Religion & Medizin: Ein Gespräch über Heil- und Heilungskonzepte zwischen den Disziplinen

Für gewöhnlich gehen viele davon aus, dass „Religion“ und „Medizin“ zwei völlig abgetrennte und verschiedene Bereiche des Lebens ansprechen. Dabei ist vielleicht zunächst überraschend, dass die monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam mit der antiken Philosophie auch das Corpus Hippocraticum teilten und dass es auch in diesen Religionen überschneidende Zuständigkeiten von religiösen und medizinischen Experten gab und teilweise gibt, dass es also nicht allein die asiatischen, afrikanischen, ozeanischen und altamerikanischen Überlieferungen sind, denen eine potenzielle „Ganzheitlichkeit“ zugeschrieben wird – und dass trotzdem die unmittelbareren Nachbarn im Medium hippokratischer Medizin verständlich blieben. Im Gespräch mit Christoph Wagenseil von REMID versucht Dr. Jürgen Dollmann, Mediziner und Religionswissenschaftler (Heidelberg), die mit den Disziplinen verbundenen Perspektiven zu verbinden. Neben Evidenz, Seelentheorien, den Potenzialen von Komplementärmedizin, Ethik in der religionswissenschaftlichen Feldforschung, kognitionswissenschaftlichen Ansätze und seelischer Chirurgie geht es dabei auch um Eindrücke vom Jahrestreffen des Arbeitkreises „Religion & Medizin“ in der Deutschen Vereinigung für Religionswissenschaft.

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Buddhas Drittes Auge – Populäre religionsgeschichtliche Irrtümer von A bis Z

kamakura-daibutsu-06 Während beim allerersten A-Z hier im Blog „Religion und Vorurteil von A bis Z“ beleuchtet wurde, geht es heute um religionsgeschichtliche Irrtümer. Manches, was religionswissenschaftlich betrachtet nichts anderes darstellt als eine Fehleinschätzung historischer Zusammenhänge, einen Irrtum, ist heutzutage gleichsam eine eigene Deutungstradition geworden – allerdings eine, die man selbst als „religiös“ bzw. „esoterisch“ bezeichnen muss. Zugleich sollte nicht ausschließlich im Fokus stehen, dass hier für eine historisch-kritische Perspektive zu kreativ mit der Vergangenheit umgegangen wird (vgl. auch Die Kopie ist das wahre Original: Aura-Kopierer, Religionswissenschaft, Falsifikation und Don Quijote). Das Mythos-Werden bzw. Religion-Werden von etwas zunächst Fiktivem war auf seine Weise ja auch bereits beim Cthulu-Thema angesprochen worden (vgl. Lovecraft goes Magick: Cthulhus Ruf in Phantastik und (neuer) Religion). Sieben populäre Irrtümer über Religionsgeschichtliches werden im Folgenden vorgestellt.

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Übersetzer als Konquistadoren. Eine Geschichte der „Eroberung“ heiliger Texte durch den Westen

So wie viele historische Irrtümer über Andersgläubige oder „fremde Kulturen“ häufig auf Unkenntnis oder irrtümlicher Kenntnis beruhen, existieren heute insofern falsche Einschätzungen vergangener Kulturepochen und ihrer Konfliktlagen, als dass der Weg der Kunde in den Westen nicht geläufig ist. Die Geschichte erster Beschreibungen und früher Übersetzungen z.B. nicht-christlicher heiliger Texte eröffnet dabei einen anderen Blick sowohl auf die für eine Globalisierung bedeutsame philologische Aufarbeitung dieser Wissensbestände durch die „westlichen Kulturen“ (vgl. aber auch Interview zum Eurozentrismus) als auch auf diejenigen Transformationsprozesse, welche durch diese sozusagen „geistige Eroberung“ des Fremden allmählich in Gang gebracht worden sind.

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