Hexe und Gender: Eine Transformationsgeschichte der Diskriminierungsfigur des Ketzers

Heute geht es nicht um moderne Wicca, welche eine neue Hexenreligion leben (vgl. aber das Interview mit Dr. Marion Näser-Lather über Wicca: eine performative “Naturreligion” und die (re)konstruierte Tradition). Im Interview mit Kristina Göthling (Religionswissenschaft Bochum) steht die europäische Hexenverfolgung der frühen Neuzeit Mitteleuropas im Mittelpunkt des Interesses. Bei diesem Streifzug durch die europäische Geschichte stehen weniger mittelalterliche oder frühneuzeitliche Konzepte von „Magie“ bzw. magische Praxis zur Debatte, sondern Aspekte der Stereotypisierung, der Transformationen von Diskriminierungsfiguren wie des Ketzers und der Hexe und der Umwertung in späteren romantischen oder zeitgenössischen Diskursen.

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Von Paulus bis Scientology: Ein Buch über Sekten-Macher und neue religiöse Bewegungen

Die heutige religiöse Vielfalt und die sie kennzeichnenden gesellschaftlichen Debatten und Konflikte sind nicht angemessen zu verstehen ohne ein Hintergrundwissen der europäischen Geschichte der Religionen. Das betrifft die Sektendebatte (vgl. auch “In Sekten”? Religiöser Nonkonformismus als Auslöser kultureller Dynamik – aktuelle Ansätze in der Religionsforschung), die Auseinandersetzung mit neueren islamischen Bewegungen (vgl. Von Jugend, Radikalisierung und “Sektenberatungen” nicht nur im Islam – ein Déjà-Vu) wie auch die allgemeine Situation der Religionsfreiheit als Menschenrecht im Land (vgl. Religionsfreiheit hat in Deutschland keine Lobby). Zur „wunderbaren Welt der Sekten“, wie neue Religionen oft diskriminierend bezeichnet werden, interviewte REMID den Religionssoziologen Dr. Gerald Willms zu seinem neuen Buch, welches das Thema auch für den interessierten Laien verständlich aufbereitet.

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Wessen Geistes Kind? Neue Religionen, alte Traditionen und die Crux des Systematikers

Es war ausgerechnet ein Gewaltverbrechen, welches letztes Jahr in den Medien vorübergehend die Frage virulent machte, was eigentlich christlich sei – also z.B. ob die neue christliche Kirche, welche ein Anders Behring Breivik in seinem Manifest einfordert, tatsächlich als eine neue Form von Christentum zu werten sei (vgl. Blogartikel „Was ist eigentlich christlich? Neue Antworten auf eine alte Frage“). Allgemein gültiger waren die dabei zitierten Aussagen eines ökumenischen Impulsreferates: „Das Christentum kann immer nur von einem konfessionellen Standpunkt aus beschrieben werden (als katholisch, protestantisch, lutherisch, calvinistisch, orthodox, freikirchlich …)“; „es gibt nicht ein einziges ’spezifisches‘ Merkmal des Christentums“. Das Problem der Einteilung, unterdrückt man nicht gänzlich den Willen zur Systematisierung, stellt sich genau genommen bei jeder Neuen Religion. Der neutrale Religionswissenschaftler hat es dabei noch schwerer als solche, die „spezifische“ (wesentliche) Merkmale einer Weltreligion zu kennen glauben.

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