Aussteiger. Zur Geschichte eines einstigen Modewortes

Von „Neoprimitiven“ spricht Peter Mühlbauer angesichts der Gruppe(n?), die sich nach isländischen Vulkanen „Das Grollen des Eyjafjallajökull“ oder auch „Hekla“ nennen und laut ihrer Bekennerschreiben auf indymedia.org (man googele selbst) „die quälende und mörderische Normalität“ mit Anschlägen (vor wenigen Tagen auf Berliner Schienennetze) bestreiken möchten. Einerseits geht es um Themen wie Atomausstieg, Waffentransporte, Kapitalismuskritik („Alternativlosigkeit“), aber den zitierten Journalisten stört wohl im Besonderen die allgemeine Technikfeindlichkeit der anonymen Autoren: „Dabei sollen wir uns einfach an Ersatzscheiße gewöhnen, die zwischen uns Menschen installiert wird: Eben Handys, I-Phone, Internet, Mobilität“. Der gewaltverherrlichende Text möchte dabei suggerieren, per „Entschleunigung“ müsse das „mörderische Spektakel“ erst gestoppt werden, damit nicht mehr gelte: „Aussteigen geht nicht“ .

Doch um was geht es eigentlich bei Aussteigern? Dieser Ausdruck ist in der Religionswissenschaft ja nicht gänzlich unvertraut.

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Globale Gurus: Indische Religionen auf Welttournee

Vielen Menschen ist heute vertrauter, dass „Hinduismus“ ein Sammelbegriff ist, hinter dem sich eine Vielzahl von Religionen verbirgt. Bewegungen wie die Hare Krishnas haben einen indischen Hintergrund, agieren aber international, auch in Deutschland. Die Frage, ob bzw. inwieweit und aus welcher Perspektive letztgenannte z.B. „hinduistisch“ sind, lässt sich gar nicht so einfach beantworten. Wir haben zu aktuellen Entwicklungen um globale Gurus und indische Religiosität Prof. Dr. Frank Neubert (Religionswissenschaft in Bern) befragt. Von ihm ist bei REMID die Studie „Krishnabewusstsein. Die International Society for Krishna Consciousness (ISKCON) – ‚Hare-Krishna-Bewegung‘“ mit Unterstützung des Sonderforschungsbereiches Ritualdynamik der Universität Heidelberg erschienen. Seine aktuellen Arbeiten beschäftigen sich neben vielem anderen mit Neuformierung von Religion in der Gegenwart und „Global Hinduism“.

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Wiederlesen und Neuschreiben: das vielfältige Verhältnis von Religion und Text

Das Verhältnis von Religionen zu Texten ist alles andere als eine banale Angelegenheit. Nicht nur in Anbetracht von z.B. Höhlenmalereien als frühen Gedächtniskünsten (oder „Texten“) oder bzgl. der intrareligiös bedeutsamen Unterscheidung von Schrift- bzw. Offenbarungsreligionen und ihrem jeweiligen Gegenüber im abendländischen sowie islamischen Bereich. Nicht nur als wichtiger Erfahrungsbereich für die Entwicklung von (biblio)mantischen und hermeneutlichen Auslegekünsten, als somit wichtiger Anfang des Interpretierens und Kommentierens.

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