Gleichheitssatz und Religionsgemeinschaften: „Man fühlt sich anerkannt“

Schon vor einiger Zeit interviewten wir Dr. Georg Neureither zu Religion und Weltanschauung aus staatskirchenrechtlicher Perspektive und brachten von Dr. Arno Schilberg Religionsrecht und Religionspolitik im Umgang mit neuen religiösen Bewegungen. Um das Anliegen „Gleiche Rechte für alle Religionen und Weltanschauungen“ ging es im Interview mit Sven Speer vom Offenen Forum Religionspolitik. Dr. Jost.-B. Schrooten hat über „Gleichheitssatz und Religionsgemeinschaften: Die gleichheitsrechtliche Behandlung von Religionsgemeinschaften nach den Bestimmungen des Grundgesetzes, der EMRK und der EU-Grundrechte-Charta unter besonderer Berücksichtigung ihrer Organisationsformen“ an der rechtswissenschaftlichen Fakultät Münster promoviert. Der Klappentext verspricht „eine Antwort auf die durch zunehmende religiose Vielfalt immer dringlicher werdenden Fragen der gerechten Behandlung der Religionsgemeinschaften“. Für REMID genügend Gründe einmal nachzufragen.

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Von Geistern in Buenos Aires, Schlachthäusern in Istanbul bis ins deutsche Wohnzimmer: Das 2. Marburg International Ethnographic Film Festival

„Ästhetik – Fiktion – Realität. Grenzen und Möglichkeiten des ethnographischen Films in Wissenschaft und Filmpraxis“ – unter diesem Titel begleitete eine Podiumsdiskussion das diesjährige 2. Marburg International Ethnographic Film Festival. REMID interviewte zur studentisch initiierten Festivalreihe Laura Naumann, Studentin der Religionswissenschaft sowie Friedens- und Konfliktforschung in Marburg.

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Gleiche Rechte für alle Religionen und Weltanschauungen: Mit offener Religionspolitik kann Deutschland international zum Vorbild werden

Die Bahai-Gemeinde kann Körperschaft des Öffentlichen Rechts werden, das beschloss das Bundesverwaltungsgericht Ende 2012 in Leipzig: „Die absolute Zahl der Mitglieder oder das Verhältnis der Mitgliederzahl zur Bevölkerungszahl ist für sich allein regelmäßig nicht aussagekräftig für die Prognose, ob eine Religionsgemeinschaft dauerhaft bestehen wird. Die Bahá´i-Gemeinde in Deutschland besteht seit über 100 Jahren. Ihre Mitgliederzahl in Deutschland ist dabei langsam, aber konstant angestiegen.“ Im Juni 2013 erhält darauf die Ahmadiyya Muslim Jamaat als erste muslimische Gemeinde den Körperschaftsstatus. Ebenfalls im Juni beschloss das Verwaltungsgericht Arnsberg, der Hindu-Tempelverein in Hamm sei als Körperschaft anzuerkennen. Insofern ist es genau der richtige Zeitpunkt, sich über die Zukunft von Religionspolitik Gedanken zu machen. Dazu lud das Forum Offene Religionspolitik (FOR) vom 18.-20. Oktober in Gummersbach zu einer Tagung. REMID stellte vor Ort die religiöse Vielfalt Deutschlands vor. Aktuell folgt ein Interview mit FOR-Mitbegründer Sven Speer.

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Religiöse Erziehung im Islam: Gender-Perspektiven, Elternbilder und ethnischer Kontext in Deutschland und Ägypten

Unabhängig von Projekten für islamischen Religionsunterricht in bisher einzelnen Bundesländern (vgl. z.B. Artikel der ZEIT „Auf dem Weg zum deutschen ‚Staats-Islam'“), ob konfessionell als Bekenntnisunterweisung oder überkonfessionell als Religionskunde, bleiben bei Fragen der religiösen Erziehung die Eltern die erste Adresse. Insbesondere bei Migrantengruppen und hier wiederum im Speziellen beim Islam bestehen Vorurteile und Klischees über die Erziehung. Dabei ist diese weder notwendig religiös noch dann notwendig konservativ – etwa im Sinne der Religion betreffenden Skalen der jüngsten Studie des Innenministeriums über Lebenswelten junger Muslime. Über Erziehung im Islam in den Medien und in der Wirklichkeit, Unterschiede zwischen z.B. türkischen und arabischen Islamformen in Deutschland, Rollenbilder von Vater und Mutter sowie im Vergleich Familienplanung in Ägypten interviewte REMID Dr. Jeannette Spenlen vom Bonner Institut für Migration und interkulturelles Lernen (BIM).

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Von Jugend, Radikalisierung und „Sektenberatungen“ nicht nur im Islam – ein Déjà-Vu

Es war erst am 1. Dezember 2011, dass die Reformierten und Katholischen Zentralschweizer Kirchen und die Stadtmission die Aufhebung der Beratungsstelle Religiöse Sondergruppen und Sekten in der Schweiz beschlossen. Der Verein soll bis Ende Juni 2012 aufgelöst worden sein. Dazu heißt es im letzten Newsletter der kirchlichen Berater: „Heutige Menschen sind nicht weniger religiös als Menschen früherer Generationen. Sie machen sich einfach anders auf ihre persönliche Suche. Gefragt sind Angebote, die von Einzelpersonen angeboten werden oder solche, die mit wissenschaftlichem Anspruch in Erscheinung treten“. Also zum Beispiel REMID und für die Schweiz INFOREL. Auch dem „langjährigen Beauftragten für Sekten- und Weltanschauungsfragen“ der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), Pfarrer Thomas Gandow, wird kein Nachfolger bestellt. Bereits 2010 verlor, wie die TAZ schreibt, Ursula Caberta ihre Dienststelle Arbeitsgruppe Scientology für „Antisektenkampf in Hamburg“. Ein eher bissiges Porträt der Berliner Tageszeitung erläutert, „ihre Auskünfte gingen mehr und mehr in Scientology-Beschimpfungen über“. Ihre Mitarbeiter sollen sich bereits vor der Auflösung der Gruppe „anderweitig orientiert“ haben.
Nun reagiert Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime (ZMD) auf die aktuelle Studie des Innenministeriums über Einstellungen junger Muslime: „Ganz konkret fordern wir zum Beispiel Sektenbeauftragte für den Islam, die entsprechend ausgebildet sind. Wir wollen Scouts in den muslimischen Gemeinden einsetzen – zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung – die aufklären über die Ideologisierung von Religionen“. Ob religionswissenschaftliche Expertise nicht doch eher von Nöten wäre, soll folgende Betrachtung der Studie über junge Muslime sowie einer Broschüre der Amadeu Antonio Stiftung über den sogenannten Salafismus eruieren. Die Salafiyya bietet sich nämlich als Projektionsfläche dafür an, den (eigentlich christlichen) Anti-Sekten-Diskurs auf den Islam zu übertragen.

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