Spirituelle Atheisten? Statistische Einblicke in aktuelle Formen weltanschaulicher Selbst-Verortung

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Bereits im Jahr 2006 erbrachte eine Studie der Düsseldorfer Identity Foundation, welche seit 2001 einen Meister-Eckart-Preis vergibt, in Zusammenarbeit mit der Universität Hohenheim, dass 10-15 Prozent der Bevölkerung „spirituelle Sinnsucher“ seien – neben 35% Religiös Kreativen, 10% Traditionschristen und 40% Alltagspragmatikern. In der Sprache des SINUS-Instituts heißt das („Was wollen die Schäfchen?“ 2011): Neben 15% Traditionellen, 10% Konservativ-Etablierten, 14% „Bürgerliche Mitte“, 7% Liberal-Intellektuellen, 7% Sozialökologischen, 9% „Prekären“ und 15% Hedonisten finden sich 7% Performer, 9% Adaptiv-Pragmatische und 6% Expeditive. Während Religiosität fast überall eine Rolle spielt, ist der Zugang doch sehr verschieden. Bei einem aktuellen Forschungsprojekt der Universität Bielefeld und der University of Tennessee in Chattanooga (USA), „Spiritualität in Deutschland und den USA“, sagt gar die Hälfte der Befragten, sie sei „eher spirituell als religiös„. Warum die in dieser Studie festgestellten spirituellen Atheisten, Agnostiker und Nontheisten keinen logischen Widerspruch leben und worum es eigentlich konkret beim boomenden Spirituellen gehen kann, das ist das Thema des REMID-Blogs zur aktuellen Woche.

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So überraschend sind die Befunde nicht. Die Studie der Identity Foundation konkretisiert z.B.:

Während die jüngere Generation besonders aufgeschlossen gegenüber neuen spirituellen Strömungen ist und beispielsweise bereits jeder Zehnte meditiert (20- bis 29-Jährige) oder Yoga macht (40- bis 49Jährige), ist für die ältere Generation das Gebet oder der Kirchenbesuch wichtiger. Zu den gängigsten religiösen und spirituellen Praktiken gehören für die Befragten das Gebet und die Zwiesprache mit Gott (im Durchschnitt 26,5 Prozent, der Besuch von Kirchen, Kapellen und anderen Heiligtümern (Durchschnitt: 17,7 Prozent) und das Deuten von Träumen (Durchschnitt: 9,2 Prozent; bei den 20- bis 29-Jährigen sogar 19,6 Prozent). Weitere häufig praktizierte Formen sind Astrologie und Horoskopdeutung (Durchschnitt: acht Prozent; bei den 20- bis 29-Jährigen sogar 14,3 Prozent), Yoga, Chi Gong und Ayurveda (Durchschnitt: 5,6 Prozent; bei den 40- bis 49-Jährigen sogar 11,1 Prozent), Meditation, Kontemplation und Zen (Durchschnitt: 4,9 Prozent; bei den 20- bis 29-Jährigen sogar 8,9 Prozent) sowie Gespräche mit Geistlichen (Durchschnitt: 4,8 Prozent).

Die Stile, welche die Milieus des SINUS-Instituts abbilden wollen, haben dabei bereits ihre Kritik erfahren (Deutschland – eine Kartoffelgrafik? Telepolis 2009), sei es ihre Herkunft aus dem Marketing, das Betriebsgeheimnis ihrer Herstellung oder ihre Rolle als eventuell nicht mehr haltbarerer Versuch einer Fortsetzung klassischer Drei-Schichten-Modelle der Gesellschaftssoziologie.

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Bei der Identity Foundation wiederum findet sich bislang wenig Berichterstattung, die nicht von ihr selbst produziert wurde. Sie ist verbunden mit der Universität Köln und der PR-Agentur Ketchum Pleon, einer Tochter von BBDO. Der Stifter Paul J. Kohtes ist zugleich Kurator der Stiftung „Authentisch Führen“, einer Zen-Akademie für Führungskräfte in Münster. Man findet etwa in einem Werbetext eines von ihm mit herausgegebenen Buches „Raus aus der Führungskrise“ von 2006:

Noch vor nicht allzu langer Zeit hätte man mit Begriffen wie „Integrale Führung“, „Authentisches Management“, „Business Feng-Shui“ oder „Pferde im Managementtraining“, nur Spott geerntet. Für die einen ist es die Folge einer inneren Reifung für die anderen ist der äußere Zwang zur Veränderung ausschlaggebend: Es macht Spaß an sich zu arbeiten und zu erfahren, dass in diesem Prozess sich auch die äußeren Gegebenheiten zum positiven wandeln. Mehr Gelassenheit, Gesundheit und Erfolg können als Ergebnis erwartet werden.

Dabei muss man lange suchen, bis man unter den unzähligen „Authentisch Führen“-Angeboten im Internet eines gefunden hat, welches tatsächlich zu dieser Stiftung gehört.

Das ist für die Ergebnisse der Studie der Identity Foundation erst einmal irrelevant, so lange ihr keine wissenschaftlichen Mängel nachgewiesen werden können. Höchstens ist ein Interesse an Spiritualität festzustellen – oder eher an „große[n] Vermittler[n] zwischen den Wissenschaften“ und solchen, die „in eine Metaperspektive geh[en] und die Puzzleteile wieder zusammenfüg[en]“ (so die Sprecherin anlässlich der Verleihung des Meister-Eckart-Preises an den Philosophen Michael Serres im Februar).

Freilich haben wir es hier auch mit einem anderen Profil zu tun als bei der eher antireligiösen Giordano-Bruno-Stiftung (vgl. „Über den Erfolg segregativer Thesen„). Deren „Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland“ (fowid) bezweifelt eher die These einer „Rückkehr der Religionen“.

Allerdings ähnlich sieht das auch das noch laufende DFG-geförderte Projekt in Bielefeld. Religionen – so könne man es verkürzen – seien eher der „bad guy“, während loser bzw. freier Spiritualität die Rolle des „good guy“ zukomme, so die Worte der Mitarbeiterin und Religionspsychologin Dr. Barbara Keller. Das Projekt baut u.a. auf einer „Dekonversions“-Studie auf:

Die Bielefelder kulturvergleichende Studie über Dekonversion hat Trennungs- und Ablösungsprozesse aus einer Vielfalt von religiösen Orientierungen und Mitgliedschaften in den U.S.A. und Deutschland in den Blick genommen: vom Austritt aus etablierten, Mainstream-Religionsgemeinschaften bis hin zum Ausstieg aus kleineren neu-religiösen und fundamentalistischen Gruppen. Von 2002 bis 2005 wurden insgesamt 1.196 Versuchspersonen interviewt. […]

Die Bielefelder kulturübergreifende Dekonversionsstudie hat in transatlantischem Vergleich und weit größerem Detail das untersucht, was als Studie von christlich-fundamentalistischen Biographien für die Enquete-Kommission “Sogenannte Sekten und Psychogruppen” des 13. Dt. Bundestags begonnen hatte. (Quelle: CIRRuS, zur Sektendebatte vgl. Artikel „In Sekten?„).

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Anmerkung zur Grafik: In dieser Studie wurden nur Mitglieder von Religionsgemeinschaften befragt. Erst die aktuelle Befragung 2010-11 richtete sich an die Gesamtbevölkerung. Bei ihr soll jeder zweite angegeben haben, eher spirituell als religiös eingestellt zu sein.


Ähnlich den SINUS-Milieu-Erläuterungen wird für die Spirituellen eine Gleichzeitigkeit von Kritik an traditionellen Religionen, ihren „Dogmen“, ihrer „Hierarchie“ etc. einerseits und von einem über ein mechanistisches / materialistisches Denken hinausgehenden Sinnkonzept andererseits entscheidend.

Die Überraschung spirituelle Atheisten, Nontheisten und Agnostiker unter den Studienteilnehmern vorzufinden, welche sich über die verwendeten Skalen als kleine, aber spannende kategorisierbare Gruppe ergaben, hängt aber bloß mit dem fehlenden religionswissenschaftlichen Überdenken soziologischer Kategorien zusammen. Zumeist wird der Religionsbegriff zu eng an den Eingottglauben bzw. den Glauben an Höhere Wesen geknüpft (vgl. Artikel „Der Religionsbegriff und die Neuen Atheisten„): So mancher Religionswissenschaftler, falls er oder sie an dieser Studie privat teilgenommen haben sollten, wäre vermutlich auch in dieser Kategorie gelandet.  Dabei genügt vielleicht allein die problematische Voraussetzung sich auf der Skala Theismus – Agnostizismus – Atheismus verorten zu müssen. Es gibt viele Religionen neben dem Christentum (die ein Religionswissenschaftler faktisch meistens sogar näher als dieses kennengelernt haben dürfte). In vielen ist die Gott- oder Götterfrage nicht notwendig das entscheidende Element usf. Man muss nicht erst auf Buddhas Worte kommen, dass die Götter nicht wichtig sind.

Allerdings ist es auch kein Zufall auf Buddhismus und Hinduismus zu kommen. Sicherlich ein wichtiger Bereich spiritueller Konzepte rezipiert „östliche Weisheiten“. Auch die oben angeführte Zen-Akademie für Führungskräfte tendiert in diese Richtung. Viele Inhalte der sogenannten „Esoterik“ oder eben weitläufig „Spiritualität“ haben ihre Herkunft im einst außereuropäischen religiösen Bereich.

Bhagwan- / Osho-SchülerInnen haben die heute übliche Form des (Neo-)Tantra entwickelt, die im Westen (und anderswo) übliche Form des Kundalini-Yoga (insb. „Chakrenarbeit“) entwickelte der Sikh Yogi Bhajan (1929-2004), beim Hatha-Yoga (insb. Körperübungen) wird der Ursprung bereits mythisch Tirumalai Krishnamacharya (1888-1989!) zugeschrieben. Viele andere Elemente entstammen der Rezeption der Literatur hermetischer Orden oder neopaganer Gruppen. Aber auch aus Kunst, Musik, Kino und Literatur.

Doch ist damit noch nicht geklärt, was das Spirituelle ausmacht. Was haben die Körperübungen mit Spiritualität zu tun? Z.B. bei der katholischen 60jährigen Familienmutter, die Hatha-Yoga in der Volkshochschule macht, aber „wenn die von Karma und so anfangen, höre ich weg“?

Umgekehrt hilft bei der Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit spiritueller Atheisten auch ein Blick auf die möglichen Formen von Atheismus. Neben dem erwähnten religionsgeschichtlichen Atheismus oder Agnostizismus, der allein schon unterschiedliche Varianten haben kann („Theismus ist ein eurozentrisches Konzept“; „angesichts der Vielzahl von Religionsformen kann ich keiner Wahrheit zu- oder absprechen“) gibt es weltanschaulich begründete Atheismen (z.B. bestimmte Formen des Marxismus und Liberalismus), welche der Theologie eine normative Anthropologie gegenüberstellen: mittels des Fortschritts solle dem Gattungswesen Mensch statt den jenseitigen Verheißungen der Religionen die Bedürfniserfüllung im Diesseits zukommen. Es gibt einen melancholisch-romantischen Atheismus, wie ihn Jean Pauls „Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein Gott sei“ (1796) oder Lord Byron (man vgl. z.B. die Werke Manfred von 1816-17 und Cain von 1821) repräsentieren. Es gibt einen skeptizistisch begründeten Agnostizismus so wie es einen moralisch begründeten Atheismus gibt, nach dem es keinen Gott geben kann, der beispielsweise Auschwitz zulassen könne.

spirit2007Anmerkung zur Grafik: „Fromm“ fragt lediglich Intensivität ab. Es wird betont, dass theistische Spiritualität nicht mit kirchlichem Traditionalismus verwechselt werden dürfe. Die „Religionskomponisten“ seien charakterisiert „durch Zustimmung zu einzelnen christlichen Glaubensinhalten sowie zu fernöstlichen religiösen Überzeugungen und humanistischen Ansichten“ (S. 25, Anm. 3).


Es entsteht also nur in bestimmten Konstellationen eine notwendige Verbindung von Atheismus und einem philosophischen Materialismus, der im Sinne eines physikalisch-chemisch-biologischen „Reduktionismus“ eine Antihaltung gegenüber Metaphysik jeglicher Art entwickelt (oder Sprachhygiene empfiehlt, die mittels eindeutig gedachter Definitionen Mystizismen = unsaubere Begriffe grundsätzlich ausschließen will). Nicht zufällig spricht dieser philosophische Materialismus auch die Verfasstheit der Wissenschaften an. Der Unterschied von Atheismus (Verneinung der Gottesidee) und Agnostizismus (Angabe eines Nichtwissens um die Existenz Gottes) spielt für die in der Tradition des „methodischen Atheismus“ eines Alexanders von Humboldt stehenden Naturwissenschaften keine große Rolle.

Zugleich sind gerade sie die derzeit größten Ideenlieferanten für spirituelle Konzepte, die etwa in der neueren (Nicht-Meta-)Physik fußen. Zudem reflektieren gerade Naturwissenschaftler kaum ihre sprachlichen Handlungen und die Faktizität abbildtheoretischer Realitätskonzepte befördert die Mystifizierung – gerade von Begriffen wie Gen, Energie, Feld, Schwingung etc.

Möglicherweise ist das Gegenüber von Spirituellen und z.B. den eher antireligiösen Neuen Atheisten eine Fortsetzung ähnlicher früherer Debatten: der Neuplatoniker und der aristotelischen Schule; der pietistisch und hermetisch beeinflussten Autoren der Empfindsamkeit des 18. Jahrhunderts und der mechanistischen Philosophie, welche den Menschen als Maschine denkt; der Surrealisten und der Naturalisten bzw. der Autoren der Neuen Sachlichkeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts usf.

Nun mag es an den vorliegenden Daten und den sie verantwortenden Thinktanks und deren Interessen liegen, aber es scheint so, als ob gerade die „spirituellen Atheisten, Nontheisten und Agnostiker“ (bzw. überhaupt einige Teilgruppen der Spirituellen) eine progressive Lebensform darstellten.

Daran sind allerdings vielleicht auch die antireligiösen Neuen Atheisten schuld. Vermitteln sie doch ein eher geschlossen dogmatisch wirkendes Bild eines Atheismus, der immerzu warnt und verschmäht. Wo früher dies eher die Position des Klerus aus der Perspektive damaliger Atheisten (z.B. des 19. Jh.) gewesen war, habe die spirituelle Szene gerade kein Askese-, sondern ein angebliches Konsumproblem: die Angebote eines esoterischen und spirituellen Marktes. Idealtypisch wirkt in dieser Weltsicht die Natur erschlossen bzw. für den Laien verschlossen. Dabei steht ein solcher Atheist – ob unüberlegt oder bewusst – eher der Pharmazie-Lobby und der Geräte-Medizin argumentativ nahe, ist selten Nutzer präventiver medizinischer Praktiken und kann regelrechte Hetzjagden auf Scharlatane und angebliche Büttel des Aberglaubens mittragen. Neuerdings kann hinzukommen, dass eine grundsätzliche antireligiöse Haltung als gruppenbezogene Menschenfeindlichheit in Erscheinung tritt. Auch gibt es eine Neue Rechte, die mit einem solchen Atheismus auftritt.

Es gibt also neben vielen anderen bunten Ausgestaltungen weltanschaulicher Selbst-Verortung eine Art konservativen Atheismus, der in letzter Zeit verstärkt in Erscheinung tritt. Neben den spirituellen Atheisten, Nontheisten und Agnostikern oder den spirituellen Performern, Adaptiv-Pragmatischen und Expeditiven. Manche Formen des weltanschaulichen Atheismus scheinen aktuell schwerer anzukommen, insofern sie eines Fortschrittsoptimismus bedürfen.  Insofern geht der Blick der offenbar zahlreichen „eher spirituell“ Gesinnten also ins Innere, zu anderen Kulturen und ihren Praxen, zur Mystik, zum Körper,  zu alternativen Formen medizinischer Behandlung,  zur Ganzheitlichkeit, „zur Natur“ und zurück zu solchen Ideen wie neben einer Revolution der Zustände des Menschen eine Revolution seines Bewusstseins anzustreben. Wohin es mit demselben gehen soll, da scheint allerdings noch Uneinigkeit zu bestehen – man denke an die Kurse für Führungskräfte zurück und vergleiche sie mit spirituellen Botschaften aus einem anderen Sujet: „Occupy yourself – […] Lösche die Programmierungen der Gesellschaft aus deinem System und verbinde dich mit deiner ursprünglichen Kraft der Gutheit des natürlichen Lebens“ (Quelle: Ganzheitliches Forum Freiburg). Soweit die naheliegenden Klischees – für Details bedarf es weiterer Studien.

Christoph Wagenseil

Nachtrag 2013: Man vgl. auch den Nachtrag im Artikel „Wer sind die Konfessionsfreien?“ zu einer aktuellen Allensbach-Umfrage vom Sept. 2012.

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6 Kommentare:

  1. Sehr interessante und übersichtliche Statistiken!!

  2. Ein weiterer Literaturhinweis:
    Martin Morgenbesser (2012) Säkularer Synkretismus?. Universität Wien.

    Aus dem Abstract: „[…] In einer quantitativen Online-Erhebung mittels eines umfangreichen standardisierten Fragebogens wurden 550 Studenten und Studentinnen der österreichischen Musikhochschulen und Konservatorien […] befragt. Die Auswertung belegt eine hohe Bedeutung von Spiritualität und Glaube für einen Großteil der Teilnehmer, trotz eher gering ausgeprägter religiöser Praxis und schwacher Identifikation mit der Konfessionszugehörigkeit. Ein Viertel der Befragten bezeichnet sich als spirituell, aber nicht religiös, wobei sich diese Gruppe im Hinblick auf die Ausprägungen der übrigen Glaubensdimension deutlich von klassisch-religiösen und unreligiösen Befragten abhebt und einen besonders individualistischen Zugang zu Glaubensfragen zeigt. Mittels einer Clusteranalyse auf Grundlage der Zustimmung zu theistischen, neureligiösen und atheistischen Glaubensinhalten sowie des Ausmaßes an Transzendenzerfahrung und religiöser bzw. spiritueller Praxis konnten sieben Weltbild-Typen (Hochreligiöse, eher Religiöse, Esoteriker, eher Neureligöse, Suchende, Indifferente, Atheisten) ermittelt werden, die sich als äußerst aussagekräftig und brauchbar für die Analyse der Glaubensmuster erwiesen. Die These des oft behaupteten „Unbehagens an der Moderne“ konnte bestätigt werden, derartige Einstellungen sind bei allen religiösen Typen, nicht nur bei den eher neureligiös-spirituellen, zu finden. […] Außerdem konnte bei gläubigen Befragten (besonders bei eher neureligiös veranlagten) eine deutlich skeptischere Einstellung gegenüber den Wissenschaften festgestellt werden als bei den eher atheistischen oder indifferenten Befragten. Die Musikstudenten und -studentinnen zeigen eine außerordentlich hohe Affinität zu Musik als Quelle, Mittel und Ziel von Transzendenz. […]“.

  3. Nach einer Umfrage des Marktforschungsinstitutes „Spectra“ in Linz 2012 (n = 1000) sollen 74 Prozent der Österreicher Phänomene wie z.B. Gedankenübertragung, Wunderheilen oder Hellsehen für möglich halten (bzw. nur 61% bei den Männern). Im Detail geglaubt wird an Telepathie (39%), ASW und Geistheilung (jeweils 30%), Reinkarnation (19%), Präkognition (17%), Magie (15%), Kontaktaufnahme mit Verstorbenen (14%), Telekinese (13%), Geisterbeschwörung, Exorzismus oder Außerirdische (im Bereich von 5-7%).

  4. Pingback: Zuerst kam der Konformismus: Ende und Transformation des alternativen Milieus « REMID Blog

  5. Christoph Wagenseil

    Am SPI – Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut wurde das Projekt: „Religiosität in der modernen Welt – Bedingungen, Konstruktionen und sozialer Wandel“ durchgeführt (2007-2011).

    Ergebnisse

    Während in den vergangenen Studien der Akzent vor allem auf die Individualisierungsthese gelegt wurde, fokussiert die Auswertung der jüngsten quantitativen und (erstmals) qualitativen Untersuchungen stärker auf Fragen im Zusammenhang mit der Säkularisierungsthese. So wird im Schlussbericht weniger nach den individuellen Mustern religiöser Konstruktionen gefragt und mehr nach grundsätzlichen Verschiebungen in der Religionslandschaft der Schweiz. Im Kern werden die Ergebnisse der Untersuchung als Belege für einen anhaltenden Trend zur Säkularisierung interpretiert. Die Forschungsgruppe konnte zeigen, dass sich immer mehr Schweizerinnen und Schweizer von einer institutionell verankerten Religion distanzieren.

    Die Forschungsgruppe hat vier Religiositätstypen identifiziert:

    Die Institutionellen (17%) gehören einer der beiden Landeskirchen oder einer Freikirche an und sind überzeugte Gläubige.
    Die Säkularen (10%) sind der Religion gegenüber gleichgültig oder lehnen sie ab.
    Die Alternativen (9%) kultivieren andere Arten von Religiosität, z. B. esoterische, synkretistische, holistische oder körperbezogene religiöse Praktiken.
    Die Distanzierten (64%) bilden die grösste Gruppe. Diese hat ein sehr lockeres bis distanziertes, aber nicht vollständig abgebrochenes Verhältnis zur christlichen, institutionell verfassten Religion. Obwohl die meisten von ihnen Mitglieder einer Landeskirche sind, bedeutet ihnen die Religion nicht viel. (Quelle, Publikation dazu soeben Sept. 2014 erschienen)

  6. Pingback: Was ist eigentlich eine Weltanschauung? – REMID Blog

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