Rechte Ideologie im esoterischen und neureligiösen Bereich

Eine erprobte PR-Strategie in Überlegungen mit Praktikant_innen bei REMID bestand darin, in einigen Online-Medien eigene Kommentar-Accounts (die dann auch meistens „REMID“ heißen) zu unterhalten und gelegentlich zur Platzierung eines Kommentars zu nutzen. Ein Kommentator im Forum der zum Heise-Verlag gehörenden Online-Zeitung „Telepolis“ reagierte darauf mit einer ausgeklügelten Fantasie. In seiner Antwort stellt er mehrere Desinformationspraktiken vor, die wir angeblich verwendet hätten. Er schließt damit, „[m]an findet hier in der Tat sehr viele professionell vorgehende Kommentatoren, die ganz offensichtlich intensiv geschult wurden, um massiv im Interesse ihrer Auftraggeber auf unliebsame Meinungen einwirken zu können. Dazu verwenden sie vermutlich die bereits mehrfach erwähnte, von US-Programmierern entwickelte Sockenpuppen-Software, mit der sich zahlreiche Accounts für alle gängigen Social-Media-Plattformen verwalten und steuern lassen“. Es ging darum, inwiefern bestimmte Äußerungen des Montagsmahnwachen-Aktivisten und „alternativen“ Journalisten Ken Jebsen antisemitisch sind oder antisemitische Denkmuster bedienen. Jutta Ditfurth spricht bezüglich der Montagsmahnwachen für den Frieden von einer neurechten völkischen Bewegung. Entscheidend für diese sind „alternative“ Medien wie Blogs, Youtube-Channels, Facebook-Gruppen uvm. Dabei spielt auch ein Teil des esoterischen und neureligiösen Bereichs eine Rolle. Sowie eine spezielle Art von Metaphysik des Bösen.

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Christliche Körper in Ost und West. Eine Religionsgeschichte des Schmerzes

„Schmerz“ ist in den Nachrichten besonders häufig vertreten. Sei es die Schmerzwahrnehmung von Fischen, welche mit derjenigen von Säugetieren nicht zu vergleichen sei (schließlich entscheidet die Leidensfähigkeit über die Gültigkeit mancher Paragraphen des Tierschutzgesetzes); sei es Lady Gaga, welche in der Bunten interviewt wird unter der Überschrift „Ich kann Schmerz lange ertragen“; oder sei es Robert Harting, der trotz eines plötzlichen Schlagschmerzes in der Bandscheibe weiterwarf und zum dritten Mal Diskus-Weltmeister wurde, überschrieben mit „Hartings Schmerz aus Gold“ (alle Meldungen August 2013). Zur Religionsgeschichte des Schmerzes, Passionsritualen in westlichen und östlichen Christentümern und parallel zur Mythisierung entsprechender Bilder in einer globalen Kinokultur mit lokalen Zentren interviewte REMID Prof. Dr. Peter J. Bräunlein.

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Trendreport: Pluralisierung und Newcomer bei den Religionen und Weltanschauungen in Deutschland

Die Statistik von REMID liefert seit dem Ende der 1990er Jahre detaillierte Angaben zu Religionen in Deutschland. Zunächst ging es darum, bisherige Statistiken dahingehend zu korrigieren, dass längst ein Abbild der Religionen aller Welt im Kleinen auch den gegenwärtigen Pluralismus in Deutschland prägt. Nicht nur der Islam, auch Buddhismus und Hinduismus gehören zu Deutschland. Ebenso ging es darum, Neue Religionen als solche ernstzunehmen, aber auch gesellschaftlichen Tendenzen entgegenzuwirken, welche mit viel zu hohen Schätzungen der Mitglieder sogenannter „Sekten und Psychogruppen“ Panikmache betrieben (in den 1990ern wurde etwa von manchen Diskursteilnehmern suggeriert, es gäbe 300.000 Scientologen im Lande). Erst 2012 wurde allerdings der Bereich der Weltanschauungen hinzugenommen, auch als Reaktion auf die Gründung des Koordinierungsrat säkularer Organisationen (KORSO). Allerdings wurden auch andere Bereiche (z.B. Esoterik) erweitert. Welche Trends oder Tendenzen lassen sich herausarbeiten?

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Von Aldebaran bis Vril. Interview über esoterischen Neonazismus

Weltweit wird inzwischen mitgeschrieben an einer Mythifizierung des Nationalsozialismus. Eifrige Kinogänger begegnen diesen Ideen bei der Trilogie von „Indiana Jones“ (seit 1981), bei „Hellboy“ (2004) und schließlich „Iron Sky“ (2012). Doch hat sich auch ein nicht zu unterschätzender esoterischer Neonazismus gebildet, insbesondere im deutschsprachigen Raum. REMID interviewte dazu den Religionswissenschaftler Julian Strube (Universität Heidelberg). Dieses Jahr erschien seine Monographie „Vril. Eine okkulte Urkraft in Theosophie und esoterischem Neonazismus“ (man vgl. auch seinen Aufsatz in der Zeitschrift für Religionswissenschaft, Bd. 20, Heft 2 [Nov. 2012]: Die Erfindung des esoterischen Nationalsozialismus im Zeichen der Schwarzen Sonne).

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„Eine exorbitante Entwicklung rassistischer Angriffe“: Forschungsbericht zur Kontinuität und Aktualität einer Ideologie

„Hass hat Zukunft“, so ist der Aufmacher der Titelseite der Jüdischen Alllgemeinen vom 10. Januar 2013 überschrieben. Hannes Stein argumentiert, „Judenfeindschaft wird zunehmend salonfähig. Bald kann man sich auch wieder stolz dazu bekennen“. Jakob Augsteins Meinungen, für die ihm auf einer Liste der „zehn schlimmsten“ Antisemiten des Jahres 2012 vom Simon-Wiesenthal-Zentrum in Los Angeles ein Platz zuteil wurde, werden laut Stein von der Mehrheit der Deutschen geteilt. „Hass hat Zukunft“ gilt leider ebenso für rassistische Ressentiments. Mehr noch: Bezüglich Rassismus hat der Historiker Dr. Harry Waibel einen aktuellen Forschungsbericht vorgelegt, der aufzeigt, in welchen Dimensionen Rassismus in der Geschichte der beiden deutschen Republiken eine Rolle inne hatte. Die Opfer des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) sind zudem nur die bekanntesten Todesfälle mit rassistischen Hintergrund. REMID interviewte den Autoren zu seinem neuen Buch.

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Studie über Junge Freiheit: Christentum und Islamfeindlichkeit statt Heidentum

Wie verhält sich die sogenannte „Neue Rechte“ zu Religionen? In Europa nehmen die Wählerkreise rechter Parteien zu. Diskriminierung von Minderheiten nimmt auch in Deutschland zu. Während das Interview mit Florian Illerhaus die Islamophobie der Sarrazin-Debatte unter die Lupe nahm und Jörn Meyers in seiner Studie sich mit den Ideologen, Gemeinschaften und Entwürfen ‘arteigener Religion’ kritisch auseinandersetzte, hat Christian Uhrig sich in seiner Studie das Islam- und Christentumsbild der Zeitung „Junge Freiheit“ vorgenommen. REMID interviewte den Mitarbeiter der Bayreuther Religionswissenschaft zu seinen Forschungsergebnissen.

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Apokalypse sucht Zombies? Entsolidarisierung und Sündenbocksuche im Zeichen der Krise

Das amerikanische Centers for Disease Control and Prevention machte in einer Email vom 31. Mai gegenüber der Hufftington Post deutlich: „CDC does not know of a virus or condition that would reanimate the dead (or one that would present zombie-like symptoms)“. „Zombie Apokalypse“ war zuvor zu einer der häufigsten Eingaben bei Google in Amerika geworden. Menschen hatten nach dem Konsum einer Droge aus chinesischen Badesalzen andere Menschen angegriffen und … „angefressen“. Das CDC setzte allerdings bereits vor diesen Ereignissen auf „Zombies“ als Marketingstrategie: „Wer gut ausgerüstet ist für eine Zombie-Apokalypse, der wird auch gut vorbereitet sein für einen Hurrikan, eine Pandemie, ein Erdbeben oder eine Terroristenattacke“. „[O]b Börsenkrise, Naturereignis oder terroristischer Anschlag“ (S. 11) – seit 2010 hat auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe einen Leitfaden „Schutz Kritischer Infrastrukturen – Risiko- und Krisenmanagement„, bereits in der 2. Auflage, als Teil einer 2009 verabschiedeten „Nationalen Strategie zum Schutz Kritischer Infrastrukturen“. Der Survivalmarkt boomt. Aber eben auch die Anfeindungen und allgemeine Entsolidarisierung mit Gruppen, welche als vermeintlich Schuldige in Frage kommen.

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