Esoterik und (Tier-)Heilpraktiker: Mindmap zu (telepathischer) Tierkommunikation

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Esoterik ist ein schwieriger Sammelbegriff (vgl. Esoterik: Ein ungewolltes Kind von Reformation, Aufklärung und Kolonialismus? sowie unsere Kurzinformation). Er dürfte auch für Religionswissenschaftler_innen immer wichtiger werden: Zwar etablierte sich in Deutschland eine religiöse Vielfalt (vgl. unsere Statistik), doch die Zeiten starken Zustroms zu einzelnen Neureligionen – so wie das im 20. Jahrhundert für die Neuapostolische Kirche (2012: 350.374 Mitglieder), Jehovas Zeugen (2012: 167.107) und die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen; 2013: 38.739) zutraf – scheinen passé, die Tendenz geht zu Kleinstgruppen, loseren Assoziationen unterhalb des Vereins und zu einer gesteigerten Marktförmigkeit, insofern weniger Mitgliedschaften entscheiden, sondern Seminare, Workshops, Initiationen (letztere stammen insbesondere aus reformhinduistischen und westlich-hermetischen Kontexten und sind dort mit formalen Mitgliedschaften verquickt). Dagegen gibt es seit 2005 einen sogenannten „Esoterik-Boom“. Wie lässt sich hier ein Überblick gewinnen? Mit Hilfe des Mindmap-Tools bubbl.us sei ein Zugriff versucht – ausgehend vom Stichwort (telepathische) Tierkommunikation.

Was ist Tierkommunikation als kulturelle Praxis?

tierkommunikation

Der Suchbegriff „Tierkommunikation“ bei Google Bild. Eine vorgeschlagene „verwandte Suche“ kombiniert mit „Penelope Smith“. Zur Vergrößerung klicken Sie auf das Bild.

 

Möglicherweise hat alles mit Penelope Smith angefangen, welche Monika Jaeger auf der Webseite der Institution für telepathische Communication eine Pionierin der Tierkommunikation nennt:

Penelope Smith hat ihr Leben lang mit Tieren telepathisch kommuniziert. 1971 entdeckte sie, dass Tiere auf die gleichen Therapietechniken ansprechen wie Menschen, wenn es darum geht, seelische Traumen und Probleme zu verarbeiten. Ihr Hochschulabschluss in Sozialwissenschaften waren ihr dabei ebenso eine Hilfe wie ihre jahrelangen Erfahrungen in der Beratung von Menschen. Penelope Smith hat ein reiches Wissen in Ernährungslehre und Energiearbeit. Sie forschte auf dem Gebiet der Tierernährung und widmete sich dem Studium von Anatomie, Verhalten und Pflege von Tieren. Dazu kam ihre Ausbildung aus erster Hand von Tausenden von Tieren, mit denen sie in Verbindung stand.

Ihre Bücher erscheinen seit Mitte der 1990er in Deutschland. Es geht darum, als kostenpflichtiges Angebot mit Haus- oder Nutztieren auf telepathischem Weg zu kommunizieren. Die Tiere müssen dabei weder unbedingt am Ort der telepathischen Handlung noch lebendig sein. Ein_e Tierkommunikator_in fungiert als Dolmetscher_in zwischen Tier und Tierbesitzer_in. Der Begriff der „Tierkommunikation“ selbst wurde mit den Arbeiten von Volker Schurig ab 1975 und anderen innerhalb der deutschen Tierverhaltensforschung geprägt, aber dabei gänzlich untelepathisch gedacht. Vor Smith tourte bereits Monty Roberts als „Pferdeflüsterer“ durch die USA und gilt als Vorbild für den gleichnamigen Film 1998 von und mit Robert Redford.

Etwa 2.000 Treffer liefert Youtube zum Stichwort „Tierkommunikation“. „Mentale Tierkommunikation kann jeder“, heißt es z.B. bei TierTalk – Entdecke die Tierkommunikation:

Das „hat wie gesagt nichts mit einer Körperinterpretation zu tun, sondern es ist wirklich – ja, auf einer geistigen Ebene findet das statt. Probleme oder Dinge, die Tiere uns aufzeigen, Unschönheiten, z.B. eine Katze pinkelt ins Haus, hat[!] ganz oft etwas mit uns selbst zu tun, also die Tiere möchten uns auf etwas hinweisen […]“

Es geht also auch um eine Form der (Menschen-)Therapie. Zudem gewinnt das Tier als Menschenfreund eine stärkere Bedeutung. Nach einer aus dem Tagesspiegel stammenden Statistik mit Zahlen des Statistischen Bundesamtes von 2010 lebten zu diesem Zeitpunkt 44% in Ehepaaren, 8% in Lebensgemeinschaften, 43% waren Alleinstehende und 6% Alleinerziehende. Tiere und Umwelt sind dabei überhaupt wichtige Anlaufstellen für ehrenamtliches Engagement aktiv wie passiv geworden (vgl. auch Umwelt und Tierschutz übertrumpfen Religion? Non-Profit in sozialen Netzwerken): Greenpeace hat in Deutschland 588.000 Förderer und 4.500 ehrenamtlich Aktive (Jahresrückblick 2012), der Tierschutzbund 800.000 Mitglieder, der WWF Deutschland 455.000 Förderer (Jahresbericht 2012/13). Demgegenüber verzeichnete Amnesty International Deutschland 2013 nur „über 120.000“ Mitglieder. Überspitzt gesagt: Möglicherweise zieht das Thema Tiere momentan mehr Menschen an als das Thema Menschen. Das muss sich auch im religiösen und weltanschaulichen Sektor niederschlagen. Die Praxis der telepathischen Tierkommunikation wäre hierbei ein Beispiel.

Inwiefern kann man von einer esoterischen oder religiösen Praxis sprechen?

Wie bereits angemerkt, handelt es sich bei „Esoterik“ um einen Sammelbegriff. Seine Verwendung in Populärmedien hat ihm längst einen ähnlich polemischen Beigeschmack gegeben wie dem Begriff Sekte (vgl. Überall “Sekten”? – Religionsbezogene Diskriminierung [nicht nur] in öffentlich-rechtlichen Medienanstalten vom 17. Dezember 2013 sowie auf den Seiten von FOREF, Forum Religionsfreiheit: Der „sociological turn“ bei der Bundesstelle für Sektenfragen: Wird der Sektenbegriff durch „Gruppierung“ ersetzt?, 24.3.2014). Dennoch macht es Sinn, einen bestimmten Bereich der Ideengeschichte insofern „esoterisch“ zu nennen, als dass mit einer universalreligiösen Perspektive bestimmte Elemente aus alternativreligiösen Traditionen zu einer ganzheitlichen Lehre neu kombiniert werden (Hermetik, Gnostizismus, westliche „Magie“ seit der Renaissance, paracelsische Medizin, die Mystik eines Jacob Böhme und ihre Weiterentwicklung durch Rosenkreuzer, Alchemie-Rezeption, „Geheimlehren“ anderer „Weltreligionen“, „pagane“ Traditionen und „Volksfrömmigkeit“). Als solcher kann der Begriff „Esoteriker“ auch Selbstbezeichnung sein: „Esoterik“ bewirbt sich zudem als „Esoterik“ – im Esoterikgeschäft wie online.

Entscheidendes Merkmal der telepathischen Tierkommunikation ist damit der Rekurs auf paranormale Fähigkeiten, gerade in der oben im Zitat deutlich gewordenen Abgrenzung zur bloßen Tierverhaltensbeobachtung. Außerdem die Verwendung von Geschichten einer zugesprochenen Anciennität (vgl. Wilhelm Schmidt-Biggemann: Traditionskonkurrenzen. Eine Kreditgeschichte offenbarter Ursprungsgeschichten. In: Constructing Tradition. Means and Myths of Transmission in Western Esotericism; Aries Book Series Texts and Studies in Western Esotericism 11, hrsg. von Andreas Kilcher, Leiden: Brill 2010, S. 343-371):

„Dabei ist diese Fähigkeit uralt. Laut einer Legende konnte bereits der italienische Heilige Franz von Assisi (1181-1226) mit Tieren reden. Und Schamanen (Medizinmänner) und Aborigines (Ureinwohner Australiens) beherrschen diese Kunst bis heute“ (Interview mit der verstorbenen Gudrun Weerasinghe von der Zeitschrift „Bella“ 10/2006)

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Titelbild und Seite mit Stelle über den Dämon Caym (linke Spalte) aus dem Anhang „Pseudomonarchia Daemonum“ (die falsche Herrschaft der Dämonen) zu dem Werk „De Praestigiis Daemonum“ (Über die Blendwerke der Dämonen), zuerst 1563 in Latein erschienen, 1586 auch in deutscher Sprache: „Von Teufelsgespenst, Zauberern und Gifftbereytern, Schwarzkünstlern, Hexen und Unholden, darzu irer Straff, auch von den Bezauberten und wie ihnen zuhelffen sey“. Der Autor gehört zu den Kritikern der Hexenverfolgung. Klicken Sie zur Vergrößerung auf die Abbildung.

 

Tatsächlich gehört das Sprechen mit Tieren zum Repertoire traditioneller Zaubermotive, so wurde in der Dämonologie des 16. Jahrhunderts Caym (Name ist eine Ableitung von Kain) zugeschrieben, er gebe u.a. dem Menschen Verständnis aller Vögel, für das Brüllen der Ochsen und das Bellen der Hunde (vgl. Johann Weyer: De praestigiis daemonum, & incantationibus ac beneficiis libri sex, postrema editione sexta aucti & recogniti. Accessit Liber apologeticus, et Pseudomonarchia daemonum, Basel 1583, Sp. 925; der Hexenverfolgungskritiker gab seinem entsprechenden Hauptwerk einen Appendix bei, dessen Dämonenliste im 17./18. Jahrhundert in vielen sogenannten „Grimoires“ und Zauberbüchern Verwendung fand und bis heute stark verbreitet ist, vgl. zu Magie und Märchen auch entsprechenden Artikel).

Oder handelt es sich um eine „natürliche“ Tierheilpraxis?

Trotzdem ist die Differenz zu beachten, die mit der Absage an den Elitarismus, wie er sonst bei paranormalen Fähigkeiten üblich ist, einhergeht: „Mentale Tierkommunikation kann jeder“, wurde das erste Beispiel zitiert. Im „Bella“-Interview geht Gudrun Weerasinghe ähnliche Wege und naturalisiert die Fähigkeit:

„Erwachsene reagieren oft leider mit Ablehnung, wenn Kinder mit Tieren ’sprechen‘. Somit treiben sie ihnen diese für die Tiere so wertvolle Gabe aus. […]

Frauen haben den besseren Draht zu Tieren, weil sie eher auf ihre Gefühle hören und Tiere ja schließlich über Gefühle kommunizieren. Männer sind im Allgemeinen viel verschlossener. […]

Jeder Mensch kann mit Tieren kommunizieren. Mit diesem Talent kommen wir auf die Welt. Aber: Weil wir später durch unsere materielle Welt abgelenkt werden, vergessen wir diese Begabung.“

Ähnlich wie sich bereits die Ritualmagie dem breiten Publikum öffnete (man vgl. Interview zur Wicca-Religion: Eine performative “Naturreligion” und die (re)konstruierte Tradition), wird hier eine natürliche Fähigkeit sozusagen rekultiviert, als eine lernbare Wahrnehmungsstrategie. Und dabei wird im Generellen gerade nicht betont, dass es sich um etwas Magisches oder Esoterisches handele. Vielmehr versucht Tierkommunikation einen Anschluss an andere Bereiche, vor allem die Tierheilpraxis. Gerade das zeigt sich, wenn man eine Netzwerkanalyse vornimmt. Zur Veranschaulichung wurde dafür das Mindmap-Tool bubbl.us verwendet:

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Klicken Sie zur Vergrößung der Mindmap zur telepathischen Tierkommunikation auf die Grafik.

 

In der Mitte (gelb) steht die Praxis der telepathischen Tierkommunikation. Dieser sei eine Art Kernbereich zugeordnet (hellgrün). So gibt es einen Trend zur Professionalisierung durch einen eigenen „Bundesverband Tierkommunikation e.V.“ mit allerdings erst 18 Therapeut_innen als Mitgliedern. Ein „Verzeichnis der Tierkommunikatoren in Deutschland“ der Plattform Katze & Du der Petcom Medien- und Dienstleistungs GmbH umfasst 70 Einträge. Es gibt junge Vereine wie Hundehalter-Nothilfe e.V. (gegründet 2013). Auch die esoterische Beraterszene mit Telefon- und Chatdienstleistungen hat Tierkommunikation für sich entdeckt, allerdings nur bei Questico fand sich mit 120 Tierkommunikator_innen eine größere Zahl potenzieller Berater_innen. In dieser Szene ist die Praxis meist mit Channeling- oder Wahrsage-Angeboten kombiniert. Bei Einzelanbietern gibt es wiederum oft eine Kombination mit Reiki, zudem gab es bereits eine Vorstellung im Reiki-Magazin 2005 (Auflage: 10.000); der Reiki-Verband-Deutschland e.V. und die „Reiki-Liste“ bieten Tierkommunikation an. Schließlich verweisen manche Tierheime (diese sind dann Mitglieder im Tierschutzbund) auf die Praxis oder einzelne Tierbestatter integrieren sie in ihr Angebot.

Daneben (hellblau) finden sich einzelne Verbände von Tierheilpraktikern. Insgesamt gab es nach Drucksache 16/5504 (Anfrage der Linken-Fraktion von 2007: „Tierheilpraktiker – Ein Gewerbe ohne bundesrechtliche Vorschriften“) 2002/3 ca. 900 Tierheilpraktiker in Deutschland. Diese organisieren sich in sieben Verbänden. Tierheilpraktiker sind nicht notwendig in einem dieser Verbände organisiert. Vier dieser Verbände bilden die „Kooperation deutscher Tierheilpraktiker e.V.“, und bei diesen vieren gab es auf deren Webseiten keine Möglichkeit, Tierheilpraktiker mit dem Angebot Tierkommunikation zu finden. Allerdings heißt das nur, dass ihre Therapeutensuchfunktion keine Freitextsuche erlaubte und auch sonst auf ihren Seiten Tierkommunikation nicht angesprochen wurde. Auch auf ihren Tagungen und Seminaren war sie kein Thema. Anders sieht es bei den übrigen drei Verbänden aus: dem Fachverband Niedergelassener Tierheilpraktiker FNT e.V., dem Verband Deutscher Tierheilpraktiker e.V. und dem Ältesten Verband der Tierheilpraktiker Deutschlands seit 1931 e.V. (der sich seit einem Rechtsstreit mit dem Verband Deutscher Tierheilpraktiker e.V. 2005 so nennt).

Von besonderem Interesse ist dabei der Verband Deutscher Tierheilpraktiker e.V. Dieser gehört einer Kooperation freier Therapeutenverbände an. Eng verwoben sind die Mitgliederverbände mit der Heilpraktiker- und Therapeutendatenbank theralupa.de der Fulton Akademie GmbH mit aktuell 267 Tierkommunikator_innen, auch wenn die vier übrigen Verbände ansonsten keine Beziehung zu Tierkommunikation haben. Außerdem besteht eine Verbindung zu den paracelsus-Heilpraktikerschulen, bei denen sich insofern auch Seminare zum Erlernen der Tierkommunikation nachschlagen und buchen lassen. Die Kooperation umfasst ansonsten (dunkelblau) den Verband Freier Psychotherapeuten, Heilpraktiker für Psychotherapie und Psychologischer Berater e.V., den Verband unabhängiger Heilpraktiker e.V. (4790 Mitglieder Anfang 2014), den Verband freier Osteopathen e.V. und den Fachverband Wellness, Beauty und Gesundheit e.V.

Es scheint also nötig, sich mit den Heilpraktiker_innen insgesamt näher zu beschäftigen, von denen es ca. 20.000 in Deutschland geben soll. Diese werden nicht in unserer REMID-Statistik der Religionen und Weltanschauungen geführt, insofern „Naturheilpraktiker“ erst einmal wie der „Arzt“ lediglich eine Berufsbezeichnung ist. Erst eine weltanschauliche Dimension bestimmter Therapie- oder Diagnose-Praxen führt zur Aufnahme (so bei dem Dachverband der Laienbewegung Hahnemannia – Deutscher Verband für Homöopathie und Lebenspflege e. V.) oder ein expliziter Bezug zu religiös-esoterischen Elementen im engeren Sinn (so bei den Verbänden der Reinkarnations- oder Rückführungstherapie oder eben beim Bundesverband Tierkommunikation).

Es gibt in Deutschland zehn Verbände der Heilpraktiker_innen, von denen fünf (Fachverband Dt. Heilpraktiker e.V., Freie Heilpraktiker e.V., Freier Verband Dt. Heilpraktiker e.V., Union Deutscher Heilpraktiker e.V., Verband Dt. Heilpraktiker, letzterer hat 7.000 Mitglieder) seit 2011 einen Dachverband Deutscher Heilpraktikerverbände bilden, außerdem tragen sie die Arzneimittelkommission der deutschen Heilpraktiker. Drei von diesen haben zudem die Stiftung Deutscher Heilpraktiker ins Leben gerufen. Die beiden Verbände mit „frei“ im Namen kooperieren mit dem Bund Deutscher Heilpraktiker & Naturheilkundiger e.V. mit 3.300 Mitgliedern 2010. Die Union Deutscher Heilpraktiker e.V. wiederum zeigt eine Nähe zum Biochemischen Gesundheitsverein (Schüßler-Salze) und dem Deutschen Naturheilbund. Schließlich gibt es noch den Allgemeinen Deutschen Heilpraktikerverband mit Nähe zum Bund Deutscher Chiropraktiker e.V. sowie den Verband Heilpraktiker Deutschland (!) und die Vereinigung Christlicher Heilpraktiker (letztere mit 70-80 Mitgliedern).

Allerdings auch der erwähnte Freie Verband Deutscher Heilpraktiker e.V., diesmal also ein Teilbereich im eher hegemonialen Feld der eigenen Szene, enthält eine Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tierheilpraktiker und deren Mitglieder in ihren Profilen vereinzelt Tierkommunikation. Das ist eine ähnlich starke Aufladung der Methode mit Dignität – als Teil der Arbeit eines Tierheilpraktikers – ähnlich wie bei der Kooperation freier Therapeutenverbände, die allerdings durch die Kooperation deutscher Tierheilpraktiker e.V. ein Gegengewicht erhält.

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„The Story of Doctor Dolittle, Being the History of His Peculiar Life at Home and Astonishing Adventures in Foreign Parts“, geschrieben und illustriert von Hugh Lofting 1920. Der Doktor vergrault die Menschen durch seine Tierliebe, denn er nimmt einige bei sich zu Hause auf. Schließlich behandelt er nur noch Tiere, wobei es ihm hilft, dass die Papageiendame Polynesia ihm die Sprache der Tiere beigebracht hatte. Einige Tierkommunikatoren beziehen sich auf die Figur des Doktor Dolittle, dessen Geschichte mehrfach verfilmt wurde.

 

Letztlich geht es an dieser Stelle auch nicht um eine Kritik der Tierkommunikation, sondern lediglich um die Beobachtung ihrer teilweisen Integration in die Tierheilpraxis. In diesem Kontext erscheint Tierkommunikation gerade eher nicht im Anschluss an Reiki oder gar Channeling, sondern Natürlichkeit wird betont, die Methode als Naturheilverfahren dargestellt. Nun kann diversen sogenannten Naturheilverfahren sicherlich ähnlich eine esoterische Dimension zugesprochen werden (insofern die weltanschaulichen Elemente der Homöopathie z.B. Anleihen nahmen bei hermetischen Prinzipien). Doch geschieht das nur in seltenen Fällen unter Rekurs auf paranormale Fähigkeiten (auch bei der Aura-Therapie wird zumeist eher die sogenannte „Kirlian-Fotografie“ eingesetzt; Geistheilungsmethoden wie Reiki werden zum Teil auch als Naturheilpraxis durch einige der Verbände kategorisiert, „Besprechen“ [ursprünglich: Gesundbeten] u.ä. hat deutlich religiösen Bezug). Insofern handelt es sich bei der Tierkommunikation um etwas, das leicht als esoterische Praxis verstanden werden kann, das aber offenbar zugleich – dem zeitgenössischen kulturellen Bild der Tiere nach – dem Menschen naheliegend erscheint: Tierkommunikation mit einem verstorbenen Haushund mit Hilfe eines Fotos desselben wirkt scheinbar im gegenwärtigen Diskurs weniger spooky als die Idee von einer telepathischen Unterhaltung mit einem lebenden Menschen. Dadurch gelingt es, Tierkommunikation losgelöst von deutlich esoterischen Kontexten als weitere Tierheilpraxis zu präsentieren.

Christoph Wagenseil

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Ein Kommentar:

  1. Hallo,
    sehr schön recherchiert war sicher viel Arbeit gewesen.
    Ich danke Dir für diese Darstellung.

    Ich bin der Meinung, dass Tierkommunikation nicht in die Verbände gehört.
    Tierkommunikation ist etwas für Freigeister.
    Viele Grüße
    Peter

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