Das moderne Verhältnis von Coach und Weltanschauung und seine mögliche Bedeutung für die Zukunft neuer religiöser Bewegungen

(Bild von wikihow.com: How to Become a Certified Life Coach unter Creative Commons Lizenz CC BY-NC-SA 3.0).

Letztes Jahr ging es um die Frage, was denn eigentlich eine „Weltanschauung“ sei. Eine solche sei – nach dem Handwörterbuch religionwissenschaftlicher Grundbegriffe – eine „auf die Totalität des Wirklichen in seiner Bezogenheit auf das letzte Erklärungsprinzip und auf den ‚anschauenden‘ Menschen selbst gerichtete Einstellung“ (J. Edgar Bauer). Vielleicht aber ist so etwas – das zeigte schon die damalige Notwendigkeit von Setzungen, Ausschlüssen und Grenzfällen – möglicherweise ein Sonderfall menschlicher Assoziation. Damals ging es um praktische Fragen, Inhalte für unsere Religions- und Weltanschauungsstatistik zu bestimmen oder zu verwerfen. Als entscheidende Kriterien erschienen dabei entweder eine explizite Opposition zu allem Religionsähnlichen, ein affirmativer Bezug zu etwas, das „religiös“, „spirituell“ oder „esoterisch“ genannt werden kann, oder eine metaphysische Setzung (allerdings konnte das bereits die These sein, es existiere intelligentes außerirdisches Leben mitten unter uns). Verlässt man diese synchrone Gegenwartsanalyse und versucht, eine diachrone historische Perspektive einzubringen, klingen Konzepte wie „Weltanschauung“, aber auch „Neue Religiöse Bewegung“ oder ehedem „Sekte“ aber nach spezifischen historischen Erscheinungen, die sozusagen kommen und gehen. Insofern wäre die gerne von Religionswissenschaftler_innen vorgebrachte Korrektur der konservativ motivierten Deutung der modernen religiösen Vielfalt als Verfallserscheinung, nämlich dass das Entstehen neuer religiöser Bewegungen der „Normalfall“ der Religionsgeschichte sei, auf eine andere Weise infragezustellen: Könnte eine solche Analyse zu dem Schluss gelangen, dass es sinnvoll sein könnte, von einem „Zeitalter“ der neuen religiösen Bewegungen zu sprechen? Was hat es mit dem dahinter stehenden Anfangsverdacht auf sich, also dass die Wahrnehmung möglich wird, die Entstehung neuer religiöser Bewegungen könnte (wieder?) zur „Ausnahme“ werden? Wie sieht das bei „Weltanschauungen“ aus? Und was haben Coaching und Lebensberatung damit zu tun?

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Religionswissenschaft & Gender Studies: Selbstbestimmungsrechte und Theorie

Dieser Essay ist vielfach motiviert: Die neue Meta-Diskussion, die Prof. Christoph Kleine kürzlich eröffnete, gehört dazu (auf dieses Interview werden alsbald weitere folgen); Überlegungen zum Thema Religion und Journalismus; das zuletzt erschienene Interview mit Dr. Dana Fennert, insofern dort neben islamischem Feminismus über eine global und interreligiös vernetzte Pro-Familie-Bewegung berichtet wurde; und schließlich eine Art Kampagne der lokalen Marburger Presse über einen Vortrag, der teilweise wegen Ausladung des Referenten und teilweise wegen Absage durch den Referenten gar nicht stattfinden wird. Was diese unterschiedlichen Dinge miteinander zu tun haben könnten, möchte ich im Folgenden eruieren. Damit aber die Stoßrichtung unmittelbar klar wird: Die Gender Studies liefern so etwas wie das theoretische Rüstzeug für gesellschaftlich-politische Akteur_innen, welche das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung stärken wollen; die Religionswissenschaft könnte eine ähnliche Rolle in ihrem Feld von Religion, Spiritualität, Weltanschauung übernehmen. Dann ginge es um religiöse und weltanschauliche Selbstbestimmung. Die angedeutete Theorie- und Methoden-Diskussion hängt damit aber zusammen, denn die Analogüberlegung mit den Gender Studies zu Ende zu denken bedeutet, entsprechend den sexuellen Minderheiten gerade auch die Belange der religiösen und weltanschaulichen Minderheiten ernstzunehmen. Das hat theoretische Konsequenzen. Das wäre auch eine normative Entscheidung.

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Was ist eigentlich eine Weltanschauung?

Ursprünglich hatte REMID nur eine Religionsstatistik Deutschlands. Buddhismus, Hinduismus, Islam, Freikirchen und Orthodoxie, neue religiöse Bewegungen – alles das ist ansonsten gerne einfach als „Sonstige“ verhandelt worden, und das wollten wir ändern. Und streng genommen waren oft nur diejenigen Gemeinschaften, welche Körperschaft des Öffentlichen Rechtes sind, einbezogen worden. Dabei sind viele kleine Gemeinschaften als Verein organisiert – oder noch informeller. Inspiriert durch die Gründung des Koordinierungsrat säkularer Organisationen (2008) listen wir auch säkulare und „skeptische“ Gemeinschaften und Organisationen (seit 2012). Damit wird der Begriff der „Weltanschauung“ wichtig, schließlich geht es jetzt um eine Religions- und Weltanschauungsstatistik. Also was ist eigentlich eine Weltanschauung?

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Retweetet: Religion und Weltanschauung aus staatskirchenrechtlicher Perspektive

Während die Facebook-Seite von REMID sich bisher auf Nachrichten mit REMID-Bezug beschränkt, bietet unser Twitter-Account auch weitere religionsbezogene Nachrichten. Diese spiegeln nicht notwendig unsere Ansicht, in einigen Fällen werden zusätzlich „Kontrapunkte“ geliefert, etwa wenn die Bürger_innen von Weilerswist bei der Vermietungspraxis der öffentlichen Schulräume in schulfreien Zeiten einen Fundamentalismus-Filter wünschen, ein Hinweis auf einen REMID-Blog-Artikel über die Religionsfreiheit gefährdende Wirkung von solchen „Sektenfiltern“. Über Twitter kam auch der Kontakt zu Dr. Georg Neureither, Gründer und Inhaber der Internetplattform „Religion – Weltanschauung – Recht [ RWR ]“ (religion-weltanschauung-recht.de), zustande. Außerdem ist er Lehrbeauftragter für Staatskirchenrecht und Kirchenrecht an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Lehrbeauftragter für Religionsverfassungsrecht an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Prüfer in der Ersten juristischen Prüfung in Baden-Württemberg. REMID interviewte ihn über seine Medienarbeit und über eine religionsverfassungsrechtliche Perspektive auf das Zeitgeschehen.

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„Extreme“ Diskurse? Die Linke und die Religion

Es war im Jahr 2007 oder 2008, als eine Antifa-Gruppe zu einem Vortrag über „Esoterik“ in ein Szene-Café einlud. Um die dort beschriebenen Gruppierungen und Autoren, die unter Rückgriff auf Literatur wie die von Jutta Ditfurth (z.B. „Entspannt in die Barbarei. Esoterik, [Öko-]Faschismus und Biozentrismus“, 1996) als „Esoterik“ verhandelt worden sind, soll es gar nicht gehen. Entscheidender war der Diskussionsteil. Letztlich wurde auf den Punkt gebracht, dass jegliche Übernahme einer Praxis aus einer anderen Kultur bzw. Religion rückständig sei (so auch z.B. Yoga). Die Kontexte, in welche die Praxis ursprünglich eingebettet gewesen sei, könne man nicht einfach so ausblenden. Diese Kontexte wirken fort und deshalb müssten solche Kulturtransfers mit Kritik bekämpft werden. In letzter Konsequenz, so die Lehre aus dieser Abendveranstaltung für einige im Publikum anwesende Studierende der Religionswissenschaft, ergeben sich ideale Voraussetzungen für problematische Allianzen.

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„Religionen“ und der philosophische Streit der Fakultäten

Der Zoologe und Verhaltensforscher Frans de Waal fragt „Ist militanter Atheismus eine Religion geworden?“ und fordert im Anschluss einen neuen Humanismus „unter Primaten“ (Salon vom 25. März). Die Probleme „weiter“ Religionsbegriffe wurden bereits thematisiert, genauso wie die Schwierigkeiten „traditioneller“ Religionskonzepte. Gibt es vielleicht eine philosophische Möglichkeit, etwas Klarheit in die Diskussion zu bringen? Möchte man „Religionen“ in einem logischen Kalkül näher bestimmen, bietet sich an – erst einmal unter Ausschluss solcher Bestimmungen, welche ontologisch ein wie auch immer geartetes („religiöses“) Sein (höherer Wesen oder spezieller Erfahrungen) voraussetzen, oder „Religion“ im Singular als z.B. ethisches Prinzip deuten – , diejenige Differenz ins Auge zu fassen, welche auch für entsprechende historische Auseinandersetzungen seit der Aufklärung prägend wurde: Demnach sind „Religionen“ zunächst eine Form der (potenziellen) Vergemeinschaftung unter Einbezug bzw. auf Basis von gemeinsamen metaphysischen Urteilen.

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Eine kleine Geschichte vom Sinn des Lebens

Im Jahre 1731 war es noch üblich, wie Franz Sebastian Nonhardt in seiner theologischen Abhandlung „Die Allzeit bestrittene, aber niemahlen überwältigte Wahrheit des Heil. Römischen, Catholisch-Apostolischen Glaubens“ vorführt, eher davon zu sprechen, es seien „[d]ie Sinn des Lebens sehen / hören / kosten / fühlen / riechen alles Würckungen [Wirkungen]“, mit welchen Gott auf die Aktivitäten „in Nachstrebung nach dem jenigen / was die Seele will“ antworte (S. 444). Schon einen Schritt weiter geht Angelo Paciuchelli in seinem „Sittlichen Diskurs“ in der Übersetzung von Wunibald Reichenberger 1743. Angesichts der Vorstellung einer Verdunkelung der Welt im Moment des Sterbens Jesu am Kreuz greift der Tod um sich: „Es seyn tod alle Sinn, welche den Sinn des Lebens, und das Heyl eindrucken allen, die solche betrachten“ (S. 617). Es wird sich zeigen, wie das 18. Jahrhundert an der christlich-religiösen Figur Jesus überhaupt die Idee eines Sinns des Lebens als einer Bestimmung entwickelt, um dann zu sehen, wie grob ein Jahrhundert später durch insbesondere Autoren wie Wilhelm Dilthey dieser zum allgemeinen Kernbegriff eines eben gerade nicht metaphysischen Selbstverständnisses des modernen Menschen transformiert wurde. Die Rolle seiner Ausgestaltung hängt dabei eng mit derjenigen der Geisteswissenschaften zusammen.

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