„Warum Definitionen wichtig sind“ – Paganismus, populäre Religion, Ahnenkult und rechtes Denken

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Die von der Arbeiterwohlfahrt Schleswig-Holstein (AWO) sowie dem Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus mit seinen mobilen Teams organisierte Tagung „Odin mit uns! – Wikingerkult und Rechtsextremismus“ am 09. und 10. Oktober in der Akademie Sankelmark reagierte u.a. auf Darstellungen von Hakenkreuzen in der Reenactment-Szene, z.B. bei den Wikingertagen 2016 in Schleswig. Das Thema wurde insgesamt sehr breit, interdisziplinär und renommiert und daher auf verschiedenen für Religionswissenschaft und -soziologie relevanten Ebenen diskutiert. Christiane Königstedt (Dr. phil.) war für REMID vor Ort; ihr Tagungsbericht reflektiert deren Relevanz für die Religionsforschung. Eingebunden waren Institutionen wie die Bundeszentrale für politische Bildung, das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein oder das Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie und das Innenministerium Schleswig-Holstein. Auf diese Weise konnten Referenten aus verschiedensten Arbeits- und Forschungsbereichen und ebenso ein vielfältiges Plenum an TagungsbesucherInnen angezogen werden. Allerdings waren nur wenige Personen aus der Reenactment-Szene, und meines Wissens noch weniger Pagane anwesend, was wohl unter anderem am Titel der Tagung gelegen hat. Insider kritisierten diesen als „vorab in die rechte Ecke stellend“ (wie im unten verlinkten Beitrag von Beowulf-Schleswig).

 

Screenshot Tagungsmappe.

 

I.

Die Tagung gliederte sich in Vorträge mit Diskussion, eine Podiumsdiskussion und vertiefende, input-orientierte Workshop-Phasen. Während der Begrüßungsvorträge, die in den Anlass und die Unterthemen der Tagung einführten, reiste ich leider noch an. Daher begann die Tagung für mich direkt inhaltlich mit dem gerade für Nicht-ArchäologInnen sehr informativen Eröffnungsvortrag von Dr. Sven Kalmring (Zentrum für baltische und skandinavische Archäologie, Grabung in Haithabu). Er stellte Forschungsströmungen zu den Wikingern innerhalb der Archäologie (vgl. gesamtes Programm) vor und setzte den gemeingängigen Vorstellungen ein differenziertes Bild „der Wikinger“ entgegen, die eben nicht nur blutrünstige Krieger, sondern z. B. auch Händler waren, und also mitnichten eine homogene Gruppe darstellten. Weiter ging er auch ausführlich auf die Probleme in Rezeption und wissenschaftlicher Interpretation anhand archäologischer Funde ein, die eben immer auch den gesellschaftlichen Kontext der Interpretierenden widerspiegelten. Auf nichtwissenschaftlicher Ebene spiele vor allem die Romantisierung der Wikingerkultur eine signifikante Rolle und der Vortragende zeigte hierzu Beispiele von Wikingerdarstellungen, die nicht mit Funden belegt sind, sondern eine Aneignung durch bestimmte­ – oft auch rechte – Gruppen darstellen.

 

Tagungsmaterialien.

 

Im zweiten Eröffnungsvortrag leitete Privatdozent Gideon Botsch (Emil Julius Gumbel Forschungsstelle Antisemitismus und Rechtsextremismus [EJGF] und Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien – Universität Potsdam) dies weiter vertiefend zur Problematik der Aneignung von Geschichte in Form von Narrativen durch die extreme Rechte über. In der Rechten werde, so Botsch, aus der Wikingergeschichte unter anderem eine „Religion der Stärke“ konstruiert, in deren Männerbild „Gewaltbereitschaft“ eine wichtige Facette sei, aber auch Frauen, zum Beispiel in den Walküren, ebenso heldenhafte Vorbilder finden könnten. (Dies aber beruht seinerseits auf einer sehr gängigen Fehlinterpretation der Walküren, deren Aufgabe ja wenig mehr ist, als die Helden nach der Schlacht nach Walhalla zu geleiten; siehe auch Workshop 1.5, A. d. V.). Die praktizierte Form der Aneignung von Geschichte sei dabei fiktional (nicht fiktiv, weil die Narrative nicht frei ausgedacht sind) und finde in rechten Entwürfen regelmäßig als eklektisches, strukturell antisemitisches „Gegennarrativ“ statt, innerhalb dessen unerwünschte historische Fakten als böswillige Verschwörung geleugnet würden. Ein Problem, welches sich mit einigen Beiträgen durch die gesamte Tagung zog, deutete sich hier bereits an: Abgesehen von konkreten Fallbeispielen, bleibt offen, ab wann Personen und Gruppen, die auf Wikinger rekurrieren, als „rechtsextrem“ und politisch kritisch einzustufen sind. Genauer gesagt, „rechtsextrem“ wird nicht klar definiert, Gegenbeispiele kaum oder nicht erwähnt und dagegen abgegrenzt. Das birgt die Gefahr, dass Teilgruppen in entsprechenden Milieus als symptomatisch für diese als Ganze wahrgenommen werden oder auch, Rechtsextremismus, wie es z.B. den Reenactment-Gruppen häufig widerfährt, als gerade und insbesondere deren Problem dargestellt wird.

 

II.

Im Anschluss an die Mittagspause nahm ich an dem Workshop „Neopagane Religiosität – und ihre wikingerzeitlichen Vorbilder“, abgehalten von Prof. Dr. Rudolf Simek (Rheinische Friedrich-Wilhelms Universität Bonn, Abteilung für Skandinavistik) und Dr. Matthias Pöhlmann (Beauftragter für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Evang.-Luth. Kirche in Bayern, München), teil. Simek berichtete hochspannend zunächst aus der historischen Forschung zu Wikingern, deren Ergebnisse mit gegenwärtigen Wikingervorstellungen meist wenig zu tun haben. Pöhlmann berichtete überwiegend aus dem gegenwärtigen rechten Spektrum der „Neuheiden“-Szene, und auch mit Rückblick auf den zweiten Eröffnungsvortrag war es wenig überraschend, dass sich das Schlagen eines inhaltlichen Bogens zwischen beiden Teilen des Workshops, der Zeit bis zum 13. Jahrhundert und der Gegenwart, nicht ganz ohne Brüche umsetzen ließ. Durch die Inputorientierung des Workshops blieb leider zu wenig Zeit für Diskussionen, um einige spannende Fragen, wie zum Beispiel, ob der Mangel an einer einheitlichen Jenseitsvorstellung bei den Wikingern ein wichtiger Grund war, dass sich das Christentum auch in ihren Siedlungsgebieten durchsetzen konnte, ausgiebig zu diskutieren. Pöhlmann berichtete detailreich und sehr aktuell, unterließ aber leider ebenfalls eine Abgrenzung zu nicht-rechten Paganen, wie auch eine Definition von „Rechtsextremismus“. Mit der von ihm bevorzugten Bezeichnung „Verschwörungsesoterik“ für rechte Strömungen in diesem Bereich, bewegte er sich allerdings zugegebenermaßen quer zu den von den Veranstaltern vorgegebenen Kategorien, was hier mithineingespielt haben könnte. Abschließend stellten beide einige Internetfunde wikingerbezogener Communities vor, wobei vor allem auffiel, dass sich die Verwendung alter Symbole sehr frei und zuweilen missverständlich gestaltet und hierzu tiefergehende Informationen zur kontextuellen Bedeutung ihrer Verwendung benötigt werden. Für die Workshops wurde eine inhaltliche Dokumentation unternommen.

Im Anschluss an die Kaffeepause thematisierte der nächste Vortrag Frauen in extremen rechten Bewegungen. Die Vortragenden waren spontan für den Redner der Antonio-Amadeus-Stiftung eingesprungen und berichteten von einem in diesen Kreisen oft stereotypen, oft biologistisch unterfütterten Frauenbild, mit den „klassischen“ weiblichen, familienbezogenen gesellschaftlichen, sozialen und organisatorischen Aufgabenbereichen, aber auch dem eigenverantwortlichen Rekrutieren von Frauen (durch Frauen). Problematisch sei hier, dass diese Frauen gerade in allgemeinen sozialen Zusammenhängen, wie der Elternvertretung im Kindergarten oder Nachbarschaftsaktivitäten, unscheinbar und nicht offen rechtsradikal mitwirkten. Vorgestellt wurden weiter „feministische“ (vielleicht besser: „emanzipatorische“) Bewegungen von Frauen innerhalb der Szenen, wie der bereits aufgelöste rechtsradikale „Skin-Girl-Freundeskreis“ mit einem Selbstverständnis als Gemeinschaft deutscher Frauen. Mit ähnlicher ideologischer und emanzipatorischer Ausrichtung gebe es aber auch weiterhin militante moderne rechte Frauenbewegungen, u.a. in Form von Mädelkameradschaften. Generell würden Frauen in der Rechten aber eher als harmlos, mütterlich, schön inszeniert und, u. a. für sehr konservative Milieus tendenziell anschlussfähig, eher anti-feministische und queer-feindliche Frauen- und Familienbilder transportiert, die hintergründig jedoch mit der Idee der „Volksgemeinschaft“ verbunden würden. In Bezug auf die NSU-Prozesse wurde auf die Problematik hingewiesen, dass rechte Frauen, gemäß den dies intendierenden Darstellungen, auch von den staatlichen Autoritäten als naiv und nicht als treibende oder maßgeblich unterstützende Kräfte wahrgenommen würden und z. B. bei Rasterfahndungen nach männlichen Tätern gar nicht erfasst werden könnten, weil sie vorab aus den Täterprofilen ausgeschlossen würden (weiterführende Informationen zum Thema findet man übrigens auf den Seiten der Amadeu-Antonio-Stiftung; PDF).

Die Podiumsdiskussion widmete sich dem besonders für die Archäologie, Museen und ReenactorenInnen einschlägigen und bereits vieldiskutierten Thema der Verwendung von Hakenkreuzen in Outfit und Bewaffnung.

 

Einleitender Vortrag zur Podiumsdiskussion von Dr. Henning Haßmann (Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege).

 

Außerdem wurde besprochen, inwiefern die Szene als rechtsextrem unterwandert angenommen werden müsse. Von den wenigen anwesenden VertreterInnen der Reenactorszene wurde sich gegen vorhandene rechte Tendenzen scharf abgegrenzt, aber auch angemerkt, dass die Wissenschaft hier in der Verantwortung stehe, ihr Wissen selbstreflektiert auch nichtwissenschaftlichen Kreisen zur Verfügung zu stellen, da nicht jede Verwendung von problematisierbaren Symbolen politisch intendiert sei. Rudolf Simek bekräftigte dies ebenfalls, und rief seine Kollegen dazu auf, sich, wenn zur Not auch knapp, in nichtwissenschaftlichen Kontexten schriftlich zu äußern und das Thema der Wikingergeschichte nicht rein populärwissenschaftlichen und gegebenenfalls ideologisch verzerrenden Autoren zu überlassen. Dies erschien mir als sehr angemessener Abschluss dieser zum Teil mit impliziten Schuldzuweisungen durchsetzten Diskussion, wie auch der Ausblick, künftig doch „mehr miteinander anstatt übereinander“ zu sprechen (detaillierter zu der hier geführten Diskussion äußerten sich z.B. Beowulf-Schleswig in ihrer Besprechung der Konferenz).

Die sehr ausführliche Zusammenstellung von Wikingerdarstellungen in Filmen von Dr. Ulf Ickerodt (Archäologisches Landesamt Schleswig – Holstein) stellte dann nach dem Abendessen, nach einem langen und sehr informationsdichten Tag einen auflockernd skurril-humorvollen Abschluss dar. Dieser verüberdeutlichte nicht zuletzt, wie sehr, und in welchem Ausmaß das Interesse am Wikingertopos zu Darstellungen weitab historischer Realitäten führt und wie sehr dessen mannigfaltige Interpretationen eher als Spiegelung des jeweils aktuellen Zeitgeistes aufgefasst werden müssten.

 

III.

Der nächste Tagungsmorgen begann mit dem Vortrag „Völkische Ideologie zwischen Wikingerkult und Rechtsextremismus“ von Dr. Ingo Wiwjorra (Germanisches Nationalmuseum), bei dem ich nicht umsonst hoffte, dass noch einige weitere inhaltliche Zusammenhänge und Diskontinuitäten zwischen archäologischer Forschung und verschiedenen Rezeptionen in rechtsextremen Kreisen dargestellt würden. Der Referent ging anfangs auf die Archäologie als Fach und dessen Rolle zur nationalen Identitätskonstruktion im Nationalsozialismus seit etwa den 1920er Jahren ein. Von dieser Seite wurde unter anderem, zum Beispiel durch Befunde langer Ortskontinuität, das „Bodenprinzip“ (an einem Ort länger anwesende Gruppen hätten einen legitimen Anspruch auf diesen Ort) mitgetragen, betont völkisch einheitliche Definitionen von Kulturen – im Sinne von „Abstammungsgemeinschaften“ – sowie Überlegenheitsnarrative verwendet und so entsprechende Ansprüche legitimiert. Weiter bedienten sich zu dieser Zeit die historischen (und andere) Wissenschaften anthropologischer Merkmale zur Bestimmung einer „Rasse“, also vom Grundsatz her rassistischen Gedankengutes, worauf sich in gegenwärtigen völkischen Kontexten immer wieder berufen werde. Nahmen Wissenschaftler nach 1945 Abstand zu rechtsideologischen Tendenzen, schließt ein Teil der heutigen Populärwissenschaft fast alleinig an das zu dieser Zeit wissenschaftlich entworfene Germanenthema an, wodurch bestimmte Wissensbestände weiter verständlich sind und z. B. getarnte Nazi-Symbole als Erkennungszeichen fungieren können. Im rechtsradikalen Spektrum relevante Texte knüpften hier ebenfalls an und bis heute bestehe, wenn auch nicht so sehr mit Rekurs auf den „Blut und Boden“-Topos, aber zum Beispiel über das mit dem Atlantis-Mythos verknüpfte Thema der „Germanen als Kulturbringer“, ungebrochen eine inhaltliche Kontinuität. Dies geschehe nicht zuletzt auch in Ermangelung neuer Publikationen, weshalb immer wieder auf die alten zurückgegriffen werde und gelte auch für globalisierungskritische, ethnopluralistische Weltbilder, gekennzeichnet durch eine Verbindung mit folkloristischen Praktiken und Ästhetiken sowie „Heimat“-Bezogenheit, die in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewännen. Die inhaltliche Kontinuität bestünde nicht zuletzt im Beibehalten der ethnischen Selbstdefinition in Abgrenzung zum vermeintlich „heimatlosen“ Einwanderer auf politscher Ebene.

Als letzte Veranstaltung der Tagung vor der Exkursion besuchte ich den Workshop 2.5: „Grauzone: Rechtsoffene Bands in Metal, Viking Rock und Nordic Folk“, abgehalten von Dr. Niels Penke (Universität Siegen, Germanistisches Seminar) und Till Stehn (Regionales Beratungsteam gegen Rechtsextremismus Itzehoe), dessen Inhalte wieder hier dokumentiert sind. Die behandelten Musikgenres sind für die Religionsforschung zunächst vor allem im Bereich „Popkultur und Religion“ relevant. Angesprochen wurden in dieser vergleichsweise diskussionsreichen Veranstaltung jedoch, aus Zeitmangel leider nur knapp, die aus meiner Sicht so wichtigen Möglichkeiten, rechte Tendenzen innerhalb dieses Milieus auf der Ebene von Textinhalten und Symbolverwendung sowie in der Musikveranstaltungspraxis zu erkennen und abzugrenzen.

Den Tagungsabschluss gestaltete ein Ausflug nach Haithabu zur rekonstruierten Wikingersiedlung, die ebenfalls hochinformativ und spannend war, wetter- und zeitbedingt allerdings eher kurz ausfiel. Den Organisatoren der Tagung möchte ich an dieser Stelle für diese trotz (überwiegend konstruktiver) Kritik gelungene und thematisch wichtige Veranstaltung danken, bei der neben der Fülle an Vorträgen viel Zeit zur Diskussion unter den Tagungsteilnehmern blieb. In den angemessen angesetzten Pausen begegneten sich Menschen verschiedener wissenschaftlicher und beruflicher Hintergründe, tauschten sich zu den Vortragsthemen, aber auch weit darüber hinaus zu ihrer Wahrnehmung der Verbreitung rechter Tendenzen in verschiedenen Milieus und in der Mitte der Gesellschaft aus, so dass die Teilnehmenden nicht zuletzt einen breiten Überblick über den aktuellen Stand der Diskussion über die Problematik in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und Praxisfeldern gewinnen konnte.

 

Die rekonstruierte Wikingersiedlung Haithabu.

 

Kommentar, Anregungen und offene Fragen

Wie bereits angedeutet, fehlten in fast allen auf der Tagung behandelten Themenkomplexen – außer im Workshop zu musikalischen Grauzonen – leider systematische Überlegungen zur Erkennung und Differenzierung von rechtextremen Tendenzen innerhalb bestimmter Milieus, sowie eine Definition von „rechtsextrem“. Dies ist zunächst vor allem in der Praxis problematisch und wird vonseiten der in entsprechenden Kreisen jeweils involvierten Personen wiederholt und – m. E. zurecht – deutlich kritisiert. Weder Pagane, noch ReenactorInnen oder Wikingerfans sind per se rechtsextrem, sondern es gibt, wie auf gesamtgesellschaftlicher Ebene, unter diesen wiederum Minderheiten, die sich derartiges Gedankengut aneignen und entsprechende politische Haltungen einnehmen. Gleichzeitig würde sich wohl niemand selbst als „rechtsextrem“ bezeichnen, so dass eine analytische, und möglichst auch interdisziplinär verwendbare Bestimmung des Begriffs unabdingbar bleibt. Allgemein gängige Verständnisse und direkte Referenzen zu einschlägigen Schriften und Kontexten könnten zum Beispiel durch annäherungsweise bestimmte typische Inhalte, Denkstrukturen und ideologische und inhaltliche Bezüge ergänzt werden. Die Referenten Botsch und Pöhlmann sprachen in diesem Zusammenhang von Verschwörungsmythen als Kennzeichen gegenwärtigen rechten Denkens, was m.E. einen sinnvollen Ansatz darstellt. Durch die Freiheit bei der Aneignung, Interpretation und Neukombination von Ideen und Symbolen ist deren Verstehen in neuen Kontexten wie Internetplattformen eine weitere Herausforderung, der man sich, möchte man überhaupt rechte Tendenzen frühzeitig erkennen, und/oder innerhalb bestimmter Milieus abgrenzen, stellen sollte. Einig war man sich, auch in Gesprächen danach, dass fast überall und unter anderem im Bereich Esoterik Elemente rechten Gedankengutes oder solche, die in anderen Zusammenhängen hiermit verbunden sind, immer wieder und gefühlt vermehrt auftauchen. Elemente rechten Denkens scheinen also anschlussfähig zu sein, werden bewusst anschlussfähig gemacht und unachtsam sowie strategisch in verschiedene Kontexte und Milieus über Einzelpersonen oder im Rahmen von Marketing-Aktionen eingeführt. Daher stellen sich nicht nur Fragen über Rezeptionszusammenhänge, rhetorische Strategien und kontextuelle Bedeutungen, sondern auch über den Einfluss bestimmter Gruppen und Kommunikationsnetzwerke, also nach Quellen, Akteuren, Kanälen und Orten, an denen, durch und über die, entsprechendes Gedankengut, oft strategisch neu formuliert, zugänglich gemacht und verbreitet wird. Die Religionsforschung wäre hier speziell in Bezug auf religiöse Gruppen oder spirituelle Milieus gefragt, sowie wann und wie rechte Inhalte an bestimmte religiöse oder esoterische Vorstellungen anschlussfähig werden. Auch die Frage, wann, inwiefern und in welchen Funktionen Germanentum und Wikingervorstellungen überhaupt religiöse Züge annehmen, wäre für die Religionswissenschaft von Relevanz, unter anderem, damit diese Mischformen zwischen politischen und religiösen Einstellungen nicht aufgrund von Fach- und vermeintlichen – oder gar befürchteten – Kompetenzgrenzen nicht etwa sich selbst überlassen werden.

 

Christiane Königstedt

 

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