Buddhas Drittes Auge – Populäre religionsgeschichtliche Irrtümer von A bis Z

kamakura-daibutsu-06 Während beim allerersten A-Z hier im Blog „Religion und Vorurteil von A bis Z“ beleuchtet wurde, geht es heute um religionsgeschichtliche Irrtümer. Manches, was religionswissenschaftlich betrachtet nichts anderes darstellt als eine Fehleinschätzung historischer Zusammenhänge, einen Irrtum, ist heutzutage gleichsam eine eigene Deutungstradition geworden – allerdings eine, die man selbst als „religiös“ bzw. „esoterisch“ bezeichnen muss. Zugleich sollte nicht ausschließlich im Fokus stehen, dass hier für eine historisch-kritische Perspektive zu kreativ mit der Vergangenheit umgegangen wird (vgl. auch Die Kopie ist das wahre Original: Aura-Kopierer, Religionswissenschaft, Falsifikation und Don Quijote). Das Mythos-Werden bzw. Religion-Werden von etwas zunächst Fiktivem war auf seine Weise ja auch bereits beim Cthulu-Thema angesprochen worden (vgl. Lovecraft goes Magick: Cthulhus Ruf in Phantastik und (neuer) Religion). Sieben populäre Irrtümer über Religionsgeschichtliches werden im Folgenden vorgestellt.

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Religion und Vorurteil von A bis Z

Wie kann man religionswissenschaftliche Arbeit kurz und prägnant vermitteln? „Wer bloggt hier eigentlich, und wenn ja, wie viele?“, fragt der Blog „Marginalien – Religionswissenschaftliche Randbemerkungen“ und stellt unterschiedliche Blogkonzepte vor. Um also auch hier mal etwas Neues auszuprobieren, hat sich das REMID-Team zusammengesetzt, um einige Stichwörter für ein „Religion und Vorurteil von A bis Z“ zu versammeln. Dabei geht es insbesondere um die Begriffe und Kategorien, mit denen in der Alltagssprache und in manchen Medien bestimmte religiöse und weltanschauliche Phänomene angesprochen werden, obwohl sie oft versteckte Werturteile enthalten, die denjenigen, die sie verwenden, oft gar nicht bewusst sind.

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Übersetzer als Konquistadoren. Eine Geschichte der „Eroberung“ heiliger Texte durch den Westen

So wie viele historische Irrtümer über Andersgläubige oder „fremde Kulturen“ häufig auf Unkenntnis oder irrtümlicher Kenntnis beruhen, existieren heute insofern falsche Einschätzungen vergangener Kulturepochen und ihrer Konfliktlagen, als dass der Weg der Kunde in den Westen nicht geläufig ist. Die Geschichte erster Beschreibungen und früher Übersetzungen z.B. nicht-christlicher heiliger Texte eröffnet dabei einen anderen Blick sowohl auf die für eine Globalisierung bedeutsame philologische Aufarbeitung dieser Wissensbestände durch die „westlichen Kulturen“ (vgl. aber auch Interview zum Eurozentrismus) als auch auf diejenigen Transformationsprozesse, welche durch diese sozusagen „geistige Eroberung“ des Fremden allmählich in Gang gebracht worden sind.

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Wessen Geistes Kind? Neue Religionen, alte Traditionen und die Crux des Systematikers

Es war ausgerechnet ein Gewaltverbrechen, welches letztes Jahr in den Medien vorübergehend die Frage virulent machte, was eigentlich christlich sei – also z.B. ob die neue christliche Kirche, welche ein Anders Behring Breivik in seinem Manifest einfordert, tatsächlich als eine neue Form von Christentum zu werten sei (vgl. Blogartikel „Was ist eigentlich christlich? Neue Antworten auf eine alte Frage“). Allgemein gültiger waren die dabei zitierten Aussagen eines ökumenischen Impulsreferates: „Das Christentum kann immer nur von einem konfessionellen Standpunkt aus beschrieben werden (als katholisch, protestantisch, lutherisch, calvinistisch, orthodox, freikirchlich …)“; „es gibt nicht ein einziges ’spezifisches‘ Merkmal des Christentums“. Das Problem der Einteilung, unterdrückt man nicht gänzlich den Willen zur Systematisierung, stellt sich genau genommen bei jeder Neuen Religion. Der neutrale Religionswissenschaftler hat es dabei noch schwerer als solche, die „spezifische“ (wesentliche) Merkmale einer Weltreligion zu kennen glauben.

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Prä-Astronautik: Religionsgeschichte als unheimliche Begegnung der dritten Art

Für manche steht Sternenkult am Anfang der Religion. Solche Götter am Himmel sind dann Antwort auf die Frage, ob wir allein sind – auch in den unendlichen Weiten des Alls. Metaphysisch erschaudern lässt sowohl die Vorstellung, dass nach der Rare-Earth-Hypothese sehr viele komplexe Zufälle nötig gewesen seien, damit Vielzeller-Leben auf der Erde entstehen konnte, als auch diejenige der Green-Bank-Formel (oder SETI-Gleichung), nach welcher – je nach dem, welche Zahlen man für ihre Variablen einsetzt – wir uns in einer Masse an außerirdischen Zivilisationen verlieren. Der Physiker Enrico Fermi formulierte 1950 das Paradox, dass, vorausgesetzt Leben wäre kein ungewöhnlicher Vorgang im All, der Weltraum doch eigentlich dicht bestückt mit Raumschiffen, Sonden etc. sein müsste. Unabhängig davon, ob man aktuell an Präsenz von Außerirdischen glaubt, auch ernsthafte Entgegnungen auf Fermi seiner Zeit argumentierten, wir hätten diese Ära der Raumschiffe nur verpasst, Zivilisationen vergehen. Populärer als diese Gedankenspiele von Physikern sind bestimmte „Rätsel“ der Archäologie und Geschichte, welche eine Bewegung, die sich Prä-Astronautik oder Paläo-SETI nennt, als Spuren außerirdischer Zivilisationen deutet. Nicht nur zu ihrem bekanntesten Vertreter Erich von Däniken interviewte REMID den Religionswissenschaftler Jonas Richter.

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Im Reigen der Propheten: Apokalypse in aller Munde

Es grenzt nahezu schon an ein Wunder, dass man trotz der Allgegenwart von Untergangsprosa überhaupt noch erfährt, dass Harold Camping, seines Zeichens Prediger eines Family Radio, zum wiederholten Mal erfolglos den Weltuntergang in diesem Jahr, diesmal für den 21. Oktober, angekündigt hatte. Bzw. nach aktueller Lehre Campings stand der erste Termin für eine „Entrückung“ der Wenigen, während am zweiten die übrigen Menschen untergehen sollten. Angesichts der schon seit einigen Jahrzehnten populären Prophezeiung zu 2012 (wir nahmen diesbezüglich an einem Wettbewerb der Gesellschaft für Anomalistik [GfA] um einen wissenschaftlichen Artikel über dieses Thema teil) fragt man sich nach einem Blick in die Medien: Das soll noch ein Jahr lang so weiter gehen?

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„Pyramiden“ im Dschungel – auf Forschungsreise in Guatemala

Der Archäologe Achim Schulze berichtet von seinen Forschungsarbeiten im Rahmen eines DAAD-Auslandsstipendiums für Doktoranden. Der Marburger Absolvent der Vor- und Frühgeschichte beschäftigt sich in Unterstützung durch die Bonner Altamerikanistik mit der Vorklassik der Maya in Mesoamerika. Er selbst hat in den letzten 10 Jahren bereits mehrere Male die Länder mit den „Pyramiden im Dschungel“ bereist, wobei er den Begriff „Pyramide“ nicht besonders gerne hört. Neben Einblicken in die präkolumbianische Zeit vor der Conquista geht es um die Gegenwart der synkretistischen indianischen und/oder afroamerikanischen Religionen, die Zukunft der Altertumswissenschaften und die esoterischen Erwartungen mancher Maya-Touristen.

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Der neue REMID-Blog

Religionswissenschaft ist in den Medien deutlich unterpräsentiert. Neben den Blogs von Michael Blume und Kerstin Probiesch ist nicht viel in der Blogosphäre zu finden. Insbesondere letzterer ist zu verdanken, dass das Thema auch bei REMID immer wieder eine Rolle spielte, wenn auch leider lange Zeit einer Umsetzung harrte. Überhaupt gilt es, das Web 2.0 auch in Deutschland als relevant für akademische Öffentlichkeit zu etablieren.

Dieser Blog soll der Idee nach eine Plattform für alle REMID-Mitglieder sein, aber auch Gäste dürfen in Absprache kleine Artikel beitragen. Dabei können sie sich mit einem eigenen Account als Autor einloggen, erhalten damit zwar keine Möglichkeit, den Blog im Layout zu verändern, aber können eigene Artikel bearbeiten mit einem benutzerfreundlicheren „You see is what you get“-Editor. Es ist, als ob man ein WORD-Dokument schreibt. Auf diese einfache Weise können Neuigkeiten aus der Religionswissenschaft bzw. religionswissenschaftliche Analysen des Zeitgeschehens um Religionen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Auf neue Einträge verweisen wir dabei über Twitter oder bewegung.taz.de, um sie bekannter zu machen. […]

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