„Open City“: Die Stadt und der Terror bei Teju Cole

Im Jahr 2011 erschien das Buch „Open City“ von Teju Cole. Der als Obayemi Babajide Adetokunbo Onafuwa in den USA geborene und teilweise in Lagos aufgewachsene Schriftsteller, Fotograf und Kunsthistoriker lässt darin den Protagonisten Julius mit vergleichbaren Migrationserfahrungen, von Beruf aber Psychiater, durch New York der Jahre 2006, 2007 spazieren (mit Ausnahme der Kapitel 7-11, welche in Brüssel spielen). In einem Interview mit Ekkehard Knörer (Merkur, 2012) sagt Cole, „ich wusste, dass es um diesen Zustand nach 9/11, um die Nachwirkungen dieses Ereignisses und dieser Verluste ging. Wir haben ja einfach weitergelebt, aber es blieb etwas Unabgegoltenes, Unabgeltbares…“. Es geht dabei also auch um eine Selbstverortung einer Stadt wie New York (oder aktuell Paris) im Angesicht eines islamistischen Terrors (vgl. dazu Der Salafismus und die dschihadistische Idee).

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Lovecraft goes Magick: Cthulhus Ruf in Phantastik und (neuer) Religion

Cthulhu – aus den Erzählungen Howard Philips Lovecrafts – ist populär. Auch in der Comic-Serie „Southpark“ taucht der „dunkle Lord“ auf, um sich mit Cartman alias the Coon zusammen die Welt untertan zu machen („Es steht alles in den Prophezeiungen des Necronomicon“, in: Staffel 14, Folge 12, Mysterion schlägt zurück, 2010, 3:40), nachdem Bohrungen eines bekannten Ölförderungsunternehmen auf dem Mond dazu führten, den „mächtigen Cthulhu“ „heraufzubeschwören“. Allerdings nicht nur im Comic erhält dieses Phantastik-Motiv eine reale Gestalt, auch im zeitgenössischen Okkultismus. REMID interviewte dazu Friedemann Rimbach-Sator (Religionswissenschaft Marburg, vgl. auch seine Gastbeiträge zur Dialogforschung und Religionskritik).

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Säfte und Kräfte – Ansätze zu einer Religionsgeschichte der Körperflüssigkeiten

Nicht nur Blut ist ein ganz besonderer Saft. Viel zu selten bislang wurde im REMID-Blog ein tatsächlich allgemein vergleichender Ansatz vorgestellt, abgesehen von etwa dem Interview mit Prof. Dr. Peter J. Bräunlein über „Christliche Körper in Ost und West. Eine Religionsgeschichte des Schmerzes„. Das hängt auch mit grundsätzlicher Kritik an der für Vergleiche benötigten Phänomenologie zusammen (vgl. das Interview mit Steffen Führding: Mit Religion provozieren: Nach Russell T. McCutcheon radikaler Perspektivwechsel notwendig). Sicherlich, das Problem der Vergleichbarkeit wird auch hier am Rande gestreift, etwa wenn später über eine hinduistische „Dämonin“ gesprochen werden wird (vgl. Religion und Vorurteil von A bis Z sowie Quo vadis, domine? Eurozentrismus(kritik) in der Religionswissenschaft; auch die meisten reformhinduistischen deutschen Texte erläutern die weibliche Asura namens Putana als „Dämonin“, etwa der Wiki des Verbandes Yoga Vidya oder ISKCON-Begründer A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada in seinem Werk „Die Transzendentalen Spiele Sri Krishnas“). Doch es wäre ebenso problematisch, deswegen grundsätzlich auf Arbeiten wie diejenige von Gerrit Lange (Religionswissenschaft Marburg) zu verzichten. REMID interviewte ihn zu seiner Master-Arbeit, welche Ansätze zu einer Religionsgeschichte der Körperflüssigkeiten entwickelt – mit besonderem Blick auf altindische Mythen.

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Nachgefragt: Religion in Ex-Position. Eine religionswissenschaftliche Ausstellung

Eine religionswissenschaftliche Ausstellung ist eine Heraus-forderung, so kenne ich das von der Religionskundlichen Sammlung Marburg. Im Seminarraum ging es häufiger darum, auf welchem Konzept ein Museum oder eine Sammlung fußen kann, und dass überhaupt ein religionskundliches Konzept weltweit eine Seltenheit darstellt (vgl. z.B. Susanne Claußen: Anschauungssache Religion. Zur musealen Repräsentation religiöser Artefakte, Bielefeld 2009). 2004 zählte Sandra Schramm für Europa drei Einrichtungen: das Museum of the History of Religion in St. Peterburg, die Religionskundliche Sammlung in Marburg und das St. Mungo Museum of Religious Life and Art in Glasgow (Spirita: Darstellung von Religion in Museen). Am 4. Dezember 2013 berichtete Konstanze Runge bei der REMID-Reihe „Religion am Mittwoch“ über den Dharma-Meister Hsin Tao und das von ihm konzipierte Museum der Weltreligionen in Taipeh (mwr.org.tw). Nun ist gerade letzteres sicherlich ein Beispiel für eine gerade nicht religionswissenschaftliche Ausstellung von Religion(en). REMID befragt Simone Heidbrink und Carina Branković (Religionswissenschaft Heidelberg) zu ihrer aktuellen Ausstellung „Religion in Ex-Position„.

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Deus ex machina: Religion(en) in digitalen Spielen

87314974_f180982ea0_z Neben digitaler Sinnsuche, neuen „heiligen“ Medien wie den Tempel- oder Heilungs-Apps auf dem Smartphone und dem „Spiel“ als einem Paradigma der Moderne darf ein wichtiger Bereich des modernen Alltagsleben – nicht nur bezüglich seiner Analyse durch den Kultur- sowie Religionswissenschaftler – nicht übergangen werden: die Game Studies. Eine neue Sonderausgabe des englischsprachigen Online – Heidelberg Journal of Religions on the Internet (Vol. 5 von 2014) beschäftigt sich mit „Religion in Digital Games. Multiperspective and Interdisciplinary Approaches“. REMID interviewte die Herausgeber_innen (Religionswissenschaft Heidelberg) Simone Heidbrink und Tobias Knoll. Letzterer ist auch Mitproduzent des Gaming-Podcast about:games.

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Von Geistern in Buenos Aires, Schlachthäusern in Istanbul bis ins deutsche Wohnzimmer: Das 2. Marburg International Ethnographic Film Festival

„Ästhetik – Fiktion – Realität. Grenzen und Möglichkeiten des ethnographischen Films in Wissenschaft und Filmpraxis“ – unter diesem Titel begleitete eine Podiumsdiskussion das diesjährige 2. Marburg International Ethnographic Film Festival. REMID interviewte zur studentisch initiierten Festivalreihe Laura Naumann, Studentin der Religionswissenschaft sowie Friedens- und Konfliktforschung in Marburg.

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„Le Christianisme c’est le Communisme“: Sozialismus und Okkultismus im Frankreich des 19. Jahrhunderts

Frühe „utopische“, „sozialromantische“, „neuchristliche“ Sozialismen im Frankreich des 19. Jahrhunderts sind ein bisher von der historischen Forschung stiefmütterlich behandeltes Thema. Zugleich geht es im folgenden Interview – und auf den Gegenstand bezogen spätestens ab dem historischen Wendepunkt der Machtübernahme durch Napoleon III. 1851 – um die Vorgeschichte dessen, was man gemeinhin „modernen Okkultismus“ zu nennen pflegt. REMID interviewte Julian Strube (vgl. auch das Interview zum esoterischen Neonazismus der Gegenwart) über sein Dissertationsprojekt.

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Christliche Körper in Ost und West. Eine Religionsgeschichte des Schmerzes

„Schmerz“ ist in den Nachrichten besonders häufig vertreten. Sei es die Schmerzwahrnehmung von Fischen, welche mit derjenigen von Säugetieren nicht zu vergleichen sei (schließlich entscheidet die Leidensfähigkeit über die Gültigkeit mancher Paragraphen des Tierschutzgesetzes); sei es Lady Gaga, welche in der Bunten interviewt wird unter der Überschrift „Ich kann Schmerz lange ertragen“; oder sei es Robert Harting, der trotz eines plötzlichen Schlagschmerzes in der Bandscheibe weiterwarf und zum dritten Mal Diskus-Weltmeister wurde, überschrieben mit „Hartings Schmerz aus Gold“ (alle Meldungen August 2013). Zur Religionsgeschichte des Schmerzes, Passionsritualen in westlichen und östlichen Christentümern und parallel zur Mythisierung entsprechender Bilder in einer globalen Kinokultur mit lokalen Zentren interviewte REMID Prof. Dr. Peter J. Bräunlein.

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Das ist ja voll 19. Jahrhundert! „Moderne“ und „Religion“ nicht nur im Kino

„Eines Tages werden die Menschen sagen, ich habe das 20. Jahrhundert eingeleitet“ (From Hell, Trailer), diese Worte legen die Autoren Albert und Allen Hughes einer Neuverfilmung des Jack-the-Ripper-Stoffes 2001 dem berüchtigten Serienmörder in den Mund (vgl. auch Irina Gradinari: Genre, Gender und Lustmord. Mörderische Geschlechterfantasien in der deutschsprachigen Gegenwartsprosa, 2011, S. 13). Angefangen hat es vielleicht mit der zunächst literarischen, später allgemein künstlerischen Bewegung des Steampunk: In größerem Umfang werden seit einiger Zeit Filme produziert, die in einem (teilweise fiktiven) 19. Jahrhundert angesiedelt sind. Es scheint dabei darum zu gehen, das „Geburtstrauma“ der Moderne zu reflektieren (im engl. Original heißt es: „I gave birth to the 20th century“).

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