Erinnerungen an die Zukunft: „Science-Fiction“ oder „Scientology“

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„Erinnerungen an die Zukunft – gibt es die? Erinnerungen an etwas, das wiederkommt? […] Der Mensch von heute ist anders als der Mensch von gestern oder vorgestern. Der Mensch ist immer wieder neu und erneuert sich in Permanenz auf der unendlichen Linie, die wir Zeit nennen. Der Mensch wird die Zeit begreifen und – beherrschen müssen! […] Und ohne ein Ende gibt es eine Zeit, in der alle Zeiten zusammenfließen“, so begann 1968 Erich van Däniken sein gleichnamiges Buch. Nun soll es nicht um Prä-Astronautik gehen und Religionsgeschichte als Unheimliche Begegnung der Dritten Art. Allerdings war Däniken ein Pionier darin, die Zukunft in der Vergangenheit zu suchen – auch wenn er nicht die erste Person war, welche eine Utopie in einer erloschenen Epoche vermutete. „Science-Fiction ist der neue Western – genauso staubig und genauso tot“, sagte bereits 2008 Gregor Sedlag auf der re:publica. Eine größere Debatte löste der Telepolis-Artikel „Science Fiction am Ende?“ von Michael Szameit Anfang 2012 aus (vgl. Antworten der Science-Fiction-Autoren Myra Çakan und Dirk van der Boom). Wie steht es um unsere Ideen der Zukunft?

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Frühe Formen des Science-Fiction sind 1926 in den USA das von Hugo Gernsback herausgegebene Magazin „Amazing Stories“ und die deutsche Science-Fiction-Heftromanserie „Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff“, die von 1908 bis ca. 1911/12 erschien.

Hintergrund: Die Idee des „postpolitischen Zeitalters“

„Das postpolitische Zeitalter bricht an“, kommentierte der Philosoph Hans Ulrich Gumbrecht am 7. November 2012 den Ausgang der US-Wahl:

„Die Formel setzt voraus, dass jenes Handeln und Denken, welches wir ‚politisch‘ nennen, an die historische Voraussetzung einer Zukunft gebunden ist, wie sie sich als Rahmenbedingung der westlichen Kultur erst im späten 18. Jahrhundert ausgebildet hat. Die Zukunft der ‚Aufklärung‘ und der ‚Politik‘ ist eine Zukunft als offener Horizont von Möglichkeiten, aus denen man – in der Gegenwart und orientiert durch Erfahrungen der Vergangenheit – auswählen kann; und wer glaubt, aus den Möglichkeiten der Zukunft auswählen zu können, der versteht und präsentiert sich als jemand, der Geschichte gestaltet. […]
‚Postpolitisch‘ hingegen kann man das Verhältnis des Handelns zu einer Zukunft nennen, die von Bedrohungen erfüllt ist, welche unvermeidlich und unumkehrbar auf uns zukommen – statt offen und gestaltbar zu sein. Die Alltagssituationen, auf die Politiker heute stoßen, erscheinen – mit Gewissheit – in diesem Sinn vor allem als postpolitische.“ (Barack Obama und das Ende der Politik, Welt).

Eine neue „Präsenz“ bestimme nach Gumbrecht die Gegenwart, welche unbegrenzt Vergangenheit und Zukunft einverleibe – so der Denker in einem Vortrag des Marburger Zentrums für Religionsforschung ZIR 2011. Zugleich sieht er darin eine Chance der Überwindung cartesianischer Einseitigkeit hin zu mehr Raum- und Körpererfahrung.

Dieser galante Mystizismus antwortet auf die Lehren der Geschichtsphilosophie, welche drei „Niederlagen“ erfahren hat: 1) die metatheoretische Erkenntnis, „history tells stories“ (Arthur Danto: Analytical Philosophy of history, 1974, S. 184; vgl. meine Ausführungen zur Geschichtsphilosophie im Kontext von Prophezeiungen), Geschichtswissenschaft ist in dieser Hinsicht immer notwendig Geschichtsphilosophie und „erzählt“ eine „Geschichte“; 2) die „empirische“ Erfahrung von Brüchen linearer geschichtsphilosophischer Entwürfe (des Marxismus, des Fortschrittsoptimismus, des Liberalismus); 3) die ebenfalls „empirische“ Erfahrung der Weiterexistenz des Totgesagten (etwa „Säkularisierung“ versus „Wiederkehr der Religionen“).

Es geht dabei um eine vielen Geistes- und Sozialwissenschaften gemeinsame Bewegung:

„Die Zentrierung des geschichtlichen Denkens wird losgelöst von der Aufgabenstellung einer ’substantialistischen‘ Geschichtsphilosophie, welche das Besondere nur vor dem Hintergrund der umfassenden Zielbestimmung zu würdigen vermochte. […] Gleichwohl kann auch die ’nachgeschichtsphilosophische‘ Geschichtsphilosophie auf die Zukunftsausrichtung nicht verzichten“ (Emil Angehr: Geschichte und Identität, 1985, S. 372f.).

Der Verzicht auf Erzählungen der Zukunft hat dabei offenbar schwerwiegende Folgen für ein bestimmtes Verständnis von Politik als demokratischen Wettbewerb von zukunftsvisionären Parteiprogrammen (vgl. Artikel Religion, Politik und Partei(programm): Von Glücksempfinden und gesellschaftstragenden Utopien).

Bzw. die neue Sinnlichkeit Gumbrechts oder z.B. die posthumanistische Vision einer postsexuellen Gesellschaft jenseits des Begehrens (als neue „Natürlichkeit“; vgl. Martin Kurthen: „Posthumaner Sex. Vorwärts zur Natur. Natürliches Programm auf künstlicher Hardware“, 16.6.2013, Telepolis) wirken vergleichsweise „unpolitisch“: Es geht nicht um willentliche Gestaltungsunternehmen, sondern um Momentaufnahmen einer quasi-natürlichen Entwicklung. Gerade das Essenzialistische klassischer Geschichtsphilosophien (der „objektive Weltgeist“ bei Hegel) bleibt zurück als emotionale Utopie – intensiveres Fühlen oder wunschloseres Glück.

Sind also Postmoderne und Demokratie unvereinbar? Hat die Gesellschaftskritik sich der Bedingungen ihrer eigenen Möglichkeit beraubt?

Man kann auch den Eindruck gewinnen, dass konservativere Autoren dankbar auf die Kritiken sogenannter postmoderner Autoren zurückgreifen, um genau diese Fragen aufzuwerfen und ihre Affirmation nahezulegen. Eben solche – da ihre Antworten nicht zufällig die soziale Frage ausblenden (und die alte kulturpessimistische Kritik am oberflächlichen „Konsumismus“ fortsetzen). Insofern könnte man an alte Manifeste und Aufrufe erinnern, wie im Folgenden bezüglich des Zweiten Vatikanums der römisch-katholischen Kirche:

„‚Erinnerung an die Zukunft‘ meint also: Das Zweite Vatikanum hat die katholische Kirche vor fünfzig Jahren durch entscheidende Weichenstellungen zukunftsfähig gemacht. Diese Zukunft scheint heute weitgehend in Vergessenheit geraten zu sein, weil die Vergangenheit in der Kirche dominiert. Man muss heute an die damalige Zukunft erinnern, in der Hoffnung, dass die Kirche dadurch eine neue Perspektive (wieder-)gewinnt und nicht in ewiger Vorgestrigkeit verharrt.“ (Hubert Wolf: „Rezension Jan-Heiner Tück: Erinnerung an die Zukunft. Der Geschmack des Zweiten Vatikanums„, 3. Okt. 2012, FAZ)

So gibt es genügend Staaten mit Defiziten in der Gewährleistung der Menschenrechte – selbst im westlichen Europa (vgl. am Beispiel der Religionsfreiheit einen Artikel über Deutschland sowie über den Amnesty International Report 2012). Zudem sind Armuts- und Hungerbekämpfung weltweit noch lange nicht am „Ziel“, eher scheinen sich einstmalige Erfolge krisenbedingt künftig wieder zu relativieren – auch in den klassischen „Industriestaaten“.

Wo allerdings der Marxismus auf die Gewalt der Revolution (bzw. der Reformsozialismus auf die des [General-]Streiks) setzte (vgl. auch Walter Benjamin: Zur Kritik der Gewalt, 1921), berücksichtigten alle übrigen Programme die Lösung der sozialen Frage eher als ein Nebenprodukt eines geschichtsphilosophischen Mechanismus (etwa einer „sozialen Marktwirtschaft„). Der demokratische Diskurs  aber lebt vom Versprechen des – nicht nur technischen – Fortschritts und nicht von „postpolitischen“ Abwehrreaktionen (von unangenehmen Lärm-Emissionen, Schuldenfallen, Wachstumseinbrüchen, Bauprojekten oder Menschen). Das ist seine ideelle Dimension, die er von den Religionen erbte.

So gesehen mag es nicht verwundern, dass die Frankfurter Bahnhofsbuchhandlung inzwischen keine Rubrik „Politik“ mehr pflegt und die Buchhändlerin auf Nachfrage irritiert auf das nächstliegende Regal mit der Überschrift „Wirtschaft“ zeigt, als wäre es selbstverständlich, das eine mit dem anderen gleichzusetzen.

Der Diskurs um „Science-Fiction“ und „Scientology“

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Mit dem Roswell-Zwischenfall 1947 spätestens begann das Interesse an Unbekannten Fliegenden Objekten (Ufos) populär zu werden. Die Idee der Existenz Außerirdischer, wie sie in den „Unheimlichen Begegnungen der Dritten Art“ in den 1950ern zunächst mit Friedensbotschaften – später mit Entführungen und Experimenten – den Kalten Krieg und das „Wettrüsten im All“ der Amerikaner und Russen, aber auch die Epoche des Science-Fiction begleitete. Roswell heute macht sich das touristisch zunutze (wie oben der dortige Walmart).

Die Hochzeit der Gewerkschaften wie des Science-Fiction waren die 1970er Jahre. Ein Produkt dieser Ära sind die sogenannten „Robotergesetze“ von Isaac Asimov. Sie spiegeln die erwähnte Art bisheriger Zukunftsprogramme, insofern im späteren Romanwerk den bisherigen drei Gesetzen (nach dem ersten darf ein Roboter einem Menschen keinen Schaden zufügen) ein „nulltes Gesetz“ vorangestellt wird: „Ein Roboter darf die Menschheit nicht verletzen oder durch Passivität zulassen, dass die Menschheit zu Schaden kommt.“ Als ein letzter Nachfahre des Hegelianischen Weltgeistes vermag dieser ideale Roboter objektiv zu berechnen, wann er die Menschheit insgesamt verletzt oder ihr drohenden Schaden nicht abwendet. Gerade dieses nachträgliche Update wird im Experimentierfeld der Literatur aber gerade zur Ursache eines Schadens der Menschheit durch die Roboter.

Das Problem eines allwissenden Roboters wird anschaulich satirisch bereits z.B. in John Carpenters „Dark Star“ von 1974 umgesetzt. Eine Bombe mit Fehlfunktion und eigenem Bewusstsein verweigert sich ihrer Entschärfung. Nur ein Gespräch über Phänomenologie kann sie dann irritieren: sie könne nicht wissen, ob ihre Daten von der Außenwelt „richtig“ sind. Zwar bricht Bombe #20 den Countdown ab, beginnt aber alsdann den Schöpfungsbericht der Bibel variierend vorzubringen:

Sgt. Pinback: Mach Dich bereit neue Befehle zu empfangen.
Bombe #20: Sie haben falsche Daten. Daher werde ich Sie ignorieren.
Sgt. Pinback: Hallo, Bombe!?
Bombe #20: Falsche Daten können nur Verwirrung stiften, deshalb werde ich mich weigern, mich weiterhin danach zu richten.
Sgt. Pinback: Hey Bombe!!
Bombe #20: Das einzige, was existiert, bin ich selbst.
Sgt. Pinback: Rede keinen Unsinn, Bombe.
Bombe #20: Am Anfang war Finsternis. Und die Finsternis war ohne Gestalt und leer.
Sgt. Pinback: Ähh… hallo, Bombe!
Boiler: Hör doch mal zu!
Bombe #20: Und außer der Finsternis gab es noch mich. Und ich schwebte über der Finsternis und ich sah, daß ich allein war.
Sgt. Pinback: Hey Bombe…!
Bombe #20: Es werde Licht! [sie explodiert]

(Quelle: Larou.de)

Und heute? Eines der jüngsten Beispiele ist „After Earth“ (2013). Eine Debatte um mögliche Scientology-Bezüge des Filmes kam diesbezüglich in den Medien auf. Tatsächlich zeigt Christoph Huber (Die Presse), dass „Will Smiths futuristisches Herzensprojekt nicht Propaganda für die Lehren von L. Ron Hubbard [ist], sondern eine kosmische Familientherapie voller Klischees“:

„Einige US-Kritiker sahen da Parallelen zur Hubbards Grundlagentext ‚Dianetics‘, in dem die Überwindung von Ängsten wichtig ist. Und die Vater-Sohn-Kommunikation erinnere an die zur Seelenreinigung dienende Scientology-Gesprächspraxis ‚Auditing‘. Das Fachblatt „Hollywood Reporter“ brachte neben dem hauseigenen Verriss (‚enttäuschend‘) die Gastkritik eines abgefallenen Scientologen: Der sah in der Anti-Angst-Botschaft und anderen Sätzen wie ‚Be in the present moment!‘ pure Hubbard-Lehre. Und entspreche der Vulkan im Film nicht demjenigen auf dem Umschlag von ‚Dianetics‘?

Dieses Vulkanbild kam aber erst auf späteren Auflagen, merkt ein anderer Scientology-Experte und -Kritiker an, den der Blog ‚Gawker‘ zum Film befragte. Sein schnödes Urteil: ‚a shitty movie‘ – aber keine Scientology-Propaganda. Überwindung von Angst im Angesicht der Gefahr sei ein 08/15-Bauteil aller Kriegermythen, die verlassene Erde entspreche weniger Hubbards „Xenu-Mythos“ […] als Einheitsapokalyptik. […]“ („After Earth“: Science-Fiction oder Scientology?, 4. Juni 2013)

Oder kürzer: „Hubbard hat als Fantasy-Autor den Vorbau zu seinen Scientology-Ideen geliefert, daher besteht ein Nahverhältnis zwischen Genre-Standardsituationen und seinen Thesen. Und ‚After Earth‘ ist so eine Ansammlung von Science-Fiction-Klischees, gekreuzt mit kosmischer Familientherapie.“ (ebd.) – Auch der Science-Fiction wird zum Ort nur mehr emotionaler Utopien. Und „Scientology“ zu einer Art Symbol einer eher therapeutisch gedachten „Erinnerung an die Zukunft“. Kunstästhetisch ist es dabei ein abwertender Begriff. (Umgedreht ist „Science-Fiction“ ein abwertender Ausdruck, wenn jemand betonen möchte, Scientology sei keine Religion).

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Ein „AT-AT Walker“ aus dem Star-Wars-Universum als Statue am Anfang von „Disney’s Hollywood Studios‘ Star Tours: The Adventures Continue“.

Foto von Chilli Head, Bristol, UK: A bit of a Star Wars moment unter Creative Commons Lizenz CC-BY-2.0.

Science-Fiction ist also insofern „der neue Western“, nicht nur, weil es mit „Star Wars“ 1977 bereits „endgültig“ zum „Märchen“ wurde und nach der „Matrix“-Trilogie (ab 1999) „erledigt“ sei (Gregor Sedlag, s.o.), sondern weil ein visionärer Impuls für eine offene gestaltbare Zukunft abhanden gekommen ist. Zugleich wiederholt er nur die Bewegung des Western als Aufstieg und Fall eines liberalen Mythos (vgl. Florian Rötzer: „Ohne Expansion in den Raum zerbricht die Gesellschaft. Auf der Suche nach einem neuen Wilden Westen„, 11.11.1996, Telepolis). Als Mythen boten diese Erzählstoffe die Begleitmusik jeweiliger politischer Paradigmata. Fällt jedoch dieser strukturenverändernde Rahmen weg oder wird unglaubwürdig, verwandelt sich der Stoff der Geschichten und repliziert ein Märchen-Muster (vgl. Märchen und Magie zwischen Wirklichkeit und Fiktion. Eine Kritik). Statt zukunftsgestaltenden Programmen wird Handlung zu einer Frage von Schicksal und Therapie.

Lesen Sie im zweiten Teil demnächst über das ewige 19. Jahrhundert. Denn immer mehr Filme erzählen aktuell ihre Geschichte im Gewand dieser Epoche.

Christoph Wagenseil

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8 Kommentare:

  1. Die Ausgabe Nr. 5/2013 des „Science-Fiction“-Magazins „Geek!“ betrachtet die grundsätzliche Generationsgebundenheit des Science-Fiction: „Die Vergangenheit der Zukunft: Science-Fiction, das Genre, das die Zukunft beschreiben soll, reflektiert nur die Gegenwart und ist daher bereits Vergangenheit“. Im Text: „Spätere Generationen wurden von anderer Science-Fiction geprägt […]“. (Claudia Kern, S. 30ff.).

    Auch die Süddeutsche bringt aktuell im Magazin: „Zukunft war gestern: Im Kino und den Bestsellerlisten findet man kaum mehr Science-Fiction, dafür umso mehr Fantasy-Stoffe. Im Zentrum stehen nicht mehr Androiden und Weltraumstädte, sondern eine archaische Welt des Wunderbaren voller Trolle, Elfen und Vampire. Was verrät das über unsere Zeit? Und vor allem: unsere Ängste?“ (Andreas Bernard).

    Schließlich der Blog von M. L. Höfer: Niedergang der Science Fiction als Symptom: Über den Mangel an positiven Zukunftsentwürfen (5. Feb. 2012, als weiterer Beitrag der erwähnten, von Telepolis losgetretenen Debatte).

  2. Der Artikel „Prism Break – warum wir als Demokraten hier dringend raus müssen“ von Patrick Breitenbach am 9.07.2013, der sich mit dem aktuellen Skandal um die Praktiken der Geheimdienste beschäftigt, inspirierte folgende Antwort, welche eine Parallele zum hiesigen Beitrag herstellte:

    Danke für den Artikel!
    Ich sehe da eine Verbindung zu einem Artikel, den ich neulich schrieb:

    Erinnerungen an die Zukunft: “Science-Fiction” oder “Scientology”?. Oberflächlich besteht der gemeinsame Nenner erstmal nur darin, dass beide Artikel irgendwo ein Wort mit „Post…“ enthalten. Hier: „Post Privacy“ als Schlagwort, dort: „postdemokratisches Zeitalter“. Beidesmal geht es nicht um eine Affirmation der Ideen, die hinter diesen Stichwörtern stehen.

    Und irgendwie geht es jeweils auch um die Zukunft. In einem Fall hört sie auf, gestaltbare Modellmasse für Visionen (des Demos) zu sein. Im anderen Fall beginnt sie Modellmasse für Visionen zu werden (diejenigen eines immer zu vermutenden Geheimen Oberen mit all seiner autokratischen Fantasie).

    Vermutlich bedingen sich beide Prozesse. Zumal mit allwissenden Robotern im Science-Fiction irgendwie ja auch bereits erwähnter potenziell wahnverdächtiger Autokrat im Dunkeln einen narrativen Vorläufer findet. Es war nicht unbedingt so beabsichtigt, aber auf Ihren Artikel hin liest sich meine eigene Schreibe so, als ob der Science-Fiction in genau diesem Problem bzw. Paradox kulminierte: in der Daten(un)sicherheit als Herrschaft über die Zukunft.

    Richtig gespenstig wird es aber, wenn man „Prism“ und „Science-Fiction“ und „Roman“ sucht. Etwa findet man u.v.a. das Buch Black Prism [Link ergänzt] von einem Brent Weeks. Es ist von 2010 und – selbst wenn das eine raffinierte Whistleblower-Methode sein könnte – literarisch wertvoll scheint dieses Werk nicht. Eher zeugt die Beschreibung von einer Art autokratischen Sehnsucht, die scheinbar weit verbreitet zu sein scheint und wie eine Art Wunschtraum des Schreiberlings herüberkommt:

    „Gavin Guile is the Prism, the most powerful man in the world. He is high priest and emperor, a man whose power, wit, and charm are all that preserves a tenuous peace. But Prisms never last, and Guile knows exactly how long he has left to live: Five years to achieve five impossible goals.“

  3. Naja, was soll eine Edward-Snowden-Generation denn schon für Zukunftsideen entwickeln? Entweder jemand bekommt einen guten Job, und ahnte schon, irgendein Prism zu entdecken – oder eben nicht.

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