Aktuelles

‘All inclusive’ optimiert: Lebensergänzungsmittel “Psychokult”

“Hilfe, wir machen uns verrückt!” – eine kurze Rezension zu diesem neuen Buch von Steve Ayan, Redakteur von Gehirn&Geist, gibt es im Blog des Religionswissenschaftlers Michael Blume vom 5. Febr. 2013. Aber um dieses Buch soll es hier nur am Rande gehen. Blumes Rezension interessiert sich insbesondere für Kriterien der Wissenschaftlichkeit. Darauf wird zurückzukommen sein. Es geht bei der angesprochenen Psychologisierung (des Alltags, “des ganzen Lebens”) um insbesondere zweierlei: Beruf und Liebe. Überall gelte es, sich zu optimieren bzw. umgekehrt wird immer mehr “pathologisiert” als sozusagen “falscher” Lebensstil: als “Symptom” für etwas. Was für eine Rolle spielt hier “Religion”? Geht es nur darum, “dass die boomende Zahl der post-religiösen ‘Seelsorge’-Anbieter knallhart auf Kundensuche ist” (Blume), oder müsste eine systematische Kritik / “Systemkritik” weiter ausholen?

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“Außerordentlich global”: Theologien der Befreiung üben “bitter ernsthafte und existentielle Kritik an sozialer Ungerechtigkeit”

“Er stößt die Mächtigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen.” (Lk 1,53) – befreiungstheologische Ansätze entwickelten sich von Lateinamerika ausgehend in verschiedenen Gegenden der Welt und über Protestantismus und Katholizismus hinausreichend. Ihre Geschichte beginnt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Name geht zurück auf das 1971 erschienene Buch “Teología de la liberación” von Gustavo Gutiérrez. Worum es dabei geht und was es politisch bedeutet, das fragte REMID im Interview den Theologen Prof. Dr. Erhard S. Gerstenberger (Altes Testament, Ev. Theologie Marburg bis 1997), zu dessen 80. Geburtstag in der Mitte letzten Jahres die „Gießener Elektronische Bibliothek“ (geb) einen Sammelband mit ausgewählten Aufsätzen (1961-2012) herausgegeben hat (Ute E. Eisen und Christl M. Maier [Hg.innen], Erhard S. Gerstenberger: Die Hebräische Bibel als Buch der Befreiung [OpenAccess Vollversion]. Ausgewählte Aufsätze; geb 2012/8601).

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Esoterik: Ein ungewolltes Kind von Reformation, Aufklärung und Kolonialismus?

“Esoterisch” nannte man diejenigen Schriften des Aristoteles, welche nur seinem engeren Schülerkreis vorbehalten waren. Bis auf wenige Ausnahmen haben nur sie die Zeiten überdauert. Heute meint “Esoterik” etwas völlig anderes (vgl. unsere Kurzinformation). Umstritten ist das Verhältnis zum Begriff “Religion”. 10,6% des Sachbuchmarktes macht die Kategorie “Psychologie, Esoterik, Spiritualität, Anthroposophie” aus (1. Quartal 2011). Dabei bestehen viele Vorurteile sowohl über Nutzer wie auch Anbieter esoterischer Angebote.

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Religionsfreiheit hat in Deutschland keine Lobby

Nichts Neues steht im Länderbericht über Religionsfreiheit 2011 des Referats für Demokratie, Menschenrechte und Arbeitsfragen des US-Außenministeriums, so mancher Textabschnitt war bereits im Vorjahresbericht enthalten und wird auch vermutlich in dem für den Sommer zu erwartenden Folgebericht wiederzufinden sein. Die deutsche Regierung habe weder eine Tendenz in Richtung einer Verbesserung noch in Richtung einer Verschlechterung bei der Achtung und dem Schutz des Rechts auf Religionsfreiheit gezeigt. “In einer zunehmend säkularen und pluralen Gesellschaft ist das Recht auf Religionsfreiheit nicht mehr selbstverständlich”, resümiert die Sozialethikerin Marianne Heimbach-Steins in einer Studie im Rahmen des Exzellenzclusters “Religion und Politik” der Universität Münster Ende letzten Jahres. Ähnlich äußerte sich UN-Sonderberichterstatter Heiner Bielefeldt: Es gebe Defizite bei der Religionsfreiheit in Deutschland. So unglücklich die aktuelle Debatte um eine “Katholikenphobie” (Kardinal Joachim Meisner Anfang Februar) begonnen hatte, ausgelöst durch neue Skandale in katholischen Krankenhäusern um die Abweisung von Vergewaltigungsopfern in Köln oder Regensburg und durch einen problematischen “Pogrom”-Vergleich von Erzbischof Gerhard Ludwig Müller – was ist dran an den Beobachtungen, auch gerade in Bezug auf Religionsgemeinschaften jenseits der beiden Amtskirchen?

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Veganismus ist keine Religion! Ein Essay über demokratische Kultur

Vor kurzem hatte ich Gelegenheit, REMID in einem Seminar der Friedens- und Konfliktforschung Marburgs vorzustellen. Und wiedermal wurde in der Diskussion die Frage von einem Seminarteilnehmer aufgeworfen, ob Veganismus eine Religion sei. Im Grunde genüge allein das “missionarische” Vorgehen einer Bewegung, um diese als “Religion” zu kategorisieren. Schließlich habe sich die Religionswissenschaft ja von der religiös motivierten Etymologie eines Laktanz, der “religio” als “Rückbindung an Gott” begriff, verabschiedet und setze nicht mehr auf essenzialistische Religionskonzepte, welche Religion allein von ihrem wie auch immer gearteten “Wesen” her bestimmen wollten (z.B. als Glauben an Höhere Wesen). Doch auch wenn REMID sicherlich diese kritische Wende unterstützt (die auch eine Absage an religiöse Deutungen von Religionen beinhaltet), auf unserer Statistik der Religionen und Weltanschauungen fehlen bislang Veganer (ungeprüft: zwischen 250 000 und 460 500 in Deutschland neben 5 Millionen Vegetariern) genauso wie der Deutsche Sportbund (27 Mio.) oder der ADAC (18 Mio. Mitglieder). Und das wird auch so bleiben. Es ist eher ein Armutszeugnis für eine demokratische Kultur, wenn ein rational argumentierender Versuch des Überzeugens (sicherlich mit einem weltanschaulichen moralischen Motiv, das im Einzelfall auch religiös begründet sein kann) durch eine solche Disqualifizierung seiner Motive und damit einer Absage an seine Berechtigung abgewehrt wird. Denn der “Vorwurf”, eine Religion zu sein, ist dann als Kontra-Argument gemeint.

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“Eine exorbitante Entwicklung rassistischer Angriffe”: Forschungsbericht zur Kontinuität und Aktualität einer Ideologie

“Hass hat Zukunft”, so ist der Aufmacher der Titelseite der Jüdischen Alllgemeinen vom 10. Januar 2013 überschrieben. Hannes Stein argumentiert, “Judenfeindschaft wird zunehmend salonfähig. Bald kann man sich auch wieder stolz dazu bekennen”. Jakob Augsteins Meinungen, für die ihm auf einer Liste der “zehn schlimmsten” Antisemiten des Jahres 2012 vom Simon-Wiesenthal-Zentrum in Los Angeles ein Platz zuteil wurde, werden laut Stein von der Mehrheit der Deutschen geteilt. “Hass hat Zukunft” gilt leider ebenso für rassistische Ressentiments. Mehr noch: Bezüglich Rassismus hat der Historiker Dr. Harry Waibel einen aktuellen Forschungsbericht vorgelegt, der aufzeigt, in welchen Dimensionen Rassismus in der Geschichte der beiden deutschen Republiken eine Rolle inne hatte. Die Opfer des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) sind zudem nur die bekanntesten Todesfälle mit rassistischen Hintergrund. REMID interviewte den Autoren zu seinem neuen Buch.

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Eine kleine Geschichte vom Sinn des Lebens

Im Jahre 1731 war es noch üblich, wie Franz Sebastian Nonhardt in seiner theologischen Abhandlung “Die Allzeit bestrittene, aber niemahlen überwältigte Wahrheit des Heil. Römischen, Catholisch-Apostolischen Glaubens” vorführt, eher davon zu sprechen, es seien “[d]ie Sinn des Lebens sehen / hören / kosten / fühlen / riechen alles Würckungen [Wirkungen]“, mit welchen Gott auf die Aktivitäten “in Nachstrebung nach dem jenigen / was die Seele will” antworte (S. 444). Schon einen Schritt weiter geht Angelo Paciuchelli in seinem “Sittlichen Diskurs” in der Übersetzung von Wunibald Reichenberger 1743. Angesichts der Vorstellung einer Verdunkelung der Welt im Moment des Sterbens Jesu am Kreuz greift der Tod um sich: “Es seyn tod alle Sinn, welche den Sinn des Lebens, und das Heyl eindrucken allen, die solche betrachten” (S. 617). Es wird sich zeigen, wie das 18. Jahrhundert an der christlich-religiösen Figur Jesus überhaupt die Idee eines Sinns des Lebens als einer Bestimmung entwickelt, um dann zu sehen, wie grob ein Jahrhundert später durch insbesondere Autoren wie Wilhelm Dilthey dieser zum allgemeinen Kernbegriff eines eben gerade nicht metaphysischen Selbstverständnisses des modernen Menschen transformiert wurde. Die Rolle seiner Ausgestaltung hängt dabei eng mit derjenigen der Geisteswissenschaften zusammen.

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