Säfte und Kräfte – Ansätze zu einer Religionsgeschichte der Körperflüssigkeiten

Nicht nur Blut ist ein ganz besonderer Saft. Viel zu selten bislang wurde im REMID-Blog ein tatsächlich allgemein vergleichender Ansatz vorgestellt, abgesehen von etwa dem Interview mit Prof. Dr. Peter J. Bräunlein über „Christliche Körper in Ost und West. Eine Religionsgeschichte des Schmerzes„. Das hängt auch mit grundsätzlicher Kritik an der für Vergleiche benötigten Phänomenologie zusammen (vgl. das Interview mit Steffen Führding: Mit Religion provozieren: Nach Russell T. McCutcheon radikaler Perspektivwechsel notwendig). Sicherlich, das Problem der Vergleichbarkeit wird auch hier am Rande gestreift, etwa wenn später über eine hinduistische „Dämonin“ gesprochen werden wird (vgl. Religion und Vorurteil von A bis Z sowie Quo vadis, domine? Eurozentrismus(kritik) in der Religionswissenschaft; auch die meisten reformhinduistischen deutschen Texte erläutern die weibliche Asura namens Putana als „Dämonin“, etwa der Wiki des Verbandes Yoga Vidya oder ISKCON-Begründer A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada in seinem Werk „Die Transzendentalen Spiele Sri Krishnas“). Doch es wäre ebenso problematisch, deswegen grundsätzlich auf Arbeiten wie diejenige von Gerrit Lange (Religionswissenschaft Marburg) zu verzichten. REMID interviewte ihn zu seiner Master-Arbeit, welche Ansätze zu einer Religionsgeschichte der Körperflüssigkeiten entwickelt – mit besonderem Blick auf altindische Mythen.

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Religionsfreiheit und religiöse Vielfalt 2014: Indikatoren und Berichte

„In Herford entlud sich die Gewalt zwischen Jesiden und Sympathisanten radikaler Islamisten“, hieß es am 7. August in der „Welt“ (vgl. unsere Kurzinformation Yeziden sowie zur aktuellen Situation den „[d]ringende[n] Appell zum Schutz der kurdischen Yeziden im Irak“ der Gesellschaft für bedrohte Völker, der Kurdischen Gemeinde Deutschlands und des Zentralrats der Yeziden vom 4. August). Die aktuelle Krise der Religionsfreiheit im Irak ist längst in Deutschland angekommen. Das zur Denunziation und Drohung an Häusern von Christen angebrachte arabische Nun wurde zum Solidaritätszeichen, das online aktuell auf Webseiten oder als Profilbild von Twitter-Accounts (darunter auch Kirchen) zu finden ist. Doch wie sieht es aktuell global überhaupt mit Religionsfreiheit aus?

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Beispiele für angewandte Religionswissenschaft? Internationale Zugänge zur Dialogforschung

Das internationale Forschungsprojekt „Religion and Dialogue in Modern Societies“ (ReDi), angesiedelt unter anderem an der ‚Akademie der Weltreligionen der Universität Hamburg‘, reagiert angesichts einer multireligiösen Gesellschaft auf das Desiderat einer wissenschaftlichen Dialogforschung. Durch die Erforschung des komplexen Phänomens religiöser Begegnungen sollen so Möglichkeiten eröffnet werden, eine offene und friedliche Gesellschaft zu erschaffen, die in Theologie und Praxis die Religionsvielfalt explizit mit einbezieht (vgl. Darstellung der Akademie der Weltreligionen). Unterstützung findet dieses Projekt dabei vom Bundesministerium für Bildung und Forschung innerhalb 2013 und 2018 mit einer Fördersumme von 3,1 Millionen Euro (ebd.). Im Rahmen zweier Konferenzen im Vorfeld des internationalen Projektes entstand dabei das Konzept des nun Anfang 2014 erschienenen Buches „Religion and Dialogue – International Approaches„, dessen Beiträge größtenteils von Konferenzteilnehmenden und -Referent_innen stammen (hrsg. von Wolfram Weisse, Katajun Amirpur, Anna Körns und Dörthe Vieregge; Münster: Waxmann Verlag 2014, S 9 [= R&D]). Diesen widmet sich der aktuelle Gastbeitrag von Friedemann Rimbach-Sator.

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Homosexualität in den Religionsgemeinschaften Deutschlands

Homosexualität und Religion sind nicht notwendig ein Gegensatz. Die hier im Folgenden zusammengestellten Erklärungen und Positionen zu alternativen Formen der Sexualität aus unterschiedlichen religiösen Strömungen Deutschlands zeigen eine Breite an möglichen Einstellungen. Allerdings gilt eine „fundamentalistische Religiosität“ als einer von drei Faktoren für Homophobie, so Dr. Ulrich Klocke, Sozialpsychologe an der HU Berlin und Diskriminierungsforscher, in der Zeit am 10. Feb. 2014. Er ergänzt, dass laut einer Studie besonders Menschen, die Homosexualität aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen ablehnen, ihre Einstellung bei persönlichem Kontakt zu Homosexuellen überdenken (Cunningham & Melton, 2013). Folgende Zusammenstellung ist bemüht, offizielle Erklärungen im Auszug abzudrucken. Nur in Ausnahmefällen wurden Sekundärquellen herangezogen. Sollte durch Auslassung ein Zitat Ihrer Ansicht nach verfälscht worden sein, bitten wir von REMID um einen entsprechenden Kommentar.

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Caitanyas Erbe: Heterogenität und Mitgliederfluktuation in der Hare Krishna Bewegung

473px-Chaitanya-Mahabrabhu-at-JagannathREMID interviewte Ben Heimann (Universität Münster) zu reformhinduistischen Bewegungen, Hinduismus in Deutschland und Vielfalt in der Hare Krishna Bewegung.

Abbildung: Caitanya Mahaprabhu, Fotographie eines Gemäldes von ca. 1900.

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Generationen in Konflikt und Wechsel: Von „Jugendsekten“ zur „Gemeinde 2.0“

Karl Mannheim übertrug 1928 das kunstepochale Verständnis von Bewegungen, wie es spätestens seit „Sturm & Drang“ und der Romantik Gang und Gebe wurde, auf den Begriff der „Generationen“. Inhalte und historische Ereignisse sollten es nun sein, welche ein Generationsgefüge bestimmen. Bis dahin waren „Generationen“ lediglich statistisch relevante Einheiten von zumeist 30 Jahren. Auch für die Religionswissenschaft ist dieser Begriff von Relevanz geworden, etwa dadurch dass es gerade der gelungene Generationswechsel sei, welcher zum wichtigen Indiz dafür wird, dass eine Neue Religion sich verfestigt bzw. etabliert. Dieser Generationsbegriff hat einige Konsequenzen nicht nur für Debatten um sogenannte „Sekten“.

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Umgang mit anderen Religionen: Russen dürfen weiter Bhagavadgita lesen

Dass Neue Religiöse Bewegungen es in manchen Ländern schwer haben, ist nicht nur am Beispiel Italien zu sehen, wo eine Liste mit 650 vermeintlich „satanischen“ Gruppen mediale Aufmerksamkeit erzeugt (vgl. Artikel „Des Teufels Netz„). Auch in Russland besteht ein schlechtes Klima für Neue Religionen. Deren angeblich 600.000 bis 800.000 Anhänger erleben ähnliche Stigmatisierungen wie in der vergleichbaren sogenannten „Sektendebatte“ im Deutschland der 1980er und 1990er Jahre vor dem Beschluss der Enquete-Kommission des Bundestages 1998: Die Bhagavadgita der Hare-Krishna-Bewegung (ISKCON) wäre beinahe indiziert worden, nachdem bereits die Schriften des Scientology-Begründers L. Ron Hubbard sowie „68 Publikationen der Zeugen Jehovas und 15 Werke des verstorbenen islamischen Theologen Said Nursi“ als „extremistisch“ eingestuft worden sind.

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Globale Gurus: Indische Religionen auf Welttournee

Vielen Menschen ist heute vertrauter, dass „Hinduismus“ ein Sammelbegriff ist, hinter dem sich eine Vielzahl von Religionen verbirgt. Bewegungen wie die Hare Krishnas haben einen indischen Hintergrund, agieren aber international, auch in Deutschland. Die Frage, ob bzw. inwieweit und aus welcher Perspektive letztgenannte z.B. „hinduistisch“ sind, lässt sich gar nicht so einfach beantworten. Wir haben zu aktuellen Entwicklungen um globale Gurus und indische Religiosität Prof. Dr. Frank Neubert (Religionswissenschaft in Bern) befragt. Von ihm ist bei REMID die Studie „Krishnabewusstsein. Die International Society for Krishna Consciousness (ISKCON) – ‚Hare-Krishna-Bewegung‘“ mit Unterstützung des Sonderforschungsbereiches Ritualdynamik der Universität Heidelberg erschienen. Seine aktuellen Arbeiten beschäftigen sich neben vielem anderen mit Neuformierung von Religion in der Gegenwart und „Global Hinduism“.

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