Rumänische Kultur, Orthodoxie und der Westen

Orthodoxie bezeichnet eigentlich die „rechte Lehre“. Dabei weiß kaum ein Katholik oder Protestant, warum eigentlich dieser Begriff für die Ostkirchen gebräuchlich ist. Noch weniger ist bekannt über die Gegenwart dieser christlichen Richtungen in der Moderne.
Nicolai Staab konnte kürzlich erst seine Promotion im Fach Religionswissenschaft am Lehrstuhl für Orthodoxes Christentum der Philosophischen Fakultät an der Universität Erfurt abschließen: „Rumänische Kultur, Orthodoxie und der Westen. Der Diskurs um die nationale Identität in Rumänien aus der Zwischenkriegszeit“. Schon 2004 konnte er während eines DAAD-geförderten Recherche-Aufenthaltes in Rumänien Eindrücke sammeln. Daraus entstand die Magisterarbeit „Die unierte Kirche in Rumänien 1948-1989“.

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Kein Pfingstfest der Moral: über den Erfolg segregativer Thesen

Am 3. Juni hatte die Giordano-Bruno-Stiftung Peter Singer und Paola Cavalieri als „zwei Initiatoren des Great Ape Projects für Grundrechte von Menschenaffen“ trotz des Protests von Verbänden zur Behindertenhilfe ihren Ethikpreis verliehen. Gleichzeitig bringt der „Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken“ einen Essay des Schriftstellers und Juristen Bernhard Schlink („Der Vorleser“), der seinen StudentInnen (und dem diese prägenden gesellschaftlichen Kontext) eine „Kultur des Denunziatorischen“ vorwirft, welche an den Beispielen von moralischen (Negativ-)Urteilen der Studierenden (nach „heutigen“ ethischen Vorstellungen) über juristische Autoren des 19. Jahrhunderts bis in die Zeit des Nationalsozialismus festgemacht wird. Der Text im nach Selbstverständnis „antiutopischen“ und „liberalen“ Blatt findet im Spiegel durch Georg Dietz seine Kritik als Ausdruck einer „Kultur des Opportunismus“, „[a]ls ob Mord nicht immer Mord ist, Lüge immer Lüge, Verrat immer Verrat“. Diese Debatten und Ereignisse sind für Religionswissenschaftler nicht nur aufgrund dessen interessant, da Schlink historische Fälle von Antisemitismus und Rassismus relativiert und da Singer die (pränatalen und frühkindlichen) Rechte Behinderter gegen die Rechte von Menschenaffen ausspielt.

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Religionswissenschaft im Aufwind?

Bei zunehmender Intoleranz ist in einer pluralistischen Gesellschaft eine genauere Sorgfalt bei der Auswahl von Experten in den Medien unverzichtbar – unter Einbezug empirischer Religionswissenschaft. Gerade heute braucht die Gesellschaft religionswissenschaftliche Expertise für die Anforderungen einer pluralistischen Gesellschaft. Zwar findet das diesjährige Symposium der Deutschen Vereinigung für Religionswissenschaft DVRW im September zu dem Thema „Religionswissenschaft im Aufwind. Eine Profilbestimmung angesichts steigender gesellschaftlicher Relevanz“ statt, doch ist die optimistische Perspektive noch etwas zaghaft…

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Natur des Glaubens? Die Kontroverse um die Evolutionary Religious Studies

Dr. Michael Blume, der als Religionswissenschaftler über die Arbeiten von Hirnforschern zur Religion promovierte, dürfte den meisten insbesondere aufgrund seines Blogs „Natur des Glaubens. Evolutionsgeschichte der Religion(en)“ bzw. „Biology of Religion. Exploring the Natural History of Faith“ bekannt sein. Die deutsche Version erhielt 2009 den Scilogs Preis. Blume ist Teil des Forschernetzwerk der Evolutionary Religious Studies. Seine in der Religionswissenschaft bereits kontrovers diskutierten Thesen (vgl. „Gott, Gene und Gehirn. Warum Glaube nützt. Die Evolution der Religiosität“, mit Rüdiger Vaas, 2. Aufl. 2009) beeinflussten bereits Memetikerin Susan Blackmoore, allerdings versuchte auch Thilo Sarrazin mit verkürzten Zitaten aus Blumes Arbeiten seine kruden Theorien zu belegen. Vor kurzem erst sprach Michael Blume bei unserer Veranstaltungsreihe „Religion am Mittwoch“ über „Evolutionsforschung zur Religion: Chancen und Grenzen“.

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Live von einer Feldforschung in Uganda

Lydia Koblofsky und Johannes Maaser sind KulturwissenschaftlerInnen und AbsolventInnen des Marburger Masterstudiengangs Friedens- und Konfliktforschung. Von Dezember 2010 bis Juni 2011 arbeiteten sie als Volunteers für das Peace and Conflict Studies Programme der Makerere University in Ugandas Hauptstadt Kampala. Kurz vor Ende ihres Aufenthalts in Afrika stellen sich die beiden für ein Interview zur Verfügung.

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Religiöse Themen in den E-Petitionen des Bundestags

Eine durch die Neuen Medien ermöglichte Form der demokratischen Beteiligung der BürgerInnen an der Politik stellen die E-Petitionen des Bundestages dar. Es mag ein unüblicher Gegenstand religionswissenschaftlicher Betrachtung sein, dafür aber auch eine unerwartete Fundgrube.

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Großhirn-Voodoo und Voodoo-Politik – Kritik einer Metapher

Während einerseits religiöse Phänomene traditionell dasjenige Gegenüber der Wissenschaften darstellen, an denen diese sich in ihren Kindertagen erfolgreich profilieren konnten, erhalten die so scheinbar entwerteten Begrifflichkeiten häufig damit den Rang negativer Metaphern. Diese Praxis ist diskriminierend, zugleich offenbart sie aber etwas, wie im Folgenden gezeigt werden soll. Häufig zu finden sind offenbar Beispiele, etwas mit „Voodoo“ in Verbindung zu bringen. So etwa, wenn Veronika Hackenbroch im Spiegel online am 2. Mai der Neurowissenschaft „Großhirn-Voodoo“ unterstellt.

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Religion versus Wissenschaft – ein Osterspiel

Vor kurzem rezensierte Peter Monnerjahn für Telepolis das Buch „Abschaffung der Religion? Wissenschaftlicher Fanatismus und die Folgen“ des evangelischen Theologen Richard Schröder unter der journalistisch wenig taktvollen Überschrift „Journalistischer Selbstmord“. Unter Verweis auf die Medienereignisse um Jacques Benveniste und seine Thesen zur Homöopathie wird eine schärfere Trennlinie zwischen Religion und Wissenschaft eingefordert. Zurecht werden die biologischen Behauptungen Schröders kritisiert, weniger wird auf das eingegangen, was der das Buch zusammenfassende Zweizeiler im aktuellen Wikipedia-Artikel zum Autoren angibt, nämlich dass dieser unterstellt, Richard Dawkins („Der Gotteswahn“, 2006) fehle es an Wissenschaftlichkeit im Bereich der Kulturtheorie.

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Intoleranz steigt. Warum unser Toleranzbegriff ein Update braucht…

Allgemein in der Bevölkerung ist laut Pollack-Studie die Intoleranz gegenüber nicht-christlichen Religionen gewachsen. Innerkirchliche und innerreligiöse Auseinandersetzungen zwischen christlichen Kirchen und Denominationen konnten dabei von der Erhebung nicht wahrgenommen werden, da religiöse Gemeinschaften nur als jeweilige „Weltreligion“ in den Items zusammengefasst auftauchten. Auch wurde bereits eine größere Distanzierung der Religionen untereinander beobachtet; Hans Peter Goßhans, als Theologe im Münsteraner Excellence-Cluster „Religion und Politik“, das auch die Pollack-Studie durchführte, kritisiert z.B. einen bevormundenden Umgang im Dialog mit den Muslimen als Konsequenz von Toleranz, die nach seiner Auffassung nur ein asymetrisches Verhältnis zum Tolerierten erlaube, und setzt stattdessen auf „Anerkennung“. […]

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