Auroville als alternatives Gemeinschaftsprojekt – ein Reisebericht

Der Versandhandel „eurotopia“ bringt seit Mitte der 1990er regelmäßig einen Katalog alternativer Gemeinschaftsprojekte und Ökodörfer in Europa heraus. Wie man bereits an dem zusätzlichen Linkkatalog (vgl. auch ältere Version von 2007) erkennen kann, finden sich darunter auch Religionsgemeinschaften wie beispielsweise die Freunde des westlichen buddhistischen Ordens e.V., der Dachverband der Beginen oder auch die Zwölf Stämme [Nachtrag März 2014: entfernt] – neben z.B. dem biologisch-veganen Netzwerk oder dem Kommuja-Netzwerk politischer Kommunen. Solche utopisch gestimmten Gemeinschaftsbildungen haben dabei eine Geschichte bis zu den Versuchen in der Frühen Neuzeit, ein Himmlisches Jerusalem auf Erden zu errichten. Die auch im „eurotopia“-Verzeichnis vernetzte Auroville International Deutschland e.V. ist dabei der deutsche Ableger einer Bewegung, welche in Indien ein alternatives Gemeinschaftsprojekt betreibt. REMID bringt im Folgenden einen Gastbeitrag von Marc Nemitz, u.a. Student der Politikwissenschaft, Soziologie und Philosophie in Marburg, über seinen Besuch dieses Projekts 2011.

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Peter Pan und die zwölf Stämme: Das Spiel als Paradigma

Es ist eine grundsätzliche Frage, wie sie auf strukturell ähnliche Weise an viele Gegenstände wissenschaftlicher Betrachtung herangetragen werden kann: Wurde die Kindheit als eine spezifische Lebensphase erst erfunden – im Europa des 18. Jahrhunderts von frühen Pädagogen wie Johann Bernhard Basedow und Joachim Heinrich Campe, die auch erste Kinderbücher schrieben? Und mit ihr das kindermäßige Spielen? Wie sehr ist das ein eurozentrischer Diskurs, wo auf der einen Seite diejenigen fiktiven Figuren stehen, welche eine Art ewige Kindheit verkörpern – wie Peter Pan und Pippi Langstrumpf – und auf der anderen Seite aktuell vielleicht Menschen von Sondergemeinschaften, die wie bei den Zwölf Stämmen glauben, „in der Welt des Spielens und der Phantasie wartet der Teufel, und den muss man den Kindern austreiben“ (Wolfram Kuhnigk nach Artikel in der Süddeutschen vom 9. September)?

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„Le Christianisme c’est le Communisme“: Sozialismus und Okkultismus im Frankreich des 19. Jahrhunderts

Frühe „utopische“, „sozialromantische“, „neuchristliche“ Sozialismen im Frankreich des 19. Jahrhunderts sind ein bisher von der historischen Forschung stiefmütterlich behandeltes Thema. Zugleich geht es im folgenden Interview – und auf den Gegenstand bezogen spätestens ab dem historischen Wendepunkt der Machtübernahme durch Napoleon III. 1851 – um die Vorgeschichte dessen, was man gemeinhin „modernen Okkultismus“ zu nennen pflegt. REMID interviewte Julian Strube (vgl. auch das Interview zum esoterischen Neonazismus der Gegenwart) über sein Dissertationsprojekt.

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Erinnerungen an die Zukunft: „Science-Fiction“ oder „Scientology“

„Erinnerungen an die Zukunft – gibt es die? Erinnerungen an etwas, das wiederkommt? […] Der Mensch von heute ist anders als der Mensch von gestern oder vorgestern. Der Mensch ist immer wieder neu und erneuert sich in Permanenz auf der unendlichen Linie, die wir Zeit nennen. Der Mensch wird die Zeit begreifen und – beherrschen müssen! […] Und ohne ein Ende gibt es eine Zeit, in der alle Zeiten zusammenfließen“, so begann 1968 Erich van Däniken sein gleichnamiges Buch. Nun soll es nicht um Prä-Astronautik gehen und Religionsgeschichte als Unheimliche Begegnung der Dritten Art. Allerdings war Däniken ein Pionier darin, die Zukunft in der Vergangenheit zu suchen – auch wenn er nicht die erste Person war, welche eine Utopie in einer erloschenen Epoche vermutete. „Science-Fiction ist der neue Western – genauso staubig und genauso tot“, sagte bereits 2008 Gregor Sedlag auf der re:publica. Eine größere Debatte löste der Telepolis-Artikel „Science Fiction am Ende?“ von Michael Szameit Anfang 2012 aus (vgl. Antworten der Science-Fiction-Autoren Myra Çakan und Dirk van der Boom). Wie steht es um unsere Ideen der Zukunft?

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Religion, Politik und Partei(programm): Von Glücksempfinden und gesellschaftstragenden Utopien

Der erste Weltglücksbericht der UNO ist vor kurzem erschienen. Am Glücklichsten sei man in Dänemark, Norwegen, Finnland und den Niederlanden, dagegen empfinde man in Benin, in der Zentralafrikanischen Republik und in Togo am wenigsten Glück. Deutschland kommt beim Gallup World Poll nur auf den 30., beim World Happiness Report auf Platz 47. An erster Stelle stehe dabei Arbeit bzw. Erwerbstätigkeit als Faktor des Glücks, dicht gefolgt von Partnerschaft und Religion. Auch Gesundheit und eine grüne Umwelt sind wichtig (vgl. taz-Artikel vom 27. Mai). Insgesamt bringen die Autoren der Studie es auf folgende Formel: „Solange es kein hohes Niveau von Altruismus und Vertrauen untereinander gibt, kann eine Gesellschaft nicht glücklich sein. Deshalb riet schon Aristoteles, dass Glück hauptsächlich durch tugendhafte Akte angestrebt werden sollte. Auch Buddha und unzählige andere Weise argumentieren so, ebenso viele heutige Psychologen und moralische Führer.“ (zitiert nach ebenda). Doch was befördert ein „hohes Niveau“ kooperativen Handelns? Welche Rolle spielt „Religion“ dabei? Und in Anbetracht der taz-Formulierung „vor allem in armen Ländern mit unsicheren Lebensbedingungen hat der Glaube offenbar eine deutlich tröstende Funktion“: Wie verändert sich die Perspektive, wenn man nicht allein auf „Religionen“ im Sinne eines konventionellen Begriffes schaut, sondern überhaupt nach dem fragt, was man als „gesellschaftstragende Utopien“ bezeichnen könnte?

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Aussteiger. Zur Geschichte eines einstigen Modewortes

Von „Neoprimitiven“ spricht Peter Mühlbauer angesichts der Gruppe(n?), die sich nach isländischen Vulkanen „Das Grollen des Eyjafjallajökull“ oder auch „Hekla“ nennen und laut ihrer Bekennerschreiben auf indymedia.org (man googele selbst) „die quälende und mörderische Normalität“ mit Anschlägen (vor wenigen Tagen auf Berliner Schienennetze) bestreiken möchten. Einerseits geht es um Themen wie Atomausstieg, Waffentransporte, Kapitalismuskritik („Alternativlosigkeit“), aber den zitierten Journalisten stört wohl im Besonderen die allgemeine Technikfeindlichkeit der anonymen Autoren: „Dabei sollen wir uns einfach an Ersatzscheiße gewöhnen, die zwischen uns Menschen installiert wird: Eben Handys, I-Phone, Internet, Mobilität“. Der gewaltverherrlichende Text möchte dabei suggerieren, per „Entschleunigung“ müsse das „mörderische Spektakel“ erst gestoppt werden, damit nicht mehr gelte: „Aussteigen geht nicht“ .

Doch um was geht es eigentlich bei Aussteigern? Dieser Ausdruck ist in der Religionswissenschaft ja nicht gänzlich unvertraut.

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