Veganismus ist keine Religion! Ein Essay über demokratische Kultur

Vor kurzem hatte ich Gelegenheit, REMID in einem Seminar der Friedens- und Konfliktforschung Marburgs vorzustellen. Und wiedermal wurde in der Diskussion die Frage von einem Seminarteilnehmer aufgeworfen, ob Veganismus eine Religion sei. Im Grunde genüge allein das „missionarische“ Vorgehen einer Bewegung, um diese als „Religion“ zu kategorisieren. Schließlich habe sich die Religionswissenschaft ja von der religiös motivierten Etymologie eines Laktanz, der „religio“ als „Rückbindung an Gott“ begriff, verabschiedet und setze nicht mehr auf essenzialistische Religionskonzepte, welche Religion allein von ihrem wie auch immer gearteten „Wesen“ her bestimmen wollten (z.B. als Glauben an Höhere Wesen). Doch auch wenn REMID sicherlich diese kritische Wende unterstützt (die auch eine Absage an religiöse Deutungen von Religionen beinhaltet), auf unserer Statistik der Religionen und Weltanschauungen fehlen bislang Veganer (ungeprüft: zwischen 250 000 und 460 500 in Deutschland neben 5 Millionen Vegetariern) genauso wie der Deutsche Sportbund (27 Mio.) oder der ADAC (18 Mio. Mitglieder). Und das wird auch so bleiben. Es ist eher ein Armutszeugnis für eine demokratische Kultur, wenn ein rational argumentierender Versuch des Überzeugens (sicherlich mit einem weltanschaulichen moralischen Motiv, das im Einzelfall auch religiös begründet sein kann) durch eine solche Disqualifizierung seiner Motive und damit einer Absage an seine Berechtigung abgewehrt wird. Denn der „Vorwurf“, eine Religion zu sein, ist dann als Kontra-Argument gemeint.

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