Trendreport 2017: Migration, Rezession, „Regression“ und Ressentiment

Es ist jetzt vier Jahre her, dass zuletzt ein sogenannter „Trendreport“ auf dem REMID-Blog erschienen war (vgl. Trendreport 2013). Was ergibt ein Blick auf die „geistige Situation der Zeit“ – Untertitel von „Die große Regression“ (hrsg. von Heinrich Geiselberger, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2017) mit Bezug auf das Werk „Die geistige Situation der Zeit“ des Philosophen und Psychiaters Karl Jaspers von 1932 sowie auf die (ökonomische) Rede von einer „Großen Rezession“ seit 2008 (vgl. dazu insbesondere den Beitrag von César Rendueles, S. 233-252)? Kann sich ein „Trendreport“ überhaupt noch mit einer lediglich nationalen Perspektive – also auf das Religions- und Weltanschauungsgeschehen Deutschlands – begnügen?

Weiterlesen

Buddhas Drittes Auge – Populäre religionsgeschichtliche Irrtümer von A bis Z

kamakura-daibutsu-06 Während beim allerersten A-Z hier im Blog „Religion und Vorurteil von A bis Z“ beleuchtet wurde, geht es heute um religionsgeschichtliche Irrtümer. Manches, was religionswissenschaftlich betrachtet nichts anderes darstellt als eine Fehleinschätzung historischer Zusammenhänge, einen Irrtum, ist heutzutage gleichsam eine eigene Deutungstradition geworden – allerdings eine, die man selbst als „religiös“ bzw. „esoterisch“ bezeichnen muss. Zugleich sollte nicht ausschließlich im Fokus stehen, dass hier für eine historisch-kritische Perspektive zu kreativ mit der Vergangenheit umgegangen wird (vgl. auch Die Kopie ist das wahre Original: Aura-Kopierer, Religionswissenschaft, Falsifikation und Don Quijote). Das Mythos-Werden bzw. Religion-Werden von etwas zunächst Fiktivem war auf seine Weise ja auch bereits beim Cthulu-Thema angesprochen worden (vgl. Lovecraft goes Magick: Cthulhus Ruf in Phantastik und (neuer) Religion). Sieben populäre Irrtümer über Religionsgeschichtliches werden im Folgenden vorgestellt.

Weiterlesen

Religion und Vorurteil von A bis Z

Wie kann man religionswissenschaftliche Arbeit kurz und prägnant vermitteln? „Wer bloggt hier eigentlich, und wenn ja, wie viele?“, fragt der Blog „Marginalien – Religionswissenschaftliche Randbemerkungen“ und stellt unterschiedliche Blogkonzepte vor. Um also auch hier mal etwas Neues auszuprobieren, hat sich das REMID-Team zusammengesetzt, um einige Stichwörter für ein „Religion und Vorurteil von A bis Z“ zu versammeln. Dabei geht es insbesondere um die Begriffe und Kategorien, mit denen in der Alltagssprache und in manchen Medien bestimmte religiöse und weltanschauliche Phänomene angesprochen werden, obwohl sie oft versteckte Werturteile enthalten, die denjenigen, die sie verwenden, oft gar nicht bewusst sind.

Weiterlesen

Spiritualität als Friedenswerkzeug. Interviews aus einer jüdisch-palästinensischen Dorfgemeinschaft

Annalena Groppe hatte beim Münsteraner REMID-Vortragsabend im Oktober 2014 über „Spiritualität als Friedenswerkzeug“ vorgetragen. Sie war in Neve Shalom / Wahat al-Salam (Oasis of Peace) auf halbem Weg zwischen Jerusalem und Tel Aviv, um Interviews in dieser jüdisch-palästinensischen Gemeinschaft zu machen. Wir befragten sie zu ihrem Forschungsprojekt. Annalena Groppe studierte den Bachelor in Religions- und Sozialwissenschaft an der Ruhr-Universität in Bochum mit Schwerpunkten in qualitativer Religionsforschung sowie Religionssoziologie. Momentan studiert sie das Master-Programm „Peace, Development, Security and International Conflict Transformation“ an der Universität Innsbruck.

Weiterlesen

Der Israelit. Das Selbstverständnis der Neo-Orthodoxie in der deutsch-jüdischen Presse um 1900

Im Oktober 2014 lud Martin Radermacher (REMID) in Kooperation mit dem Seminar für Allgemeine Religionswissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ein zu „Schlaglichtern der Religionsforschung zwischen Wissenschaft, Medien und Öffentlichkeit“. Mit dabei war Lisa Andryszak, welche über ihr Doktorarbeitsprojekt berichtete: Der Israelit – Deutsch-jüdische Presse 1860–1938 (vollständig digital vorhanden). Neben Einblicken in jüdische Mediengeschichte, neo-orthodoxe Profilbildungen geht es im Interview mit der Religionswissenschaftlerin um Antisemitismus – gerade auch angesichts aktueller Entwicklungen leider ein Thema mit Zukunft (2012: „Jeder fünfte Deutsche ist latent antisemitisch“, bundestag.de; UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon spricht im Januar 2015 auf einer zum Thema einberufenen Sondersitzung der UNO von einem „alarmierenden Ausbruch von Antisemitismus weltweit“, spiegel.de).

Weiterlesen

Religionsfreiheit und religiöse Vielfalt 2014: Indikatoren und Berichte

„In Herford entlud sich die Gewalt zwischen Jesiden und Sympathisanten radikaler Islamisten“, hieß es am 7. August in der „Welt“ (vgl. unsere Kurzinformation Yeziden sowie zur aktuellen Situation den „[d]ringende[n] Appell zum Schutz der kurdischen Yeziden im Irak“ der Gesellschaft für bedrohte Völker, der Kurdischen Gemeinde Deutschlands und des Zentralrats der Yeziden vom 4. August). Die aktuelle Krise der Religionsfreiheit im Irak ist längst in Deutschland angekommen. Das zur Denunziation und Drohung an Häusern von Christen angebrachte arabische Nun wurde zum Solidaritätszeichen, das online aktuell auf Webseiten oder als Profilbild von Twitter-Accounts (darunter auch Kirchen) zu finden ist. Doch wie sieht es aktuell global überhaupt mit Religionsfreiheit aus?

Weiterlesen

Religiöse Vielfalt und politische Gegenwart im Libanon

Einen besonderen Blick auf ein anderes Land ermöglicht uns Christian Witt, Politologie-Student an der Universität Marburg. Nach der Herbstmigration der Bhaktiari im Iran, dem Christentum nicht nur auf den Philippinen, religiösem Pluralismus in Südkorea oder Auroville in Indien widmet sich das aktuelle Interview der religiösen Vielfalt und der politischen Gegenwart des Libanon – einschließlich der Anerkennungspraxis von Religionen, ihrer Beteiligung in der Politik, über Atheismus, westliche Kultur, Antisemitismus und antikes Erbe.

Weiterlesen

Beispiele für angewandte Religionswissenschaft? Internationale Zugänge zur Dialogforschung

Das internationale Forschungsprojekt „Religion and Dialogue in Modern Societies“ (ReDi), angesiedelt unter anderem an der ‚Akademie der Weltreligionen der Universität Hamburg‘, reagiert angesichts einer multireligiösen Gesellschaft auf das Desiderat einer wissenschaftlichen Dialogforschung. Durch die Erforschung des komplexen Phänomens religiöser Begegnungen sollen so Möglichkeiten eröffnet werden, eine offene und friedliche Gesellschaft zu erschaffen, die in Theologie und Praxis die Religionsvielfalt explizit mit einbezieht (vgl. Darstellung der Akademie der Weltreligionen). Unterstützung findet dieses Projekt dabei vom Bundesministerium für Bildung und Forschung innerhalb 2013 und 2018 mit einer Fördersumme von 3,1 Millionen Euro (ebd.). Im Rahmen zweier Konferenzen im Vorfeld des internationalen Projektes entstand dabei das Konzept des nun Anfang 2014 erschienenen Buches „Religion and Dialogue – International Approaches„, dessen Beiträge größtenteils von Konferenzteilnehmenden und -Referent_innen stammen (hrsg. von Wolfram Weisse, Katajun Amirpur, Anna Körns und Dörthe Vieregge; Münster: Waxmann Verlag 2014, S 9 [= R&D]). Diesen widmet sich der aktuelle Gastbeitrag von Friedemann Rimbach-Sator.

Weiterlesen

Homosexualität in den Religionsgemeinschaften Deutschlands

Homosexualität und Religion sind nicht notwendig ein Gegensatz. Die hier im Folgenden zusammengestellten Erklärungen und Positionen zu alternativen Formen der Sexualität aus unterschiedlichen religiösen Strömungen Deutschlands zeigen eine Breite an möglichen Einstellungen. Allerdings gilt eine „fundamentalistische Religiosität“ als einer von drei Faktoren für Homophobie, so Dr. Ulrich Klocke, Sozialpsychologe an der HU Berlin und Diskriminierungsforscher, in der Zeit am 10. Feb. 2014. Er ergänzt, dass laut einer Studie besonders Menschen, die Homosexualität aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen ablehnen, ihre Einstellung bei persönlichem Kontakt zu Homosexuellen überdenken (Cunningham & Melton, 2013). Folgende Zusammenstellung ist bemüht, offizielle Erklärungen im Auszug abzudrucken. Nur in Ausnahmefällen wurden Sekundärquellen herangezogen. Sollte durch Auslassung ein Zitat Ihrer Ansicht nach verfälscht worden sein, bitten wir von REMID um einen entsprechenden Kommentar.

Weiterlesen