Religion online: Digitale Sinnsucher, virtuelle heilige Stätten und die Rolle des Tabus

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Virtuelle Welten haben von Anfang an einen utopischen Charakter – sei es das „Projekt Xanadu“ als früher Versuch einer digitalen universalen Bibliothek 1960 (benannt nach einer Zeile des Gedichtes „Kubla Khan Or A Vision in a Dream“ von Samuel Taylor Coleridge von 1798), sei es die später gebrochene Euphorie eines Stanislaw Lem (vgl. die Artikel des Science-Fiction-Autoren auf Telepolis, insbesondere „Progression des Bösen“ von 2001 im Vergleich mit „Meine Abenteuer mit der ‚Futurologie‘“ von 1997). Überhaupt liegen virtuelle und ideale Welten qua Konstruktionsmoment schon nahe beisammen (vgl. die Einführung des Bandes „Virtuelle und ideale Welten“ von Ulrich Gehmann, Karlsruher Studien zur Technikgeschichte Nr. 8, Karlsruhe 2012). Sinnkonzepte, ob nun weltanschaulich, religiös oder spirituell, spielen also grundsätzlich eine Rolle. Wie es konkret um Religionen in den Neuen Medien bestellt ist, dazu befragte REMID die Religionswissenschaftlerin Anna Neumaier von der Ruhr-Universität Bochum.

Religionen und Medien scheinen – je nach Medienbegriff immer schon – miteinander verbunden (vgl. Blog-Artikel „Heilige Medien: Von der Teufelsbibel zum Tempel-App„). Wie verändern Neue Medien wie das Internet die religiöse Praxis tatsächlich? Kann man darüber etwas Allgemeines sagen?

Erste Schlussfolgerungen kann man ausgehend von den medialen Spezifika des Internets bzw. des World Wide Webs ziehen. Auch hier ist es wieder schwierig, etwas ganz allgemein zu formulieren, weil sich im Rahmen des Internets natürlich letztlich viele verschiedene Arten der Kommunikation und Interaktion anbieten – von Mailinglisten über Homepages hin zu Blogs oder den sogenannten „virtuellen Umgebungen“ wie Second Life.

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Gebetstreffen in der "1st Presbyterian Church of Second Life" (http://www.1pcsl.org).

Grundsätzlich lässt sich aber schon sagen, dass eine Vielzahl dieser Angebote sich durch ein paar zentrale Eigenschaften charakterisieren lassen: Ein hoher Grad der Selbstbestimmtheit bei der Wahl der konsumierten Inhalte, große Freiheiten bei der Art der Nutzung, oft die Möglichkeit zur Interaktion und teilweise sogar zur Produktion von Inhalten. Was mache ich womit, wann und wo? Hier bieten die meisten Onlineplattformen mehr Möglichkeiten als traditionellere Medien wie Bücher, Fernsehen, Radio. Davon ausgehend ließe sich die Hypothese aufstellen, dass auch religiöse Beteiligung optionaler wird und daraus eine geringere Verbindlichkeit entsteht, in deren Folge das Commitment sinkt.

Zumindest für mein Forschungsfeld – religiöse Online-Diskussionsforen – sehe ich letzteres aber nicht bestätigt. Was dort dagegen zutrifft, ist vielmehr die produktive Nutzung dieser großen Freiheit im Rahmen der individuellen religiösen Biografie: Interessiert mich die Auslegung bestimmter Bibelstellen oder die neuesten Nachrichten aus meiner Gemeinde? Brauche ich Hilfe bei persönlichen Fragen und Problemen oder will ich andere Leute überzeugen? Hier können Nutzer sehr gezielt das in Anspruch nehmen, was ihren persönlichen und/oder aktuellen Bedürfnissen entspricht.

Die Täufer- oder Tempel-Apps mögen noch etwas Extravagantes darstellen, relevanter für ein religiöses Online-Leben sind vermutlich soziale Netzwerke, Messenger-Dienste und ähnliches?

Quantitativ ist dies schwierig zu sagen. Bei sozialen Netzwerken und anderen Seiten, bei denen man sich registrieren kann, lassen sich noch Aussagen über eine ungefähre Teilnehmerzahl treffen, bei allen anderen Seiten ist dies von außen schwierig. Zudem zeigt sich an manchen Stellen eine eigenwillige Umnutzung: Beichtseiten werden dann teilweise etwa dazu genutzt, um öffentlich – aber anonym – heiße Sexgeschichten zu erzählen – inwiefern dies mit den Intentionen der Seitenbetreiber oder einem konventionellen Beichtverständnis übereinstimmt, bleibt unklar.

facebook

Aus dieser Auswertung von Facebook-Statistiken von 2011 wollen die Autoren der zitierten Webseite schlussfolgern, dass 46% der Seitenaktivitäten auf dem sozialen Netzwerk religiöser Art seien.


Auch in den Online-Diskussionsforen mit hohen Nutzerzahlen (zum Teil im sechsstelligen Bereich) werden manchmal sehr weltliche Themen besprochen. Vielleicht ist Folgendes eine allgemeine Aussage, die man hier wagen kann: Soziale Netzwerke bzw. der Austausch mit anderen bindet Nutzer in der Regel mehr ein – nicht obwohl, sondern gerade weil es um alle möglichen Themen geht. Dies macht es dann wahrscheinlich, dass die Nutzung breitere Auswirkungen auf den Alltag „jenseits des Internets“ hat und damit biografisch relevanter wird. Dazu muss man aber sagen, dass ich noch keine Studie zu religiösen Apps kenne, die tatsächlich einen guten Vergleich ermöglichen würde. Und zuletzt sollte man noch dringend hinzufügen, dass der Stellenwert der Online-Beteiligung bei den einzelnen Nutzern sehr unterschiedlich ist:

Für manche ist es die einzige Art, Religiosität zu leben oder zu thematisieren, für andere nur eine Ergänzung zum Engagement in beispielsweise einer ganz traditionellen christlichen Gemeinde. Und dementsprechend ist auch die Motivlage sehr unterschiedlich.

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Eines der Themen, die Sie in einem Artikel zum Thema anschneiden, ist die besondere Rolle der Anonymität. Im 18. Jh. konnten die damaligen in ihrer Form neuartigen Periodika sowohl zu anonymen Geständnissen intimer Angelegenheiten anregen als auch anonyme Formen der Anklage und Verleumdung begünstigen. Was ist Ihr Eindruck für das 21. Jahrhundert?

Anonymität ist ein Faktor, der für mein Feld zentral ist, und gleichzeitig sehr umstritten. Ich habe gerade eine Online-Erhebung in der Feldphase, bei der von bisher knapp 400 Teilnehmern rund die Hälfte angeben, dass Anonymität für sie wichtig oder sehr wichtig ist, nur zehn Prozent stuften sie als „gar nicht wichtig“ für ihre Nutzung ein. Inhaltlich kann man darauf verweisen, dass in vielen Foren Themenstränge zu persönlichen bis intimen Themen einen festen Platz einnehmen – von Glaubenszweifeln über Ehekrisen bis hin zu psychischen Problemen. Gleichzeitig entstehen bei vielen der regelmäßigen Forennutzer auch persönliche Kontakte zu anderen Nutzern, die die Anonymität wieder auflösen. Insgesamt besteht in den Diskussionsforen eher eine Pseudonymität – jeder Nutzer hat ja einen Nicknamen, der mehr oder weniger über ihn preisgibt, zumindest aber dafür sorgt, dass sich Nutzer, die länger aktiv sind, von ihm ein gewisses Bild machen und sich auch die eine oder andere Geschichte merken. Wenn dann noch die persönlichen Kontakte dazukommen – private Nachrichten, Telefonate, aber auch ganz normale Offline-Treffen sind gar nicht so unüblich – führt das teilweise dazu, dass man die oben genannten heiklen Themen nur noch in einem anderen Forum, unter einem zweiten Nick oder gar nicht mehr anspricht. Es zeigt sich also sowohl das Bedürfnis nach Vergemeinschaftung als auch nach einem geschütztem Austausch.

In jedem Fall sieht man nicht – wie man vielleicht erwarten würde – dass im 21. Jahrhundert alles Tabuisierte verschwunden wäre, im Gegenteil. Es gibt bei vielen Themen das Bedürfnis, sie zu besprechen, aber ohne sich im privaten Umfeld, in der Familie oder unter Freunden zu offenbaren. Neben den ganzen „reißerischen Dingen“ gehört für manche auch die eigene Religiosität dazu – und das könnte ein Bereich sein, in dem die Tabuisierung eher zunimmt. Aber letzteres ist erst einmal eine gewagte Hypothese.

Wir beobachteten Ähnliches im Feld der Hackercommunities: Wenn das Gros eher stark kritisch gegenüber zumindest traditionellen Religionsformen eingestellt ist, scheint sich der z.B. religiöse Hacker in Diskussionen zurückzuhalten (vgl. Von Chanology bis Pentabarf – wie halten Hacker es mit der Religion?).
Online-Religiosität verändert unsere klassischen Begriffe von „Gemeinschaft“ oder „Raum“. Beeinflusst das heute schon die Religionen merklich?

Dass der Raum der Kirche vor Ort manchmal so leer ist, liegt gerade auch an seiner lokalen Verortung. Leute, die ihre religiösen Bedürfnisse online befriedigen, geben auch ganz pragmatische Gründe an: Die nächste Kirche der passenden Gemeinschaft ist so weit weg oder am Sonntagvormittag hat die Familie Vorrang, die man sonst die ganze Woche nicht sieht. Die Online-Angebote dagegen lassen sich zeitlich und räumlich unabhängig nutzen. Bei der lokalen Gemeinschaft kann es sein, dass durch Konflikte oder auch einfach Umzüge ein Kontakt abbricht und nicht wieder aufgenommen wird – Online-Communities sind von überall erreichbar und erscheinen zugleich niedrigschwelliger und unverbindlicher zugänglich.

Die Kirche stellt sich, soweit ich das sehe, auf die oben beschriebenen Entwicklungen beispielsweise mit dem Konzept der City-Kirche ein, die ebenfalls ein offeneres und niedrigschwelligeres Angebot darstellen sollen.

Für die Online-Beschäftigung mit Religion kann man vielleicht sagen, dass sich die Art der Gemeinschaft und die Art des „Treffens“ ändern: Die lokale Verortung fällt natürlich weg, und in der Regel auch erst einmal feste Termine und Rituale. Dafür „trifft“ man sich auf einer bestimmten Online-Plattform, die ja auch eine „Adresse“ hat. Dort kommen und gehen die Leute, aber einen festen Stamm an Mitgliedern trifft man zugleich immer wieder. Es lässt sich eher mit einem belebten Gemeindehaus als mit einer Kirche mit festen Veranstaltungszeiten vergleichen. Einen klaren Unterschied zur „Offline-Religiosität“ kann man aber insgesamt schwer formulieren, weil Religiosität eben bereits offline bekanntermaßen sehr unterschiedlich ist – an manchen Orten mag es einen jederzeit belebten Treffpunkt geben, an anderen nicht.

Was aber sicherlich Auswirkungen hat, ist die große Reichweite des Mediums, die ja eigentlich nur an Sprachgrenzen endet. Zentral sind da natürlich die Fälle, in denen auf diese Weise ein täglicher Austausch mit Gläubigen ermöglicht wird, den es im näheren Umfeld einfach gar nicht gäbe. Aber die Online-Angebote werden auch genutzt für den Kontakt zu Leuten, die sich durchaus alle im selben Rahmen weit verbreiteter Traditionen befinden (also beispielsweise Mitglieder der gleichen evangelischen Gemeinde sein könnten). Hier sind es dann die feinen Unterschiede in Überzeugungen und Ansichten, die für die religiöse Selbstdefinition sehr relevant sein können, die aber im Gemeindekontext offenbar selten thematisiert werden. Online, angesichts einer riesigen Zahl an Angeboten und Nutzern, kann man sich also neben der Zugehörigkeit zu einer Gemeinde und dem dortigen Austausch mit Anderen noch einmal viel genauer verorten.

Auch hier muss man aber sagen: Es gibt daneben viele andere Motive, sich online zu beteiligen, es ist nicht immer die Suche nach einer passenden Gemeinschaft.

Gibt es Religionen, die mehr „online“ wagen oder sich stärker durch die Neuen Medien verändern? Bzw. andersherum solche, die sich weniger auf diese Möglichkeiten einlassen oder sich vor ihnen verschließen?

Ich persönlich beschäftige mich schwerpunktmäßig mit Angeboten aus dem christlichen Bereich, mit kleinen Seitenblicken auf muslimische und ein paar neureligiöse Plattformen. Online-Präsenzen hat inzwischen ja quasi jeder, allerdings sind die Seiten der großen christlichen Kirchen relativ stark informativ und wenig interaktiv – also hinsichtlich der Kommunikationswege eher one-to-many als many-to-many. Gleichzeitig gibt es durchaus Initiativen vor allem einzelner Bistümer oder Gemeinden, interaktive Medien breit und innovativ zu nutzen. Hier verschwimmen dann allerdings bei einer Beschreibung von außen schnell die Grenzen zwischen offiziellen Angeboten und den eher privaten Angeboten, die sich aber auch bestimmten religiösen Traditionen zuordnen. Von letzterem gibt es eine unüberschaubare Zahl, was vielleicht auch daran liegt, dass solche Angebote einfacher und ohne große Formalitäten realisiert werden können.

Ein vergleichender Blick auf Online-Wiccaschulen zeigt dagegen, dass hier das Internet sehr stark genutzt wird – nicht nur, um sich individuell zu vernetzen, sondern auch für Ausbildung und Nachwuchsarbeit. Das ist ein spannendes und hochfluides Feld, in dem sich meiner Meinung nach z.B. auch Fragen nach religiösen Institutionalisierungsprozessen und der Rolle online-gestützten Austausches darin aufdrängen.

Nicht nur dem Vatikan scheint das Internet nicht immer geheuer (vgl. Artikel „Des Teufels Netz„), auch in Russland werden unter „extremistischen Internetseiten“ gerne solche anderer Religionen als der Orthodoxen Kirche verstanden (vgl. Umgang mit anderen Religionen: Russen dürfen weiter Bhagavadgita lesen). Religiöser Pluralismus wird mindestens sichtbarer. Wie verhält sich der Religiöse da online zu den Angeboten der anderen?

Genauso wie der Religiöse sich offline verhält: Sehr unterschiedlich. Das wird natürlich gerahmt durch den Umstand, das viele Online-Angebote administriert werden, allzu beleidigende oder provozierende Beiträge im Zweifelsfall gelöscht oder zumindest eine Diskussion unterbunden wird. Ansonsten ist meine Beobachtung in den Foren – dort sowie in Blog- und Artikelkommentaren sieht man ja sehr gut, wie sich Religiöse zueinander verhalten – dass um die Details heiß gestritten wird, aber dies dann meist in dem Bewusstsein geschieht, im Grunde ja ähnliche Überzeugungen zu teilen.

Auf ganz andere Glaubensrichtungen trifft man dort aber zumeist gar nicht oder (in aller Regel) nur in einem begrenzten und eingespielten Maße: Wer andere beleidigt oder zu aggressiv ist, kann ja auch mithilfe technischer Maßregelungen gestoppt werden. Das heißt, die Auslegung einer bestimmten Bibelstelle kann eine kontroverse Diskussion mit hundert Beiträgen nach sich ziehen, aber Grundsatzdiskussionen mit einem völlig fremden Gegenüber werden selten geführt. Die Erfahrung hat da vielleicht auch einfach gezeigt, dass sie in den seltensten Fällen ersprießlich oder gar fruchtbar enden. Sichtbarste Ausnahme sind dabei allerdings Streitigkeiten um den Islam, die sich ja auch häufig per Kommentarfunktion an Nachrichtenartikel über den Islam angliedern. Wobei sich hier auch eher selten Muslime selbst zu Wort melden, sondern dort weitaus überwiegend nicht-muslimische User zu finden sind oder es gar zu einem verabredeten „Überfall“ der Islamfeinde auf die Kommentarspalte kommt. Das korreliert aber im Grunde mit allgemeinen gesellschaftlichen Debatten und kann nicht auf die Auseinandersetzung mit oder zwischen anderen religiösen Traditionen übertragen werden.

Mit der Missionierenden Kirche der Kopimisten und entsprechenden Vorläufern in der Hackerszene gibt es auch inzwischen Religionen, die nicht nur mit den Neuen Medien arbeiten, sondern letztlich auf ihnen beruhen. Kann man sagen, womit in diesem Bereich noch zu rechnen sein wird?

Oh, ich persönlich würde das lieber nicht tun. Dazu wären Hypothesen sehr gewagt. Erstmal müssten wir uns darüber streiten, ob es sich bei diesen Neuerungen um Religionen handelt. Das Internet an sich als die große Utopie der Zukunft zu deuten war zugegebenermaßen vor zwanzig oder dreißig Jahren nicht unüblich, und zog sich ja bis in die wissenschaftlichen Debatten hinein. Das ist aber in meiner Wahrnehmung doch jetzt schon länger einer sachbezogenen Diskussion gewichen. Insgesamt prägender scheint mir inzwischen auch für die Szene der Nutzer – soweit ich das Feld auch nur annähernd überblicke – eher eine ironische Auseinandersetzung mit Religion zu sein als gleich der Versuch, neue Religionen zu etablieren. Darauf verweisen beispielsweise die Internetmeme, die sich unter den „heavy usern“ schnell verbreiten: Hier wird Religion eher ironisch-kritisch unter die Lupe genommen – wenn so etwas überhaupt thematisiert wird. Welche Entwicklung sich daran wiederum anschließen mag, halte ich für kaum vorhersagbar.

Auch die Atheisten nutzen das Internet intensiv. Ich erwähnte bereits, dass religiöse Hacker sich mit ihren entsprechenden Ansichten zurückhalten – im Bewusstsein, eine Minderheitenposition in ihrem Kontext zu vertreten. Entstehen eher wenig durchlässige Netze verschiedener „Sub“-Kulturen oder gibt es auch Orte der geprobten Auseinandersetzung?

Diese Richtung hatte ich ja vorhin bei der Frage nach dem Aufeinandertreffen verschiedener Religionen schon einmal angerissen. Ob es hackerspezifische Orte gibt, weiß ich nicht. Wohl aber, dass es Nutzer gibt, die online deutlich mehr Möglichkeiten des Austausches und der (religiösen) Selbstoffenbarung wahrnehmen als bei vergleichbaren Offline-Optionen. Dass das Netz hier grundsätzlich weniger durchlässig ist, glaube ich also nicht. Es hängt dann im Einzelfall auch von der Art der Plattform ab, auf der man sich austauscht: Es gibt solche, die mittels Regeln und Moderation (oder auch mittels ungeschriebener Regeln) eine eindeutige Marschrichtung vorgeben und es gibt solche, die – sogar wenn sie sich im Grunde an eine bestimmte Religion oder Konfession angliedern – sehr offen sind für andersgläubige, nichtgläubige und andere Mitglieder. In aller Regel ist dann die Voraussetzung, dass keine Religion oder Überzeugung beleidigt wird, manchmal, dass nicht für andere als die „Hausreligion“ geworben werden darf. Und in der Tat scheint mir, dass nicht Andersgläubige, sondern Atheisten (verschiedener Ausprägungen allerdings) dort die zweitgrößte Nutzergruppe sind – also nach denjenigen, die sich sowieso der religiösen Grundorientierung des Forums zuordnen würden. Oft sind das Säkulare mit abstraktem Interesse an Religionen als gesellschaftlich relevantem Teilbereich oder aber mit einem gewissen persönlichen Interesse an spirituellen Themen. Ihre Ansichten und Argumente werden in vielen Fällen durchaus akzeptiert und auch als Bereicherung für manche Diskussionen gesehen. Inwiefern das umgekehrt in säkularen Foren gegenüber religiösen Nutzern der Fall ist, kann ich nicht sagen. Das steht aber auf meinem Forschungsprogramm für den Sommer – da möchte ich mich intensiver der Frage nach der Abgrenzung von und mit Religion mit Blick auf säkulare und religiöse Nutzer in Online-Diskussionsforen widmen.

Danke für das Interview.

Das Interview führte Christoph Wagenseil.

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5 Kommentare:

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