Mit ‘Religionsbegriff’ getaggte Artikel
Donnerstag, 28. März 2013
Der Zoologe und Verhaltensforscher Frans de Waal fragt “Ist militanter Atheismus eine Religion geworden?” und fordert im Anschluss einen neuen Humanismus “unter Primaten” (Salon vom 25. März). Die Probleme “weiter” Religionsbegriffe wurden bereits thematisiert, genauso wie die Schwierigkeiten “traditioneller” Religionskonzepte. Gibt es vielleicht eine philosophische Möglichkeit, etwas Klarheit in die Diskussion zu bringen? Möchte man “Religionen” in einem logischen Kalkül näher bestimmen, bietet sich an – erst einmal unter Ausschluss solcher Bestimmungen, welche ontologisch ein wie auch immer geartetes (“religiöses”) Sein (höherer Wesen oder spezieller Erfahrungen) voraussetzen, oder “Religion” im Singular als z.B. ethisches Prinzip deuten – , diejenige Differenz ins Auge zu fassen, welche auch für entsprechende historische Auseinandersetzungen seit der Aufklärung prägend wurde: Demnach sind “Religionen” zunächst eine Form der (potenziellen) Vergemeinschaftung unter Einbezug bzw. auf Basis von gemeinsamen metaphysischen Urteilen.
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Tags:Aufklärung, Autoritarismus, Diskursphänomen, Erkenntnistheorie, Ethik, Humes Gesetz, Metaphysik, Moral, Ontologie, Religionsbegriff, Religionskritik, Religionsphilosophie, Sein-Sollen-Problem, Weltanschauung, Weltbild
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Samstag, 02. Februar 2013
Vor kurzem hatte ich Gelegenheit, REMID in einem Seminar der Friedens- und Konfliktforschung Marburgs vorzustellen. Und wiedermal wurde in der Diskussion die Frage von einem Seminarteilnehmer aufgeworfen, ob Veganismus eine Religion sei. Im Grunde genüge allein das “missionarische” Vorgehen einer Bewegung, um diese als “Religion” zu kategorisieren. Schließlich habe sich die Religionswissenschaft ja von der religiös motivierten Etymologie eines Laktanz, der “religio” als “Rückbindung an Gott” begriff, verabschiedet und setze nicht mehr auf essenzialistische Religionskonzepte, welche Religion allein von ihrem wie auch immer gearteten “Wesen” her bestimmen wollten (z.B. als Glauben an Höhere Wesen). Doch auch wenn REMID sicherlich diese kritische Wende unterstützt (die auch eine Absage an religiöse Deutungen von Religionen beinhaltet), auf unserer Statistik der Religionen und Weltanschauungen fehlen bislang Veganer (ungeprüft: zwischen 250 000 und 460 500 in Deutschland neben 5 Millionen Vegetariern) genauso wie der Deutsche Sportbund (27 Mio.) oder der ADAC (18 Mio. Mitglieder). Und das wird auch so bleiben. Es ist eher ein Armutszeugnis für eine demokratische Kultur, wenn ein rational argumentierender Versuch des Überzeugens (sicherlich mit einem weltanschaulichen moralischen Motiv, das im Einzelfall auch religiös begründet sein kann) durch eine solche Disqualifizierung seiner Motive und damit einer Absage an seine Berechtigung abgewehrt wird. Denn der “Vorwurf”, eine Religion zu sein, ist dann als Kontra-Argument gemeint.
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Tags:Dialog, Mission, Pantheismus, Politische Verantwortung, Religionsbegriff, Sektendebatte, Speziesismus, Spiritualität, Yoga
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Freitag, 25. Mai 2012
“Mit Europa und den USA endet die Welt nicht”, soll Wladimir Putin im Interview mit der Tagesschau am 30. August 2008 gesagt haben. Über die Zusammenarbeit mit chinesischen Sport-Journalisten äußerte Reporter Heribert Faßbender im Stern (Nr. 35/2008 vom 21. August 2008, S. 154): “Mein wichtigster Rat: Interpretiert und praktiziert die Menschenrechte und die Pressefreiheit so, wie wir das in Europa tun”. Die im Kolonialismus, aber auch in der euro-amerikanischen Ideengeschichte fußende Überheblichkeit des Westens ist längst ein vertrauerter Topos. Entsprechend variiert es der amerikanische Blick – der Sänger und Schaupieler Harry Belafonte wird in der Stuttgarter Zeitung vom 13. März 2003 zitiert mit den Worten: “Die Vokabel ‘altes Europa’ zu benutzen, das ist, als würde man sagen, die Bürgerrechte sind alt, Jesus ist alt, die Philosophen sind alt – und genau das ist der Punkt. Noch mal: Geschichte ist dazu da, aus ihr zu lernen. Europa ist da in einem höheren Reifestadium. Das ist nicht eure Schande, sondern eure Ehre.” – Samir Amin arbeitete 1988 die Denkfigur des “Eurozentrismus” heraus (L’eurocentrisme, critique d’une idéologie, Paris). Andere Autoren wie der Ägyptologe Jan Assmann (Die mosaische Unterscheidung oder der Preis des Monotheismus, 2003) oder der Sinologe François Jullien (De l’universel, de l’uniforme, du commun et du dialogue entre les cultures, 2008) versuchen für ihr jeweiliges Gebiet näher herauszuarbeiten, was das Spezifische des europäischen Ethnozentrismus sein könnte. Wie sieht es allerdings in der Religionswissenschaft aus? Inwiefern ist sie eurozentrisch? Zu diesen Fragen interviewte REMID die Religionswissenschaftlerin Dr. Angelika Rohrbacher (vgl. Eurozentrische Religionswissenschaft? Diskursanalytische Methodik an den Grenzen von Ost und West. Marburg: Tectum, 2009).
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Tags:Asian Values, Eurozentrismus, Kulturtheorie, Menschenrechte, Monotheismus, Okzidentalismus, Orientalismus, Postcolonial Studies, Postkolonialismus, Relativismus, Religionsbegriff, Religionsfreiheit, Toleranz, Translatibilität
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Freitag, 27. Januar 2012
Es war ausgerechnet ein Gewaltverbrechen, welches letztes Jahr in den Medien vorübergehend die Frage virulent machte, was eigentlich christlich sei – also z.B. ob die neue christliche Kirche, welche ein Anders Behring Breivik in seinem Manifest einfordert, tatsächlich als eine neue Form von Christentum zu werten sei (vgl. Blogartikel “Was ist eigentlich christlich? Neue Antworten auf eine alte Frage”). Allgemein gültiger waren die dabei zitierten Aussagen eines ökumenischen Impulsreferates: “Das Christentum kann immer nur von einem konfessionellen Standpunkt aus beschrieben werden (als katholisch, protestantisch, lutherisch, calvinistisch, orthodox, freikirchlich …)”; “es gibt nicht ein einziges ‘spezifisches’ Merkmal des Christentums”. Das Problem der Einteilung, unterdrückt man nicht gänzlich den Willen zur Systematisierung, stellt sich genau genommen bei jeder Neuen Religion. Der neutrale Religionswissenschaftler hat es dabei noch schwerer als solche, die “spezifische” (wesentliche) Merkmale einer Weltreligion zu kennen glauben.
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Tags:Adventisten, Baptisten, Christian Science, Denomination, Dritte Konfession, Erweckungsbewegung, Esoterik, Häresie, Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Konzilien, Körperschaft des Öffentlichen Rechts, Lange Reformation, Lorber-Bewegung, Mormonen, Neue Religionen, Neugeist-Bewegung, Orthodoxie, Prä-Astronautik, Religionsbegriff, Religionssystematik, Schisma, Sektendebatte, Universelles Leben, Vereinigungskirche, Zeugen Jehovas
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Samstag, 29. Oktober 2011
Es war eine Auszeichnung des frühen Ludwig Wittgensteins, den Begriff des “Sprachspiels” völlig ohne Voraussetzungen einer unabhängig von den Sprechern bestehenden “Natur” zu bestimmen. Man versuchte, den Schwebezustand, den man bei solchen Philosophien verspürte, abzuschwächen, indem Versuche unternommen worden sind, neben dem natürlichen auch das gesellschaftliche Sein des Menschen zu systematisieren und beide Seinsweisen auf verschiedene Weisen miteinander zu verbinden. Eine dieser Weisen führte zum Faschismus. In dieser Zeit institutionalisierte sich auch die Religionswissenschaft neben vielen anderen damals neuen Disziplinen. Doch wie aktuell sind auf solche Weise systematisierte Sprachspiele noch?
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Tags:Aberglauben, Atheismus, Ideologie, Mythologie, Reli, Religionsbegriff, Religionskritik, Urmonotheismus, Wissenschaftstheorie
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Samstag, 16. Juli 2011
Das Verhältnis von Religionen zu Texten ist alles andere als eine banale Angelegenheit. Nicht nur in Anbetracht von z.B. Höhlenmalereien als frühen Gedächtniskünsten (oder “Texten”) oder bzgl. der intrareligiös bedeutsamen Unterscheidung von Schrift- bzw. Offenbarungsreligionen und ihrem jeweiligen Gegenüber im abendländischen sowie islamischen Bereich. Nicht nur als wichtiger Erfahrungsbereich für die Entwicklung von (biblio)mantischen und hermeneutlichen Auslegekünsten, als somit wichtiger Anfang des Interpretierens und Kommentierens.
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Tags:Analyse, Interpretation, Isebel, Methodologie, Neue Religionen, Paläonautik, Philologie, Rastafarians, Religionsbegriff, Umbanda
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