Religionsbarometer und Varianz: Hass-Prävention mit Religionswissenschaft?

Wer klassisch in eine Einführung in die Religionswissenschaft schaut, wird erfahren, dass zunächst zwei Varianten der Definition von „Religion“ differenziert werden können. Auch Anfragen in Seminaren, für welche REMID gebucht werden kann, fordern immer wieder eine Definition ein. Sie kennen selbst bereits eher die „essenzialistische“ Variante, die einen „Kern“, ein „Wesen“ von „Religion“ in den Mittelpunkt stellen möchte, z.B. den Glauben an höhere Wesen, „Rückbindung“ (als eine populäre Etymologie von „religio“) oder „Transzendenz“. Die Diskussion entwickelt dabei zugleich die zweite „funktionalistische“ Variante, nach welcher der gesellschaftliche Funktionszusammenhang erlaube, das als „Religion“ zu begreifen, was einem vergleichbaren Zweck diene (vgl. auch Ninian Smart: Dimensions of the Sacred. An Anatomy of the World’s Beliefs, 1999). Dem sei im Folgenden die Erfahrung mit einem „Religionsbarometer“ gegenübergestellt. Jede_r Seminarteinehmer_in sollte bestimmte Sätze beurteilen und sich für eine von fünf Karten entscheiden, um zu sagen, das im Satz beschriebene sei zu 0%, zu 30%, zu 50%, zu 70% oder zu 100% Religion. Vorbild war ein „Gewaltbarometer“ aus der Präventionsarbeit („Gewalt Sehen Helfen“), das dafür sensibilisieren will, dass Gewaltempfindungen subjektiv stark voneinander abweichen können. Dabei geht es nicht darum, dass „Religion“ etwas Negatives wie „Gewalt“ sei, vielmehr eignet das Religionsbarometer als Instrument, auf ein grundsätzliches Problem mit nicht naturwissenschaftlich quantifizier- und kategorisierbaren Begriffen hinzuweisen. Auch erläutert es ihre Rolle in identitätspolitischen Diskursen.

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Caitanyas Erbe: Heterogenität und Mitgliederfluktuation in der Hare Krishna Bewegung

473px-Chaitanya-Mahabrabhu-at-JagannathREMID interviewte Ben Heimann (Universität Münster) zu reformhinduistischen Bewegungen, Hinduismus in Deutschland und Vielfalt in der Hare Krishna Bewegung.

Abbildung: Caitanya Mahaprabhu, Fotographie eines Gemäldes von ca. 1900.

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Auroville als alternatives Gemeinschaftsprojekt – ein Reisebericht

Der Versandhandel „eurotopia“ bringt seit Mitte der 1990er regelmäßig einen Katalog alternativer Gemeinschaftsprojekte und Ökodörfer in Europa heraus. Wie man bereits an dem zusätzlichen Linkkatalog (vgl. auch ältere Version von 2007) erkennen kann, finden sich darunter auch Religionsgemeinschaften wie beispielsweise die Freunde des westlichen buddhistischen Ordens e.V., der Dachverband der Beginen oder auch die Zwölf Stämme [Nachtrag März 2014: entfernt] – neben z.B. dem biologisch-veganen Netzwerk oder dem Kommuja-Netzwerk politischer Kommunen. Solche utopisch gestimmten Gemeinschaftsbildungen haben dabei eine Geschichte bis zu den Versuchen in der Frühen Neuzeit, ein Himmlisches Jerusalem auf Erden zu errichten. Die auch im „eurotopia“-Verzeichnis vernetzte Auroville International Deutschland e.V. ist dabei der deutsche Ableger einer Bewegung, welche in Indien ein alternatives Gemeinschaftsprojekt betreibt. REMID bringt im Folgenden einen Gastbeitrag von Marc Nemitz, u.a. Student der Politikwissenschaft, Soziologie und Philosophie in Marburg, über seinen Besuch dieses Projekts 2011.

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Generationen in Konflikt und Wechsel: Von „Jugendsekten“ zur „Gemeinde 2.0“

Karl Mannheim übertrug 1928 das kunstepochale Verständnis von Bewegungen, wie es spätestens seit „Sturm & Drang“ und der Romantik Gang und Gebe wurde, auf den Begriff der „Generationen“. Inhalte und historische Ereignisse sollten es nun sein, welche ein Generationsgefüge bestimmen. Bis dahin waren „Generationen“ lediglich statistisch relevante Einheiten von zumeist 30 Jahren. Auch für die Religionswissenschaft ist dieser Begriff von Relevanz geworden, etwa dadurch dass es gerade der gelungene Generationswechsel sei, welcher zum wichtigen Indiz dafür wird, dass eine Neue Religion sich verfestigt bzw. etabliert. Dieser Generationsbegriff hat einige Konsequenzen nicht nur für Debatten um sogenannte „Sekten“.

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Globale Gurus: Indische Religionen auf Welttournee

Vielen Menschen ist heute vertrauter, dass „Hinduismus“ ein Sammelbegriff ist, hinter dem sich eine Vielzahl von Religionen verbirgt. Bewegungen wie die Hare Krishnas haben einen indischen Hintergrund, agieren aber international, auch in Deutschland. Die Frage, ob bzw. inwieweit und aus welcher Perspektive letztgenannte z.B. „hinduistisch“ sind, lässt sich gar nicht so einfach beantworten. Wir haben zu aktuellen Entwicklungen um globale Gurus und indische Religiosität Prof. Dr. Frank Neubert (Religionswissenschaft in Bern) befragt. Von ihm ist bei REMID die Studie „Krishnabewusstsein. Die International Society for Krishna Consciousness (ISKCON) – ‚Hare-Krishna-Bewegung‘“ mit Unterstützung des Sonderforschungsbereiches Ritualdynamik der Universität Heidelberg erschienen. Seine aktuellen Arbeiten beschäftigen sich neben vielem anderen mit Neuformierung von Religion in der Gegenwart und „Global Hinduism“.

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