Die Kopie ist das wahre Original: Aura-Kopierer, Religionswissenschaft, Falsifikation und Don Quijote

Nein, es geht nicht um die Missionierende Kirche der Kopimisten, einer kürzlich als Religion in Schweden anerkannten Gemeinschaft von Filesharern aus dem Umfeld der europäischen Piratenparteien mit auch ersten Anhängern in Deutschland. Ausgehend von einem „Verhängnis“ der Kunst, am treffendsten durch Walter Benjamins Aufsatz über einen „Verlust der Aura“ des „Kunstwerk[s] im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ (1935/6) auf den Punkt gebracht, gilt der erste Blick dem religiösen Urgrund der Original-Kopie-Unterscheidung bzw. seiner Konstruktion durch aufgeklärte moderne Autoren. Auch in der älteren (religionsphänomenologischen) Religionswissenschaft spielt diese Unterscheidung eine Rolle bzw. der Gedanke ihrer Überwindung. Doch ebenso für die neuere Religionswissenschaft dürfte – auf historischem und philologischen Gebiet – die Frage nach Kopie und Original noch nicht ganz vom Tisch sein. Im Grunde stehen nur Umgangsweisen zur Wahl, die jeweils den Religionswissenschaftler wie Don Quijote bei den Windmühlen erscheinen lassen: Es geht um Authentizität und Falsifikation.

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Von Chanology bis Pentabarf – wie halten Hacker es mit der Religion?

Die Welt der sogenannten Nerds war von Anfang an gekennzeichnet durch eine gewisse Affinität, sozusagen mittels einer Art Cyber-Platonismus die digitalen Welten zu bevölkern: Lässt man sich in einem Linux-System z.B. die aktuell laufenden Systemprozesse anzeigen, wimmelt es da von „Dämonen“ (disk and execution monitors), nicht nur „Trojaner“ verweisen auf Mythologien, die Programmiersprache „Bon“ wurde benannt nach dem „Gemurmel magischer Formeln“ der tibetischen Bön-Religion, und die Rede vom „Avatar“ als Bezeichnung für eine eigene Repräsentation an einem bestimmten digitalen Ort macht den Umgang mit dem Computer zu einem transzendenten Akt. Aber das ist nicht alles. Schon die ersten „Hacker“-Generationen entwickelten eigene Sinnkonzepte.

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