Des Pudels Kern: Kritik eines Vier-Schichten-Modells zur Beurteilung von Religionsgemeinschaften

Im Materialdienst Nr. 9 / 2015 der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) entwickelt Yukio Matsudo „Das Vier-Schichten-Modell für die Einschätzung einer Glaubensgemeinschaft. Dargestellt am Beispiel der Soka Gakkai„. Dabei fungiert der Text zugleich als eine kritische Replik auf die REMID-Publikation Soka Gakkai International-Deutschland. Geschichte – Struktur – Mitglieder von Robert Kötter (2006). Das besagte Vier-Schichten-Modell wird schließlich mit einer Tabelle erläutert und generalisiert. Auf „offizielles Gesicht“, „quasi-innerer Blick“ und „innerer Blick“ folgt der „Einblick in die Tiefenstruktur“. Hier geht es „methodologisch“ darum, „problematische[] Tiefenstrukturen“ zu erfassen, und das mittels Erfahrungsberichten von „kritischen Mitgliedern und Aussteigern sowie von betroffenen Familienmitgliedern“. Zwar vermeidet der Text grundsätzlich Begriffe wie „Sekte“: der Aufsatz spricht immer von „einer Glaubensgemeinschaft“, wenn es um die Beschreibung des Modells geht. Doch bleibt ein fader Nachgeschmack, denn hier lauert das Grauen in der Tiefe bereits qua Modell bzw. das Modell ist bereits diskriminierend, denn es unterstellt eine willentlich herbeigeführte Diskrepanz zwischen den oberen Modellschichten der Selbstaussagen und derjenigen der besagten „Tiefenstruktur“.

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