Psychodynamik verstehen: Auch „Sekten“ sind Religionen

Prof. Sebastian Murken war 1989 eines von sieben Gründungsmitgliedern des Religionswissenschaftlichen Medien- und Informationsdienstes REMID e.V. 1997 wurde er als Gutachter für die Enquete-Kommission “Sogenannte Sekten und Psychogruppen” des Deutschen Bundestages berufen (siehe Endbericht, 1998). Informationen zu seiner Arbeit finden sich seit einigen Tagen unter religionspsychologie.de. REMID interviewte ihn zu diesem Anlass über neue religiöse Bewegungen, den Sektenbegriff und psychotherapeutische Praxis für sogenannte “Aussteiger” (vgl. Zur Geschichte eines einstigen Modewortes).

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„Intensivgruppen“? Alter Wein in neuen Schläuchen

Der Begriff „Sekte“ ist diskriminierend und ohne wissenschaftliche Schärfe, da ihm – wenn überhaupt – zumeist Kriterien zugrunde gelegt werden, die gerade nicht distinktiv sind („charismatischer Führer“, „geschlossenes Weltbild“, „Bewusstseinskontrolle“; vgl. Artikel bzw. Interviews über religionsbezogene Diskriminierung, aktuelle Ansätze in der Erforschung von Religionen, Sekten-Macher und Berichterstattung über Religion). Nun ist es sehr verständlich, dass dennoch weiterhin ein Interesse besteht, sozusagen die „Guten“ von den „Schlechten“ zu sondieren. Jüngst veröffentlichte z.B. die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen ein neues Stichwort „Bewusstseinskontrolle“ von Michael Utsch, welches unter Rückgriff auf Hansjörg Hemminger (Grundwissen Religionspsychologie, Freiburg im Breisgau 2003, S. 228ff.) von „Intensivgruppen“ spricht. Woher stammt dieses Konzept „Intensivgruppen“? Eignet es sich als differenziertes methodisches Instrument?

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Von Paulus bis Scientology: Ein Buch über Sekten-Macher und neue religiöse Bewegungen

Die heutige religiöse Vielfalt und die sie kennzeichnenden gesellschaftlichen Debatten und Konflikte sind nicht angemessen zu verstehen ohne ein Hintergrundwissen der europäischen Geschichte der Religionen. Das betrifft die Sektendebatte (vgl. auch “In Sekten”? Religiöser Nonkonformismus als Auslöser kultureller Dynamik – aktuelle Ansätze in der Religionsforschung), die Auseinandersetzung mit neueren islamischen Bewegungen (vgl. Von Jugend, Radikalisierung und “Sektenberatungen” nicht nur im Islam – ein Déjà-Vu) wie auch die allgemeine Situation der Religionsfreiheit als Menschenrecht im Land (vgl. Religionsfreiheit hat in Deutschland keine Lobby). Zur „wunderbaren Welt der Sekten“, wie neue Religionen oft diskriminierend bezeichnet werden, interviewte REMID den Religionssoziologen Dr. Gerald Willms zu seinem neuen Buch, welches das Thema auch für den interessierten Laien verständlich aufbereitet.

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