Mit Parallelen zu islamistischen Ideologien: „Christlicher Extremismus in Deutschland“

REMID engagiert sich schon länger für eine Kritik der Begriffe, mit denen Religionen in der Öffentlichkeit verhandelt werden, wie zum Beispiel dem der „Sekte“. Unser satzungsgemäßes Ziel, „ein friedliches und tolerantes Zusammenleben der Menschen und der verschiedenen Religionen“ zu befördern, hat Religionsfreiheit grundsätzlich zu einem wichtigen Thema werden lassen (vgl. unsere Themenseite). Ein Aspekt davon ist auch die wissenschaftliche Differenzierung zwischen Diskriminierung und Kritik. Das gilt für die Rhetorik über sogenannte „Sekten“ genauso wie für diejenigen Formen von sogenannter „Islamkritik“, welchen mit soziologisch fundierbaren Gründen rassistische Züge zugeschrieben werden können. Diesen undifferenzierten und zu Recht zu problematisierenden Kritikformen gegenüber benötigt es religionskritische Arbeiten zu konkreten Gemeinschaften oder Gruppen. Eine solche hat der Politikwissenschaftler Alexander Kühn jetzt vorgelegt: „Christlicher Extremismus in Deutschland. Das Verhältnis der Partei Bibeltreuer Christen, Christliche Mitte, Priesterbruderschaft St. Pius und Zeugen Jehovas zum demokratischen Verfassungsstaat“ (2017). Die Arbeit entstand unter Rückgriff auf das REMID-Archiv. Der Titel klingt provokant, als „extremistisch“ gelten sonst immer die anderen, die Islamisten oder Scientology. Aber auch wer den Extremismusbegriff problematisiert, kommt nicht an der Frage vorbei, wie „legalistischer“ bis terroristischer „Islamismus“ mit besseren begrifflichen Mitteln parallelisiert werden kann mit berechtigterweise zu problematisierenden Ideologemen in anderen Religionen einschließlich des Christentums (man vgl. aber z.B. auch Hyperkultur und Kulturessenzialismus nach Andreas Rechwick). REMID interviewte Herrn Kühn zu seiner Arbeit.

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Interview mit Buchautor Christian Röther: Islamfeindlichkeit von AfD und Pegida

Christian Röther (Religionswissenschaft Göttingen) promovierte über die islamfeindliche Szene in Deutschland. Dafür recherchierte er mehrere Jahre über die Szene und führte ausführliche Interviews mit antiislamischen Aktivistinnen und Aktivisten. Seit 2009 arbeitet er als Hörfunkjournalist, u. a. für den Deutschlandfunk. 2016 wurde Röther mit dem Niedersächsischen Medienpreis ausgezeichnet. Zu seinem neuen Buch „Wenn die Wahrheit Kopf steht. Die Islamfeindlichkeit von AfD, Pegida & Co.“ (2017) hat REMID ihn interviewt.

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Islamkritik und Rassismus. Ein Briefwechsel über einen Essay von Ahmad Mansour


In der linksliberalen Taz veröffentlichte Ahmad Mansour am 9. Juli 2016 einen Essay „Linke und Muslime – Wir sind nicht eure Kuscheltiere“, mit dem Untertitel: „Das linksliberale Spektrum tut sich schwer mit kritischen Muslimen. Es erklärt sich zum Beschützer konservativer Muslime und macht sie so zu Opfern“. Folgende Diskussion von Christoph Wagenseil (REMID) und Verena Maske, Religionswissenschaftlerin mit Schwerpunkt islamische Gegenwartskultur (Universität Marburg), ging von diesem Essay aus.

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„Open City“: Die Stadt und der Terror bei Teju Cole

Im Jahr 2011 erschien das Buch „Open City“ von Teju Cole. Der als Obayemi Babajide Adetokunbo Onafuwa in den USA geborene und teilweise in Lagos aufgewachsene Schriftsteller, Fotograf und Kunsthistoriker lässt darin den Protagonisten Julius mit vergleichbaren Migrationserfahrungen, von Beruf aber Psychiater, durch New York der Jahre 2006, 2007 spazieren (mit Ausnahme der Kapitel 7-11, welche in Brüssel spielen). In einem Interview mit Ekkehard Knörer (Merkur, 2012) sagt Cole, „ich wusste, dass es um diesen Zustand nach 9/11, um die Nachwirkungen dieses Ereignisses und dieser Verluste ging. Wir haben ja einfach weitergelebt, aber es blieb etwas Unabgegoltenes, Unabgeltbares…“. Es geht dabei also auch um eine Selbstverortung einer Stadt wie New York (oder aktuell Paris) im Angesicht eines islamistischen Terrors (vgl. dazu Der Salafismus und die dschihadistische Idee).

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Des Pudels Kern: Kritik eines Vier-Schichten-Modells zur Beurteilung von Religionsgemeinschaften

Im Materialdienst Nr. 9 / 2015 der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) entwickelt Yukio Matsudo „Das Vier-Schichten-Modell für die Einschätzung einer Glaubensgemeinschaft. Dargestellt am Beispiel der Soka Gakkai„. Dabei fungiert der Text zugleich als eine kritische Replik auf die REMID-Publikation Soka Gakkai International-Deutschland. Geschichte – Struktur – Mitglieder von Robert Kötter (2006). Das besagte Vier-Schichten-Modell wird schließlich mit einer Tabelle erläutert und generalisiert. Auf „offizielles Gesicht“, „quasi-innerer Blick“ und „innerer Blick“ folgt der „Einblick in die Tiefenstruktur“. Hier geht es „methodologisch“ darum, „problematische[] Tiefenstrukturen“ zu erfassen, und das mittels Erfahrungsberichten von „kritischen Mitgliedern und Aussteigern sowie von betroffenen Familienmitgliedern“. Zwar vermeidet der Text grundsätzlich Begriffe wie „Sekte“: der Aufsatz spricht immer von „einer Glaubensgemeinschaft“, wenn es um die Beschreibung des Modells geht. Doch bleibt ein fader Nachgeschmack, denn hier lauert das Grauen in der Tiefe bereits qua Modell bzw. das Modell ist bereits diskriminierend, denn es unterstellt eine willentlich herbeigeführte Diskrepanz zwischen den oberen Modellschichten der Selbstaussagen und derjenigen der besagten „Tiefenstruktur“.

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Der Israelit. Das Selbstverständnis der Neo-Orthodoxie in der deutsch-jüdischen Presse um 1900

Im Oktober 2014 lud Martin Radermacher (REMID) in Kooperation mit dem Seminar für Allgemeine Religionswissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ein zu „Schlaglichtern der Religionsforschung zwischen Wissenschaft, Medien und Öffentlichkeit“. Mit dabei war Lisa Andryszak, welche über ihr Doktorarbeitsprojekt berichtete: Der Israelit – Deutsch-jüdische Presse 1860–1938 (vollständig digital vorhanden). Neben Einblicken in jüdische Mediengeschichte, neo-orthodoxe Profilbildungen geht es im Interview mit der Religionswissenschaftlerin um Antisemitismus – gerade auch angesichts aktueller Entwicklungen leider ein Thema mit Zukunft (2012: „Jeder fünfte Deutsche ist latent antisemitisch“, bundestag.de; UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon spricht im Januar 2015 auf einer zum Thema einberufenen Sondersitzung der UNO von einem „alarmierenden Ausbruch von Antisemitismus weltweit“, spiegel.de).

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Mittendrin: Rechtspopulistische Parteien in Mittelosteuropa

Religionswissenschaftliches Interesse am Rechtspopulismus begründet sich einerseits damit, gerade dass religiöse und kulturelle Vielfalt bei diesem ein (negativ besetztes) Thema sein können und er somit als der Produzent von Diskriminierung, Vorurteilen etc. schlechthin in Erscheinung tritt, denen mit wissenschaftlicher Expertise begegnet werden muss, um sie zu entkräften (vgl. Interviews zu Rassismus, Islamophobie und Orientalismus). Andererseits kann es sich bei ihm selbst um religiös motivierte Milieus handeln (vgl. Interviews zur Jungen Freiheit [Christentum und Islamfeindlichkeit statt Heidentum], zur Ariosophie und zu zeitgenössischer rechter Esoterik). REMID interviewte zu rechtsradikalen Parteien in Mittelosteuropa – genauer in Polen, Ungarn und der Slowakei – Bartek Pytlas von der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder. Pytlas hat seine Doktorarbeit zu diesem Thema geschrieben und absolvierte zuvor den Master-Studiengang European Studies.

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Zuerst kam der Konformismus: Ende und Transformation des alternativen Milieus

„Die Figur des ‚Schreibtischtäters'“, so heißt es in einem kulturwissenschaftlichen Call for Papers von Prof. Dr. Dirk van Laak und Jun.-Prof. Dr. Dirk Rose für eine gleichnamige interdisziplinäre Tagung in Essen im Oktober, „ist untrennbar mit der Geschichte des Dritten Reiches und seiner Aufarbeitung verbunden, insbesondere mit der Person Adolf Eichmanns und speziell in dessen Deutung durch Hannah Arendt„. Seither verstehe man hierunter im engeren Sinne den Bürokraten, der ohne innere Bewegung und von seinem Schreibtisch aus per Erlass den Mord organisierte. Inwiefern eignet sich diese Figur für einen paradigmatischen Typus der Moderne? Wie sehr hängt das Tun eines solchen Stuhlarbeiters mit gesellschaftlichem Konformismus zusammen? Und schließlich: Wie ist es heute um Konformismus bestellt?

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Überall „Sekten“? – Religionsbezogene Diskriminierung (nicht nur) in öffentlich-rechtlichen Medienanstalten

„Letztlich geht es jedoch darum, sich von seiner eigenen Leidensgeschichte zu lösen. Nur so kann sich ein freies Ich entfalten. Schauen Sie erst mal ganz genau hin, was Sie runterzieht. Leider landen wir da häufig bei Eltern und Freunden…“. So wird in Folge 1611 („In den Fängen der Sekte“) der Telenovela „Rote Rosen“ (ARD) Malakron eingeführt – eine „Sekte“, welche die Figur Lotte aufsucht wegen ihrer Medikamentensucht. Ein evangelischer Pastor setzt sich in den nächsten Folgen dafür ein, dass schließlich Lotte von ihrer Familie aus der „Sekte“ befreit wird. Gehört es zum Auftrag der öffentlich-rechtlichen Medienanstalten missionarisch für hier die evangelische Kirche tätig zu werden? Selbst mit erfundenen Beispielen kann Stimmung gegen neue religiöse Bewegungen gemacht werden – und die Diskriminierung beginnt nicht erst, wo Ähnlichkeiten zwischen der Fantasie-Gemeinschaft und einer konkreten neuen Religion ausgemacht werden können. Die Diskriminierung geht tiefer, denn sie baut auf einem verzerrten Bild alternativer Religiosität auf, welches diese grundsätzlich diabolisiert: „Ich frag nur, weil ich die Machenschaften einiger Sekten kenne“ (Rote-Rosen-Pastor Mertens in Folge 1623).

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