Der Salafismus und die dschihadistische Idee

Zuletzt war der Frage „Darf man den Islam kritisieren?“ nachgegangen worden. Angesichts des Erstarkens von Demonstrationen unter der Überschrift „Patriotische Europäers gegen die Islamisierung des Abendlands“, ging es also darum, inwiefern islambezogene Diskriminierung („Islamophobie“) als gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit bestimmt werden kann, welche Ungleichgewichte die Argumentationsfigur haben kann, die religiöse Gewalt zu einem besonderen Problem des Islams machen möchte, einschließlich der Gefahr, den Islam zu essenzialisieren, also einen bestimmten Kern auszumachen, ein Wesen des Islam. Aktuell angesichts der Pariser Anschläge wurde auch neben ausgewählten Interviews mit Islam- und Religionswissenschaftlern und Hintergrundartikeln zu Islam oder Salafismus ein Text von 2011 „Was ist eigentlich christlich?“ in die Leseempfehlungen zu den Terrorakten in Frankreich beigefügt. Auch damals ging es gegen Essenzialisierung, eben des Christentums. Anlass waren Anders Behring Breiviks Anschläge in Norwegen und die damals häufige Formulierung, das habe „nichts mit Christentum“ zu tun. Zugleich gibt es nichts zu relativieren.

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Boko Haram – neue Semantiken im Spiegel ihrer Mediendeutungen

Die Worte „Boko Haram“ tauchen seit einiger Zeit in den Medien auf, am 27. Juni ging es um „Anschläge auf Bierlokale in Nigeria“, am 12. Juli darum, dass eine Universität „aus Angst vor den Islamisten“ schließe. Beide Meldungen stammen von der Agentur DPA, die „Anschläge“ zusätzlich von Reuters, bei Googe-News druckten diese 167 Medien ab, die andere Meldung nur 16. Bei der taz gab es schließlich am 20. Juli einen zusammenfassenden Artikel, der mit einer möglichen Übersetzung der Worte betitelt war: „Westliche Bildung ist Sünde“. Wikipedia kennt noch weitere Übersetzungsvorschläge für den ehemaligen Titel der „Organisation der Anhänger der Lehren des Propheten Mohammed und die Meister des Islams und der Heiligen Kriege“: am 27. Juli 2009 D. Johnson ebenfalls in der taz: „Bücher sind Sünde“, in der BBC einen Tag zuvor: „In the local Hausa language Boko Haram means ‚Western education prohibited'“, am 13. Juli 2010 auf der Webpräsenz der Tagesschau: „Die moderne Erziehung ist eine Sünde“. Doch worum geht es denn nun?

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