| Kurzinformation
Religion:
Scientology- |
Hinweis: Diese Information wurde 2001 letztmalig aktualisiert. Einige Daten haben sich geändert, inhaltich hat es kaum Veränderungen gegeben. [2008]
Gründung
18. 2. 1954 in Los Angeles.
Gründer: Lafayette
Ron Hubbard (13. 3. 1911 – 24. 1. 1986)
Geschichte
1950: Veröffentlichung
von »Dianetics. The Modern Science of Mental Health«.
1954: Erste Scientology-Kirche
in Los Angeles.
1959: Einführung des
E-Meter.
1966: Rücktritt Hubbards
aus leitenden Funktionen.
Erste OT-Stufen (insgesamt
bis OT VIII).
1969: Gründung der
Citizens Commission on Human Rights.
1981: Gründung der
Church of Scientology International als Dachorganisation der Scientology-Kirchen.
1982: Bildung des Religious
Technology Centers als Führungsorganisation aller Scientology-Einrichtungen.
1986: Tod von L. Ron Hubbard.
1991: Neues Gradsystem (»Brücke
zur völligen Freiheit«).
1993: Anerkennung als Religionsgemeinschaft
in den USA.
Scientology
in Deutschland
1970: Erste Scientology-Kirche
Deutschland in München. In den 80er Jahren folgen Kirchen in Berlin,
Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt a. M..
1989: Gründung der
ersten Gruppen in der DDR und der Kirchen in Hannover und Stuttgart.
Nach eigenen Angaben bestehen
in Deutschland 8 Kirchen, 2 Celebrity-Centers und 8 Missionen / Dianetik-Zentren
(1998).
Lehre
Mit Hilfe von Dianetik (dia
nous, durch den Verstand) und Scientology (Lehre vom wissen) soll es dem
Menschen ermöglicht werden, den »Befehl: Überlebe!«
in acht sog. Dynamiken (Daseinsbereichen) optimal umzusetzen und zu seiner
eigentlichen Existenz als geistigem Wesen (Thetan) zu finden. Hierzu nutzt
ein Thetan Körper (body) und Verstand (mind) eines Menschen.
Der reaktive Teil des Verstandes
verhindert jedoch eine optimale Überlebensstrategie, weil geistige
Eindrucksbilder (Engramme) früherer leidvoller Erlebnisse nur Abwehrhaltungen
hervorrufen. Im Prozeß des Auditing sollen diese Engramme gelöscht
werden, wodurch der Mensch vom Status des »Preclear« zum »Clear«
übergeht und dadurch fähig ist, sein Leben erfolgreicher und
glücklicher zu gestalten. Auch seine physischen Funktionen sind verbessert.
Im weiteren Verlauf wird der »Clear« zum »Operierenden
Thetan« (OT) und soll dadurch in die Lage versetzt werden, das ihn
umgebende Universum, bestehend aus Materie, Energie, Raum und Zeit (engl.:
MEST), zu beherrschen. Der gesamte Prozeß wird als »Brücke
zur völligen Freiheit« beschrieben.
Mittels fest definierter
Zustände unterschiedlichster Lebenssituationen erfolgt eine Neuwahrnehmung
von Wirklichkeit. In dieses Konzept gehört auch, daß die Welt
klar in Freunde und Gegner von Scientology unterschieden wird. Gegner oder
Kritiker in den eigenen Reihen gelten als »potentielle Schwierigkeitsquellen«
oder »unterdrückerische Persönlichkeiten«, die den
Erfolg von Scientology verhindern. Ziel ist demgegenüber »eine
Zivilisation ohne Geisteskrankheit, ohne Verbrecher und ohne Krieg, in
der fähige Wesen erfolgreich sein und ehrliche Leute Rechte haben
können, und in der der Mensch die Freiheit hat, zu größeren
Höhen aufzusteigen.«
Hubbard hat die in »Dianetik«
beschriebenen grundlegenden Mechanismen und Prinzipien im Lauf der Jahre
auf nahezu alle Bereiche des Lebens ausgeweitet: Erziehung, Bildung, Sozialarbeit,
Wirtschaft und Verwaltung. Kernelemente bilden hierarchische Strukturen
und Kontrolle mittels genau festgelegte »Zustände«
sowie eine pragmatische, auf Erfolg ausgerichtete Lebenshaltung (»das
Gute ist, in größerem Maße erfolgreich als erfolglos zu
sein«). Dabei kann jedes Problem mittels der von Hubbard ausgearbeiteten
»Technologie« bewältigt werden.
Hubbard selbst gilt den
Anhängern nicht als Religionsstifter, sondern als Forscher und Philosoph.
Auch darin fällt Scientology aus dem üblichen Raster neuer Religionen
heraus.
Europäische
/ deutsche Besonderheiten
In Europa wird der Religionsstatus
von Scientology vielfach bestritten, da wirtschaftliche und politische
statt religiöse Interessen im Vordergrund stünden. In Deutschland
findet seit 1997 eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz statt, weil
Anhaltspunkte für Aktivitäten gegen die die freiheitliche demokratische
Grundordnung gesehen wurden. Der Verfassungsschutz konnte dies jedoch nur
anhand der Schriften nachwiesen, ohne daß konkrete Handlungen festgestellt
wurden. In Bayern müssen Bewerber für den öffentlichen Dienst
erklären, daß sie keine Scientologen sind. In einem Urteil des
Bundesarbeitsgerichts von 1995 wird Scientology ebenfalls der Religionsstatus
abgesprochen. Verfahren in anderen Bereichen (Vereinsrecht, Steuerrecht)
kamen z. T. zum gleichen Ergebnis. Auch hier manifestiert sich eine kritische
Haltung, die in Scientology vornehmlich ein Wirtschaftsunternehmen sieht,
das zudem seine Mitglieder ausbeutet. Aus diesen Gründen sieht sich
Scientology als Opfer staatlicher Diskriminierung.
Wichte
Elemente der Praxis
Die Anwendung der »Technologie«
Hubbards besteht zum einen im sog. Auditing (von audire, zuhören)
und zum anderen im genauen Befolgen vorab beschriebener Zustände und
sich daraus ergebender Aufgaben.
Den Weg vom Preclear zum
OT kann der einzelne sowohl durch das alleinige, kostenintensive Absolvieren
der aufeinander aufbauenden Kurse als auch durch die begleitende Ausbildung
zum Auditor durchlaufen. Aufbauend auf einem Persönlichkeitstest werden
im Auditing vom Auditor bestimmte, vorformulierte Fragen gestellt. Mit
Hilfe des sog. des E-Meters (Elektropsychometer), werden dabei die Engramme
aufgespürt und durch ihre schrittweise Bewußtwerdung schließlich
gelöscht. Im Verlauf des Prozesses kommen so auch Engramme aus früheren
Existenzen des Menschen als Thetan zum Vorschein. Das Auditing wird von
Kommunikationstrainings, Maßnahmen zur Entgiftung des Körpers
(z. B. der sog. Reinigungsrundows, bestehend aus der Einnahme von Vitaminpräparaten
in Verbindung mit intensiver Sauna) und vielem mehr unterstützt. Der
gesamte Verlauf wird in Protokollen festgehalten und kontrolliert. Dabei
kommt den Auditoren und ihrer Ausbildung eine besondere Rolle zu; nur er
kann den erfolgreichen Abschluß einer Stufe auf der »Brücke«
feststellen. Nach dem Selbstverständnis sind Auditoren »seit
der ersten Session von Scientology die einzigen Individuen auf diesem Planeten
und in diesem Universum gewesen, die in der Lage waren, die Menschheit
zu befreien.«
Kommunikationstrainings
und andere Kurse werden auch in Bereichen angewendet, die nicht zum Kernbereich
von Scientology gehören (z. B. Drogenarbeit, Managementschulungen).
Der Einstieg wird auch hier in der Regel durch den Persönlichkeitstest
hergestellt.
Scientology-Mitarbeiter
stellen ihre gesamte Existenz in den Dienst der Organisation, was eine
erhebliche Reduktion von Außenkontakten, die nicht der Werbung für
Scientology dienen, zur Folge hat.
Wichtige Feiertage: 13.
März (Geburtstag von Hubbard),
9. Mai (Veröffentlichung
von Dianetik), 2. September (Auditoren-Tag), 7. Oktober (Gründung
der International Association of Scientologists). Diese Veranstaltungen
haben äußerlich eher Event-Charakter. Beim »Sunday Service«
hingegen erläutert ein »Kaplan« zentrale Punkte der Lehre.
Die Sonntagspredigten werden nicht regelmäßig in allen Zentren
durchgeführt. Insgesamt gesehen nehmen kultische Handlungen (Hochzeiten,
Namensgebung u. a.) nur einen geringen Stellenwert im Gesamtsystem ein.
Verbreitung
Weltweit: Ca. 7 Mio. Mitglieder.
Nach eigenen Angaben hatte Scientology 1990 10.224 vertraglich verpflichtete
Mitarbeiter, davon über 50 % in USA.
Deutschland: Zwischen 5.000
und 7.000 (Stand: 2001).
Verbreitung: Insgesamt 75
Länder, v. a. USA und Europa.
Die Hälfte Mitglieder
verläßt Scientology innerhalb von 10 Jahren.
Organisation
Das Religious Technology
Center (RTC, seit 1982, Sitz: Los Angeles) ist das höchste Führungsgremium
und Inhaberin aller Rechte von Scientology und vergibt diese an andere
Scientology-Organisationen im Lizenz-Verfahren.
Alle Basiseinrichtungen
haben Dachorganisationen, z. B. die als »Mutterkirche« bezeichnete
Church of Scientology International (CSI, Los Angeles).
Am unteren Ende der hierarchischen
Struktur stehen die sog. Missionen, in denen einführende Kurse angeboten
werden. In den sog. Kirchen kann der Status des »Clear« erreicht
werden. Darüber hinaus gehende Kurse zum OT wie auch in der Ausbildung
werden in ausgewählten Einrichtungen in Kopenhagen, East Grinstead,
Los Angeles und Sydney durchgeführt. Die Celebrity-Centers hingegen
wenden sich besonders an Künstler und andere bekannte Pesönlichkeiten.
Daneben bestehen quer zu
dieser Hierarchie organisierte Einrichtungen. So besteht die Sea-Org aus
ca. 5.000 hochrangigen Scientologen, die sich zur lebenslangen Mitarbeit
verpflichtet haben. Die auf dem Schiff ›Freewinds‹ residierende Sea-Org
wird von Scientology als »religiöser Orden« bezeichnet,
deren Mitglieder auch in anderen Scientology-Organisationen tätig
sind. Auf der ›Freewinds‹ wird auch die oberste OT-Stufe absolviert. Die
International Association of Scientologists (IAS) setzt sich aus Mitgliedern
zusammen, die hohe Beiträge spenden. Über die IAS werden einzelne
PR-Aktionen finanziert. Das Office of Special Affairs (OSA, sog. Geheimdienst)
ist ebenfalls für PR-Aktionen zuständig, aber auch für die
Informationsbeschaffung im Rahmen von Öffentlichkeitskampagnen.
Wichtige
Vorfeldorganisationen
World Institute of Scientology
Enterpreises (WISE) – Dachorganisation für Unternehmen, die Scientology-Technologie
anwenden (in Deutschland ca. 100 bis 150). Die Unternehmen entstammen v.
a. dem Mittelstand und Kleingewerbe. Wichtige Zweige sind Immobilienfirmen,
Neue Medien, Managementschulungen.
Association for Better Living
and Education (ABLE) – Dachverband für die Koordination von Aktivitäten
im sozialen Bereich wie Drogenarbeit (»Narconon«) oder Ausbildung,
in denen Scientology-Methoden angewendet werden.
Citizens Commission on Human
Rights (CCHR, deutsch: Kommission für Verstöße der Psychiatrie
gegen Menschenrechte, KVPM). Die CCHR wendet sich v. a. gegen die sog.
traditionelle Psychologie, die sich durch »Unfähigkeit, Lügen
und unmenschliche Brutalität« auszeichnen soll und deshalb zu
bekämpfen sei.
Darüber hinaus existieren
zahlreiche weitere Vorfeldorganisationen, die z. B. Berufsgruppen-Lobbyarbeit
für Scientology durchführen.
Schriften
Basisinformationen in: Was
ist Scientology?, hg. von der Church of Scientology International, 1993.
Zeitschrift Freedom (in
Deutschland: Freiheit). Darüber hinaus Einzelpublikationen zu Themen
wie Psychologie, Kriminalität, Religionsfreiheit.
Zahlreiche Bücher,
Kurse, Videos, Vortragsmanuskripte, etc. von L. Ron Hubbard über Dianetik
und Scientology.
Kontaktadressen
Church of Scientology International
6331 Hollywood Boulevard,
Suite 1200
Los Angeles, California
90028
www.scientology.org
Scientology-Kirche Deutschland
e.V.
Beichstraße 12
80802 München
Tel. 089 / 38 60 70
Literatur
Über die zahlreiche
Kritiker-Literatur hinaus gibt es kaum ausgewogene Darstellungen zu Scientology.
Empfehlenswert: Werner Thiede, Scientology – Religion oder Geistesmagie?,
Neukirchen-Vluyn, 1. Aufl. 1992.
(c)
REMID 2001.
Bearbeitung:
Ulrike Bieker, Steffen Rink