder in dem jüngsten Indiana-Jones-Film (Das Königreich des Kristallschädels). Interessant ist in dem Zusammenhang auch das aktuelle Unternehmen, einen Chariots-of-the-Gods-Franchise aufzubauen, mit Filmen, Computerspielen, Shows und Freizeitparks. Was daraus wird, bleibt abzuwarten. Der von Däniken selbst initiierte „Mystery Park“ in Interlaken ist seit 2009 als „Jungfrau Park“ (nach dem Bergmassiv umbenannt) wieder geöffnet. Daher würde ich für die Prä-Astronautik seit Mitte der 1990er vorsichtig von einem Wiedererstarken sprechen, wobei mir insbesondere mediale und fiktionale Aspekte auffallen. Verkaufszahlen für die Sachbücher der einschlägigen Autoren kenne ich hingegen nicht.

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Der Mystery Park in Interlaken in der Schweiz, heute Jungfraupark.

Bild von Andrew Bossi unter Creative Commons CC-BY-SA-2.5 Lizenz.

Sabine Doering-Manteuffel zieht in ihrer Geschichte des Okkulten eine Verbindung zwischen ariosophisch inspirierten Rassentheorien seit der Vor-Nazi-Zeit und den Außerirdischen-Theorien Erichs von Däniken. Wie ist diese Beobachtung einzuordnen?

Däniken ist sicherlich durch die Theosophie beeinflusst, deren Rassenlehre auch die Ariosophie geprägt hat. Das ist allerdings eine deutlich andere Akzentuierung, als Doering-Manteuffel sie vorlegt. Völkische oder nationalistische Gedanken spielen bei Däniken keine Rolle. In seiner Vision der Zukunft schweißt die Raumfahrt alle Bewohner der Erde zu einer Einheit zusammen. Dass auch solche Vorstellungen nicht immer frei von Rassismen sind, zeigt De Witt Douglas Kilgore in seinem spannenden Buch Astrofuturism. Doering-Manteuffels Argumentation greift zum Verständnis Dänikens aber meines Erachtens zu kurz.

Es gibt ja auch direkte Mythen um Nazis und Ufos (vgl. etwa ab 1960 auftauchende rechtsesoterische Theorien über eine Vril-Gesellschaft). Wie kann man dieses Sujet von der sonstigen Außerirdischen- und Ufo-Begeisterung differenzieren?

Es gibt sehr vielfältige Auseinandersetzungen mit dem Thema „Außerirdische“. Die jahrhundertelangen kosmologischen, theologischen und philosophischen Überlegungen zur „Pluralität der Welten“, die ich oben schon erwähnte, sind nur ein Beispiel. UFO-Sichtungen, Kontakte und Entführungen, Channelings von esoterischen Botschaften, Verschwörungstheorien und Kornkreise gehören ebenso dazu wie Vorstellungen von Nazi-UFOs. Das Spektrum ist sehr breit. Meinem Eindruck nach konzentrieren sich viele Menschen in diesem weiten Feld auf ein einziges oder wenige Themen. Eine Überschneidung von Prä-Astronautik und Nazi-Ufos ist mir bisher nicht aufgefallen, wobei ich in dem Bereich auch noch nicht geforscht habe.

Die akademische Archäologie hat bei den Prä-Astronautikern keinen guten Ruf. Welchen Stellenwert haben die in das außerirdische Muster eingepassten „Rätsel“ weltweit in der Archäologie? Irgendwie drängt sich eine Parallele auf, nämlich die zu dem Sprüchlein „Was der Archäologe nicht kennt, er gerne kultisch nennt…“ (vgl. Interview „Pyramiden“ im Dschungel). Führt ein Däniken dieses Prinzip nicht nur auf seine Weise fort?

Ja, das könnte man so sagen. Allerdings bin ich der Auffassung, dass die Archäologie sich viel Mühe gibt und solide Arbeit leistet, ehe sie „kultisch“ als Notlösung für etwas Unverständliches anbietet. Däniken hingegen arbeitet weniger ergebnisoffen und zielt von vornherein auf den vorgeschichtlichen Kontakt mit Außerirdischen als Erklärungsmuster.
Vereinfacht gesagt, arbeitet Däniken darauf hin, sein Weltbild durch die Indizien bestätigen zu lassen, während Archäologen daran arbeiten, Neues zu lernen und ihr Weltbild zu erweitern oder zu korrigieren.

Was den Stellenwert der prä-astronautischen „Rätsel“ in der Archäologie angeht, so werden sie meines Wissens ganz normal behandelt und untersucht. Das gilt für die ägyptischen Pyramiden ebenso wie für Bildreliefs bei den Maya. Differenzen über die Echtheit eines Objektes bestehen eher selten. In der Prä-Astronautik wird aber immer unsere „mutmaßliche“ außerirdische Vergangenheit als Interpretationsrahmen gesetzt, während Archäologen dem kulturellen Kontext höhere Bedeutung beimessen. Dabei wird natürlich auch mal etwas ansonsten Unverständliches als „kultisch“ gedeutet. Im Prinzip kann man von Däniken sagen, dass er ähnlich verfährt: Die Fälle, bei denen ihn die archäologische Deutung nicht zufriedenstellt, erklärt er zu Indizien für die Paläo-SETI-Theorie. Der Mechanismus ist vergleichbar; allerdings habe ich bei Däniken den Eindruck, dass er die wissenschaftlichen Deutungen allzuschnell verwirft und die prä-astronautische Interpretation deutlich bevorzugt. Er argumentiert voreingenommen und weniger gründlich als die Archäologie. Natürlich wirft Däniken den Archäologen exakt dasselbe vor. In der Prä-Astronautik herrscht aber zumindest ein gewisses Bewusstsein dafür, dass in punkto Wissenschaftlichkeit noch Nachholbedarf besteht. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen gibt es da aber noch keine nennenswerten Fortschritte.

Danke für das Interview.


Das Interview führte Christoph Wagenseil.

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8 Kommentare:

  1. Hervorragender Artikel, der die Thematik umfassend beleuchtet; gratuliere.

  2. Die Wahrheit ist sehr viel komplexer und umfassender als alle Spekulation.

    Vielleicht kommen „Sie“ ja von gar nicht so weit her?

    Satellitenaufnahmen könnten Aufklärung bringen, wäre Aufklärung erwünscht und erlaubt. Wenn dem so wäre…

  3. Pingback: Von Aldebaran bis Vril. Interview über esoterischen Neonazismus « REMID Blog

  4. “şakk-ı sadr” aus dem Koran <- Beweist einen ausserirdischen OP-Eingriff an Prophet Mohammed, was sagt uns das?

    Kommentar der Redaktion: Der Kommentator meint offenbar die Öffnung und Reinigung des Herzens als Teil der „Prophetenweihe“ (vgl. Wikipedia: Himmelfahrt Muhammads). Quelle ist nicht der Koran, sondern die Hadithliteratur.

  5. Pingback: Lovecraft goes Magick: Cthulhus Ruf in Phantastik und (neuer) Religion – REMID Blog

  6. Man braucht nur weit in unsere Vergangenheit zurück blicken um uns unseren Kosmischen Nachbarn gewahr zu werden:

    http://www.youtube.com/watch?v=-32FTa_526k

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