Auroville als alternatives Gemeinschaftsprojekt – ein Reisebericht

Der Versandhandel „eurotopia“ bringt seit Mitte der 1990er regelmäßig einen Katalog alternativer Gemeinschaftsprojekte und Ökodörfer in Europa heraus. Wie man bereits an dem zusätzlichen Linkkatalog (vgl. auch ältere Version von 2007) erkennen kann, finden sich darunter auch Religionsgemeinschaften wie beispielsweise die Freunde des westlichen buddhistischen Ordens e.V., der Dachverband der Beginen oder auch die Zwölf Stämme [Nachtrag März 2014: entfernt] – neben z.B. dem biologisch-veganen Netzwerk oder dem Kommuja-Netzwerk politischer Kommunen. Solche utopisch gestimmten Gemeinschaftsbildungen haben dabei eine Geschichte bis zu den Versuchen in der Frühen Neuzeit, ein Himmlisches Jerusalem auf Erden zu errichten. Die auch im „eurotopia“-Verzeichnis vernetzte Auroville International Deutschland e.V. ist dabei der deutsche Ableger einer Bewegung, welche in Indien ein alternatives Gemeinschaftsprojekt betreibt. REMID bringt im Folgenden einen Gastbeitrag von Marc Nemitz, u.a. Student der Politikwissenschaft, Soziologie und Philosophie in Marburg, über seinen Besuch dieses Projekts 2011.

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Umwelt und Tierschutz übertrumpfen Religion? Non-Profit in sozialen Netzwerken

Wer hätte gedacht, dass in der Rubrik „Non Profit“ bei dem Facebook Statistik-Service von socialbakers.com den ersten Platz die muslimische Seite ILoveAllaah.com einnimmt mit 8,48 Mio. Fans mehrheitlich aus Indonesien (35.7 %), Malaysia (14.8%), Ägypten oder Pakistan (jeweils ca. 5%)? Insofern bewirbt sie sich auch selbst, als die beliebteste muslimische Seite im Facebook. Nun sind in den verschiedenen Ländern unterschiedliche Anteile der Bevölkerung (a) überhaupt online, (b) haben Zugang zu speziell diesem sozialen Netzwerk und (c) nutzen eben dieses z.B. anstatt einer der vielen möglichen Alternativen. Allerdings zeigen die World Maps of Social Networks von Vincenzo Cosenza, dass Facebook allmählich seine Konkurrenz verdrängt. Während Teile Südamerikas 2010 und Indien 2007 noch Orkut bevorzugten, ist beides im Juni 2012 in der Hand Facebooks. Nur China und Russland und einige angrenzende Gebiete sind heute noch nicht „erobert“.

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Das Tier als metaphysische Grenze

Im indischen „Gesetzbuch des Manu“ (12, 42-44) finden sich Einteilungen aller Dinge und Wesen der Welt in drei „Erscheinungsweisen“ (Gunas), von denen eine „tamas“ (Dunkelheit, Unwissenheit) ist. In dieser Kategorie werden auf unterster Stufe unbewegliche Dinge, Würmer, Fische, Schlangen, Schildkröten, Vieh, und Schakale, auf der mittleren Elefanten, Lastpferde, Chudras (Handwerker, Pachtbauern, Tagelöhner, Diener, Landarbeiter, Arbeiter), „verabscheute Barbaren“, Löwen, Tiger und Eber und auf der höchsten Stufe Landstreicher, Vögel, Heuchler, Raksas und Piçâcas (beides sozusagen Klassen „böser Geister„) platziert. Einige andere Tiere, höhere menschliche Kasten und Göttergeschlechter sind den anderen beiden Gunas bzw. deren Unterkategorien zugeordnet (Ordinances of Manu; übs. von Arhur C. Burnell, ed. von Edward W. Hopkins, London: Trübner 1891, S. 371). In diesem alternativen System, das manche daher als „ungerecht“ empfinden, scheint es dieses im „westlichen“ Denken distinkte Gegenüber des „Tieres“ nicht zu geben. Welche religiöse Dimension hat diese Frage nach der Einteilung der Geschöpfe bzw. dem „Tier“ eigentlich? Oder die unseres Verhältnisses zu diesem speziellen Gegenüber? Gerade wo ein aktuelles Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte das Gewissen eines Grundstückeigentümers über den „öffentlichen Auftrag“ der Jagd gestellt hat…

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