Konfessioneller Religionsunterricht unter Druck – Eine Chance für ein Alternativfach?

Der Fachverband Werte und Normen in Niedersachsen e.V. „verfolgt den allgemeinen Zweck, philosophische, gesellschaftswissenschaftliche und religionskundliche Bildung zu fördern, die auf den Wertmaßstäben und Normen des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland basiert“ (Satzung, Version von 1995). In der Ausgabe 2/2015 erörtert Prof. Dr. Dr. Peter Antes die Frage, inwiefern die dargelegte These, dass das Modell des konfessionellen Religionsunterrichtes „unter Druck“ sei, eine „Chance für ein Alternativfach“ bedeute. Der Autor ist emeritierter Professor der Religionswissenschaft (Hannover), wissenschaftlicher Beirat von REMID und hat den Eröffnungsvortrag auf unserer 25-Jahre-Jubiläumstagung 2014 mit dem Thema „Religionsfreiheit“ gehalten (vgl. Die Sache mit der Religionsfreiheit. 25 Jahre REMID: Bericht zur Jubiläumstagung). Zum Thema Religionsunterricht hat REMID 2006 in Marburg die Tagung „Religionen in der Schule“ veranstaltet, die verschiedenen Realisierungen von Religionsunterrichtsmodellen in den Bundesländern Deutschlands zusammengestellt (Stand 2011) und zuletzt Christina Wöstemeyer für eine von den „Säkularen Grünen“ organisierte Diskussionsrunde „Religionsunterricht vs. Religionskundeunterricht: Gehört konfessioneller Unterricht an die Schule?“ vermittelt (Mai 2015). Lesen Sie nun den Artikel von Peter Antes als Gastbeitrag im REMID-Blog – mit freundlicher Genehmigung des Autoren und des Fachverbandes Werte und Normen in Niedersachsen.

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Darf man den Islam kritisieren?

Eher bürgerlich und schlicht wirken die beiden. Kathrin Oertel und René Jahn geben dem Mitteldeutschen Rundfunk als Pediga-Anhänger („Patriotische Europäer gegen Islamisierung des Abendlandes“) ein Interview. Ihre Antworten vermischen Asylfragen mit Ängsten vor „dem“ Islam (etwa verweist Frau Oertel auf Südfrankreich: dort gebe es inzwischen mehr Moscheen als Kirchen). Während hier bei den erschreckend zahlreich gewordenen Anti-Islam-Demonstrationen diffuse Ängste dominieren, bemühen sich andere um eine „sachgerechte Islamdebatte“ – so ein Bericht über eine Konferenz „Menschenrechte statt Scharia“ in der aktuellen MIZ (Nr. 3/14, S. 19f.), herausgegeben vom Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten. Die Medien würden Islamkritik „einseitig als thematisches Stammgebiet rechtspopulistischer Kräfte darstellen“. Doch auch der auf der Konferenz beschlossene „Wiener Appell“ (man googele selbst) „[g]egen die Ausbreitung islamischer Herrschaftskultur in Europa“ hat mit der „Bürgerbewegung Pax Europa“ mindestens einen rechtspopulistischen Unterzeichner (Version November 2014), der über eine „schleichende Islamisierung“ Europas aufklären will und als „islamfeindlich“ gilt. [Nachtrag 10. Mai 2015: Der MIZ-Bericht aus der Rubrik „Zündfunke“ erwähnt zwar diesen Appell, allerdings nicht dessen Unterzeichner und Überschrift]. Wann handelt es sich um Islamhass, wann um eine am Islam spezifizierte Religionskritik, die – würde man sie verbieten – tatsächlich als ein „Ende der Aufklärung“ verstanden werden müsste?

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„Le Christianisme c’est le Communisme“: Sozialismus und Okkultismus im Frankreich des 19. Jahrhunderts

Frühe „utopische“, „sozialromantische“, „neuchristliche“ Sozialismen im Frankreich des 19. Jahrhunderts sind ein bisher von der historischen Forschung stiefmütterlich behandeltes Thema. Zugleich geht es im folgenden Interview – und auf den Gegenstand bezogen spätestens ab dem historischen Wendepunkt der Machtübernahme durch Napoleon III. 1851 – um die Vorgeschichte dessen, was man gemeinhin „modernen Okkultismus“ zu nennen pflegt. REMID interviewte Julian Strube (vgl. auch das Interview zum esoterischen Neonazismus der Gegenwart) über sein Dissertationsprojekt.

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Gott in Frankreich: Ein Fall von bedingter Religionsfreiheit

Neu erschienen ist ein Bericht zur Religionsfreiheit nicht nur von Christen im Auftrag von Deutscher Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche Deutschlands. Dazu heißt es in der Süddeutschen: „Seit 2007 hätten ‘Verletzungen des Rechts auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit beständig zugenommen’ […], ob durch staatliche Gesetze oder durch soziale Anfeindungen, die der Staat nicht unterbindet. Dies betreffe alle Religionen auf allen Kontinenten, am meisten betroffen seien jedoch Christen und Muslime. […] Ausdrücklich beschränkt der Bericht sich nicht allein auf die Christenverfolgung, er vermeidet auch Begriffe wie ‘Märtyrer’ oder ‘Glaubenszeugen’” (Artikel vom 1. Juli, man vgl. unsere Karte zur Religionsfreiheit nach dem Amnesty International Report 2012). Dabei sollten auch (west)europäische Länder berücksichtigt werden – sicherlich in Abstufung der jeweiligen Einschränkungen der Religionsfreiheit, aber auch ohne verharmlosend diese Diskriminierungen zu relativieren. REMID interviewte die Religionswissenschaftlerin und Soziologin Christiane Königstedt (Universität Leipzig, Graduiertenkolleg Religiöser Nonkonformismus und Kulturelle Dynamik) zur Situation in Frankreich.

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