Moral Cities: Religious Belonging and Cohabitation in Urban Spaces. Report from the 2017 German Anthropological Association conference

How do religious subjects, groups, practices and ideas shape and affect the urban spaces of cities like Berlin and Istanbul? How do religious actors establish relations of belonging? How do they constitute themselves as social, moral, and individual subjects? What happens to religious buildings and devotional objects when they are abandoned and/or appropriated by different religious and/or secular actors? How can we study these phenomena from an anthropological perspective? Under the moderation of Hansjörg Dilger (Freie Universität Berlin), the plenary session “Moral Cities: Religious Belonging and Cohabitation in Urban Spaces” explored the complex entanglements of religion and urban space at the 2017 German Anthropological Association conference which took place at Freie Universität Berlin from October 4-7 and focused on the overall topic of “Belonging: Affective, Moral, and Political Practices in an Interconnected World.” The four panelists – Birgit Meyer (Utrecht University), Werner Schiffauer (Europa-Universität Viadrina), and Omar Kasmani and Dominik Mattes (both Freie Universität Berlin) – focused each on specific aspects of the plenary session and highlighted the multiple ways in which urban space is shaped by religion – and how it simultaneously transforms religious ideas, practices, and materialities in a globalizing world.

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Trendreport 2017: Migration, Rezession, „Regression“ und Ressentiment

Es ist jetzt vier Jahre her, dass zuletzt ein sogenannter „Trendreport“ auf dem REMID-Blog erschienen war (vgl. Trendreport 2013). Was ergibt ein Blick auf die „geistige Situation der Zeit“ – Untertitel von „Die große Regression“ (hrsg. von Heinrich Geiselberger, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2017) mit Bezug auf das Werk „Die geistige Situation der Zeit“ des Philosophen und Psychiaters Karl Jaspers von 1932 sowie auf die (ökonomische) Rede von einer „Großen Rezession“ seit 2008 (vgl. dazu insbesondere den Beitrag von César Rendueles, S. 233-252)? Kann sich ein „Trendreport“ überhaupt noch mit einer lediglich nationalen Perspektive – also auf das Religions- und Weltanschauungsgeschehen Deutschlands – begnügen?

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Religionen und fairer Handel: Interreligiöser Dialog, Islam und Gerechtigkeit

Themen wie Umweltschutz oder Pflege nehmen bei Religionsgemeinschaften oft mehr Raum ein als theologische Debatten, so Maria Mahler im diesseits-Interview über 25 Jahre REMID. Ein solches Thema ist sicherlich auch der faire Handel. Die Dialogforschung innerhalb der Religionswissenschaft scheint diese relativ neue Erscheinung auf dem Feld interreligiöser Beziehungen zwischen Religionsgemeinschaften noch nicht für sich entdeckt zu haben (wohl aber die Einstellungsforschung mit Bezug zu Nachhaltigkeits- oder Tierrechtskonzepten; man vgl. auch Beispiele für angewandte Religionswissenschaft? Internationale Zugänge zur Dialogforschung). In Kassel fand nun am 7. Februar ein „Studientag zu gerechtem Wirtschaften“ statt: „Christentum und Islam – gemeinsam unterwegs zu Fairem Handel(n)“. Der Tag war eine Kooperationsveranstaltung von Islamische Informations- und Serviceleistungen e.V. (IIS), dem Zentrum Ökumene der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau, dem Entwicklungspolitischen Netzwerk Hessen e.V. und Hima e.V.

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Darf man den Islam kritisieren?

Eher bürgerlich und schlicht wirken die beiden. Kathrin Oertel und René Jahn geben dem Mitteldeutschen Rundfunk als Pediga-Anhänger („Patriotische Europäer gegen Islamisierung des Abendlandes“) ein Interview. Ihre Antworten vermischen Asylfragen mit Ängsten vor „dem“ Islam (etwa verweist Frau Oertel auf Südfrankreich: dort gebe es inzwischen mehr Moscheen als Kirchen). Während hier bei den erschreckend zahlreich gewordenen Anti-Islam-Demonstrationen diffuse Ängste dominieren, bemühen sich andere um eine „sachgerechte Islamdebatte“ – so ein Bericht über eine Konferenz „Menschenrechte statt Scharia“ in der aktuellen MIZ (Nr. 3/14, S. 19f.), herausgegeben vom Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten. Die Medien würden Islamkritik „einseitig als thematisches Stammgebiet rechtspopulistischer Kräfte darstellen“. Doch auch der auf der Konferenz beschlossene „Wiener Appell“ (man googele selbst) „[g]egen die Ausbreitung islamischer Herrschaftskultur in Europa“ hat mit der „Bürgerbewegung Pax Europa“ mindestens einen rechtspopulistischen Unterzeichner (Version November 2014), der über eine „schleichende Islamisierung“ Europas aufklären will und als „islamfeindlich“ gilt. [Nachtrag 10. Mai 2015: Der MIZ-Bericht aus der Rubrik „Zündfunke“ erwähnt zwar diesen Appell, allerdings nicht dessen Unterzeichner und Überschrift]. Wann handelt es sich um Islamhass, wann um eine am Islam spezifizierte Religionskritik, die – würde man sie verbieten – tatsächlich als ein „Ende der Aufklärung“ verstanden werden müsste?

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„Ein Leben unterwegs – Die Herbstmigration der Bakhtiari“: Crowdfunding in der Wissenschaft

Der Religionswissenschaftler Ben Raßbach (Leipzig) und die Fotografen Maciej Staszkiewicz und Miriam Stanke (Mannheim) begleiteten 2012 die Nomadengruppe der Bakhtiari im Iran: „Zweimal jährlich brechen sie bedingt durch klimatische Bedingungen auf, um ihre Lager zu wechseln“ (vgl. Kurzvideo auf Vimeo). Für eine multimediale Fotoausstellung vom 27. April bis zum 5. Mai 2013 im Leipziger Tipi Westwerk wurde ein Crowdfunding-Projekt ins Leben gerufen. REMID interviewte Ben Raßbach, zur Zeit in Ostkurdistan unterwegs, zu diesem in der Religionswissenschaft noch ungewöhnlichen Schritt.

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Ein Beitrag zur interkulturellen Öffnung von Kindertageseinrichtungen, Horten und Schulen

Interreligiöse Bildung sei an den meisten Kitas nach wie vor ein Fremdwort, fasst ein Artikel auf den Webseiten des Deutschlandradios das Ergebnis einer Studie, die Religionspädagogen von der Uni Tübingen in Stuttgart vorgestellt haben, zusammen. Die Tübinger Forscher fordern, „dass das Thema ‚Gott und Religion‘ in allen Kitas – egal ob kommunal oder konfessionell – zum Bildungsauftrag gehören sollte“. Vorbildlich sind hier z.B. die Projekte des Leipziger Zentrums für europäische und orientalische Kultur e.V. (ZEOK). Grundlegend für die Bildungsarbeit des ZEOK ist das Projekt WELTKISTE, das 2007 von Rudaba Badakhshi initiiert wurde und seitdem erfolgreich weiterverfolgt wird. Bahnbrechend für die Seminartätigkeit war das Modellprojekt der Stadt Leipzig von 2009-2011 „Qualitätssicherung in Kindertagesstätten – Maßnahmen zur Verstärkung der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund in den kommunalen Einrichtungen“, bei dem ZEOK mit der Durchführung von Weiterbildungen beauftragt war. Der Verein verfolgt die Vision, „den kulturellen Dialog sowie das kulturelle Zusammenwirken von Orient und Okzident zu unterstützen, das wechselseitige Verständnis zu erhöhen und das gemeinsame kulturelle Erbe in all seiner Vielfalt darzustellen und zu pflegen“ (vgl. auch Interview „Anders berichten. Gegen Sterotype in Bezug auf Islam und arabische Welt„). REMID interviewte Elke Seiler zu den Projekten des Vereins.

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Vernetzt: Politik, religiöse Nicht-Regierungs-Organisationen und Globalisierung

Der insbesondere durch die Medienwahl und Spracheinschränkungen bedingte quasi-nationale Blickwinkel auf die Welt ist oft blind für globale Zusammenhänge. Das gilt auch für religiöse Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) bzw. überhaupt für die Grade internationaler Vernetzung religiöser Gemeinschaften einerseits wie für das Netzwerken in einer fernen „Diaspora“. Der Begriff, der ursprünglich die „Zerstreuung“ des Judentums nach der Zerstörung des Zweiten Tempels bedeutete, bezeichnet in den Arbeiten von Robin Cohen die gemeinschaftsstiftende Erinnerung an einen Migrationsbezug. Zu transnationalen religiösen NGOs insbesondere im Kontext der Vereinten Nationen – das ist der Forschungsgegenstand eines aktuellen Projektes des Instituts zur Erforschung der religiösen Gegenwartskultur der Universität Bayreuth -, aber auch zur Rolle von sogenannten „Migrantenvereinen“ für die Integration interviewte REMID den Leiter des Forschungsprojekts, Dr. Karsten Lehmann.

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Vielfalt und Perspektiven im Judentum: Haskala, Konversion, Migration

In der Zusammenarbeit mit den Religionen vor Ort hat Maria Mahler das Projekt „REMID lädt ein“ entwickelt. Zudem forscht die Religions- und Kulturwissenschaftlerin seit einiger Zeit in der Marburger jüdischen Gemeinde. REMID interviewte sie zum zeitgenössischen Judentum in Deutschland. Dabei ist ein besonderes Anliegen, nicht allein aus der Perspektive der Bekämpfung von Vorurteilen gegenüber dem Judentum zu berichten, sondern das aktuelle jüdische Leben in Deutschland in den Mittelpunkt zu stellen (man vergleiche zur Problematik die Pressestimmen zu der neuen Zeitung „Jewish Voice of Germany“ und deren Selbstverständnis).

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Religion – Kultur – Medizin: Diversity ist die Devise und nicht Rezepte-Lernen

Das Verhältnis von Religion und Medizin ist vielfältig. Man könnte auch von Kulturen und Medizin sprechen. Das ist allgemeiner, blendet aber aus, dass – wie die Nähe von „Heil“ und „Heilung“ andeutet – gerade religiöse Sinnkonzepte die kulturellen Bilder formen, mit welchen über Krankheiten gesprochen wird, diese interpretiert werden oder Umgang mit der Erkrankung prägen. Das wird um so wichtiger, nicht nur durch gesteigerte Phänomene der Migration, Globalisierung etc., sondern auch in Hinblick auf eine pluralistische Gesellschaft, die eine Sensibilität dafür abverlangt, dass Menschen verschieden sind und auch – neben divergierenden Deutungsmustern – andere Heilmethoden bevorzugen können. Wir interviewten zu diesen Themen Frau Dr. Solmaz Golsabahi vom Dachverband der Transkulturellen Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik DTPPP e.V.

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