„Wenn es wirklich eine fünfte Grundkraft gäbe, sähe unsere Welt vollkommen anders aus“

„Würde der homöopathische Wirkmechanismus funktionieren“, überlegt Vince Ebert aktuell im „Spektrum der Wissenschaft“ unter dem Titel „Alternative Medizin: Das Wunder der Homöopathie“ (10. Dez. 2016), „so stünde dieser im Widerspruch zu einer Vielzahl von fundamentalen physikalischen und biochemischen Naturgesetzen. Allein die Existenz eines Wassergedächtnisses und einer ‚geistartigen Kraft‘ hätte eine fünfte – bisher vollkommen unbekannte – physikalische Grundkraft zur Folge“. Ebert macht daraus ein Argument gegen die Homöopathie: „Wenn es wirklich eine fünfte Grundkraft gäbe, sähe unsere Welt vollkommen anders aus. Sie würde nach komplett anderen Naturgesetzen funktionieren, die man dann auch in vielen anderen Bereichen beobachten würde. Und weil das eben nicht der Fall ist, existiert der postulierte Mechanismus der Homöopathie nicht“. Dabei kommt es regelmäßig in der Physik vor, dass über die Möglichkeit einer fünften Grundkraft nachgedacht wird, wenn auch z.B. eher in der Art, „dass hinter den Unregelmäßigkeiten in den Daten des Experiments ein sogenanntes protophobes X-Boson steckt, das – so glauben die Physiker weiter – eine bisher unbekannte nur sehr lokal wirkende Kraft überträgt“ („Physiker finden Hinweise auf fünfte Grundkraft der Natur“, Der Standard, 27. Mai 2016).

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Esoterik und (Tier-)Heilpraktiker: Mindmap zu (telepathischer) Tierkommunikation

Esoterik ist ein schwieriger Sammelbegriff (vgl. Esoterik: Ein ungewolltes Kind von Reformation, Aufklärung und Kolonialismus? sowie unsere Kurzinformation). Er dürfte auch für Religions-wissenschaftler_innen immer wichtiger werden: Zwar etablierte sich in Deutschland eine religiöse Vielfalt (vgl. unsere Statistik), doch die Zeiten starken Zustroms zu einzelnen Neureligionen – so wie das im 20. Jahrhundert für die Neuapostolische Kirche (2012: 350.374 Mitglieder), Jehovas Zeugen (2012: 167.107) und die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen; 2013: 38.739) zutraf – scheinen passé, die Tendenz geht zu Kleinstgruppen, loseren Assoziationen unterhalb des Vereins und zu einer gesteigerten Marktförmigkeit, insofern weniger Mitgliedschaften entscheiden, sondern Seminare, Workshops, Initiationen (letztere stammen insbesondere aus reformhinduistischen und westlich-hermetischen Kontexten und sind dort mit formalen Mitgliedschaften verquickt). Dagegen gibt es seit 2005 einen sogenannten „Esoterik-Boom“. Wie lässt sich hier ein Überblick gewinnen? Mit Hilfe des Mindmap-Tools bubbl.us sei ein Zugriff versucht – ausgehend vom Stichwort (telepathische) Tierkommunikation.

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Die Geister, das Klima und die Börse: Wird „Skeptiker“ doppeldeutig?

Ursprünglich bezeichnete der Begriff „Skeptiker“ den Zugehörigen einer philosophischen Schule. Sicherlich ging es auch damals bereits um Skepsis an „metaphysischen“ Aussagen. Der moderne Skeptiker jedoch ist abhängig von einem Konzept der „Säkularität„, von einem Selbstverständnis als „aufgeklärt“ in Verbindung etwa mit einem naturwissenschaftlich fundierten materialistischen Monismus. Entsprechend versteht sich die „Skeptikerbewegung“ mit ihrer Kritik an z.B. „paranormalen“, „magischen“ Praktiken, Vorstellungen, Fähigkeiten etc. als Fortsetzung der Aufklärung. Demgegenüber macht sich ein neuer „Skeptiker“-Begriff breit. Zweifel werden hier fundiert mittels komplexer Verschwörungstheorien (wahlweise: Netzwerkanalysen). Gegenstände der Kritik sind auf der einen (rechteren?) Seite das Klima, der Euro etc. Auf der anderen Seite sind es aber auch die Börse und die Verteidigung von Datenschutz, Menschenrechten und Demokratie.

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Trendreport: Pluralisierung und Newcomer bei den Religionen und Weltanschauungen in Deutschland

Die Statistik von REMID liefert seit dem Ende der 1990er Jahre detaillierte Angaben zu Religionen in Deutschland. Zunächst ging es darum, bisherige Statistiken dahingehend zu korrigieren, dass längst ein Abbild der Religionen aller Welt im Kleinen auch den gegenwärtigen Pluralismus in Deutschland prägt. Nicht nur der Islam, auch Buddhismus und Hinduismus gehören zu Deutschland. Ebenso ging es darum, Neue Religionen als solche ernstzunehmen, aber auch gesellschaftlichen Tendenzen entgegenzuwirken, welche mit viel zu hohen Schätzungen der Mitglieder sogenannter „Sekten und Psychogruppen“ Panikmache betrieben (in den 1990ern wurde etwa von manchen Diskursteilnehmern suggeriert, es gäbe 300.000 Scientologen im Lande). Erst 2012 wurde allerdings der Bereich der Weltanschauungen hinzugenommen, auch als Reaktion auf die Gründung des Koordinierungsrat säkularer Organisationen (KORSO). Allerdings wurden auch andere Bereiche (z.B. Esoterik) erweitert. Welche Trends oder Tendenzen lassen sich herausarbeiten?

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Zwischen den Stühlen – ein Gespräch über Magie

Der Diplominformatiker und Religionswissenschaftler Daniel Böttger arbeitet an religionspsychologischen Fragestellungen (siehe z.B. „Intersubjektivität von Tranceerleben durch religiös-rituelle Körperhaltungen“ in der Zeitschrift für junge Religionswissenschaft). Schon in einem zu Studienzeiten studentisch von ihm mit organisierten Seminar „Von Arktische Religion bis Zigarrenzauber“ (2006) lag der Fokus auf „ungewöhnliche[n] Themen der Religionswissenschaft“. Konkret geht es darum, mit Methoden der empirischen Psychologie religiöse Phänomene zu untersuchen. Dabei kann es sich um die Neurologie des Mantra-Singens handeln (To say „Krishna“ is to smile, Ritual Dynamics Konferenz 2008; neben dem Paper gibt es eine Videopublikation) oder um die Psychologie des Glaubenzweifelns. Wir haben ihn zum Thema Magie bzw. Glauben an übersinnliche oder paranormale Fähigkeiten oder Erfahrungen interviewt.

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