Antisemitismus: “Wir erleben einen digitalen Neuaufbruch des Verschwörungsglaubens”

Superhelden, Superschurken, Verschwörung – viele populäre Mythen sind von antisemitischen Denkmustern durchzogen. Es geht um “Verschwörungstheorien”. Bzw. das, worum es geht, das sind gerade keine Theorien, sondern ein bestimmter Typus von Mythen, erklärt Michael Blume, Religionswissenschaftler und Antisemitismus-Beauftragter Baden-Württembergs. REMID interviewt ihn zu seinem neuen Buch “Warum der Antisemitismus uns alle bedroht” (Patmos 2019).

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Diskussionskultur in der Wissenschaft. Ein Interview mit “Max Musterwesen”

Anonymität ist in öffentlichen Debatten umstritten. Auf der einen Seite vermutet man Tricks, Verleumdung, Unehrlichkeit, in einer freien Gesellschaft gäbe es keine Gründe für Anonymität. Durch die Gewährleistung, dass alle die gleichen passiven Rechte innehaben, gelte gleichzeitig die Pflicht, sozusagen auch Gesicht zu zeigen. Kritiker*innen dieser Ansicht verweisen auf strukturelle Ungleichgewichte, die durchaus auch in freien Gesellschaften Anonymität nahelegen können, wenn es darum geht, Missstände anzusprechen. Das ist jetzt passiert, in einer Mailingliste der Religionswissenschaft. REMID fragte nach, worum es der anonymen studentischen Stimme mit ihrer Intervention gegangen war.

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Leben nach der Heiligen Anastasia. Rechtsradikalismus in Grün


Zur Anastasia-Bewegung gab es bei REMID zuletzt 2016 einen ausführlicheren Artikel (vgl. Rechte Ideologie im esoterischen und neureligiösen Bereich). Über seine Recherchen zu der neuen religiösen Bewegung aus Russland interviewt REMID Raimond Lüppken, freier Journalist und Rechtsextremismusexperte.

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Reaktionär, konservativ oder progressiv? Ein Glossar. Teil 1: Dialektik von Moderne und Mythos

“Im Fall des überwertigen Realismus kann davon gesprochen werden, dass Werte, Anpassungsforderungen bzw. der Status quo lediglich aufgrund ihrer bloßen (als unerschütterlich wahrgenommenen) Existenz unhinterfragt akzeptiert werden – und eben nicht, weil man sie für richtig hält. Man kann hier also von einer lediglich pragmatischen Akzeptanz (Mann 1970[: The social cohesion of liberal democracy. American Sociological Review 35: 424-439; Anm. C.W.]) der gesellschaftlichen Verhältnisse sprechen. Diese werden akzeptiert, weil sie bestehen und man sich keine andere Alternative vorstellen kann oder will. Es ist zu vermuten, dass es jemanden, der zum überwertigen Realismus neigt, vergleichsweise schwer fällt, gute, das heißt inhaltliche Gründe für seine Akzeptanz der sozialen Verhältnisse zu finden. Beim Wertkonservativismus liegen die Dinge jedoch anders. Hier kann eher von einer normativen Akzeptanz (ebd.) der Sozialordnung gesprochen werden. Die Wert- und Anpassungsvorstellungen werden hier von dem Einzelnen bewusst reflektiert, aus normativen Gründen übernommen und können daher auch auf Nachfragen expliziert und begründet werden” (und hier bestehen geringere Werte auf entsprechenden Skalen wie Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit; Veronika Schmid: Die unerträgliche Freiheit der Anderen – Studien zum überwertigen Realismus, Marburg 2013, S. 155f.). In anderen Worten: Es ist entscheidend für die Beurteilung einer Weltanschauung, ob sie in diesem Sinne als ‘reaktionär’, ‘konservativ’ oder ‘progressiv’ befunden wird. In wiederum anderen Worten: Es geht also darum, “religiösen” oder auch “weltanschaulichen” Nonkonformismus zu differenzieren (man vgl. die Interviews zum Graduiertenkolleg “Religiöser Nonkonformismus und kulturelle Dynamik” in Leipzig mit Thomas Hase, ‘In Sekten’? Religiöser Nonkonformismus als Auslöser kultureller Dynamik – aktuelle Ansätze in der Religionsforschung, 2012, und Jörg Albrecht, Religion und (alternative) Ernährung: Vom ‚Kohlrabi-Apostel‘ zum ‚Bionade-Biedermeier‘, 2018)

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Die Maxime “Theologie ist nicht Religionswissenschaft” und die Debatte um den Islam

 

Im heutigen Interview mit mit der Religions- und Islamwissenschaftlerin Assia Harwazinski (Tübingen) geht es um die unterschiedlichen Perspektiven und Zugänge von Islamwissenschaft und Religionswissenschaft, die Rolle der Theologien und das Verhältnis von Säkularität, Wissenschaft, Islam und Christentum.

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Soziologie auf Abwegen? Vom Quexit und warum Geisteswissenschaftler*innen gerade besonders wichtig sind

Laut FAZ gibt es aktuell einen neuen “Methodenstreit” in der Soziologie (Artikel vom 23. Januar), genauer einen “Positivismusstreit”. “Natürlich gab es schon immer Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen sozialwissenschaftlichen Richtungen, insbesondere zwischen den Vertretern der qualitativ-hermeneutischen Ansätze und jenen der quantitativ-metrifizierenden Verfahren”, liest mensch da. Und: “seit dem Positivismusstreit der sechziger Jahre [habe] auch keine dieser Richtungen mehr einen Alleinvertretungsanspruch für das Fach angemeldet”. Vom “Quexit” ist die Rede, in Anlehnung an den “Brexit”, Englands geplanten Austritt aus der Europäischen Union, wegen der “Qualos”, den Vertreter*innen qualitativer Ansätze von Sozialforschung, einer “Pippi-Langstrumpf-Soziologie”. Mit diesen wird der “Quexit”, der “Auszug[.] der quantitativen Sozialforschung aus der Soziologie” (Stefan Hirschauer, Der Quexit, Soziolpolis, 2018), begründet. Oberflächlich betrachtet geht es um Ideen von Repräsentativität, der Initiator der ‘spaltenden’ “Akademie für Soziologie”, Thomas Hinz, spricht eher von einer “Unterrepräsentanz” quantifizierener Methoden, und widerspricht zumindest nicht der Zuordnung der Akademie zu “Positionen, die nah am Kritischen Rationalismus und Realismus liegen” (Blog des Soziologie-Magazins, Mai 2018). Eigentlich ginge es auch nicht um weniger Vielfalt in den Methoden, sondern darum “zu einem methodisch kontrollierten und transparenten Weiterentwickeln von Erkenntnissen bei[zu]tragen”, und dass “die wissenschaftlichen Ansätze [nicht] gleichsam um ihrer selbst begründet werden” (ebd.). Einheit in der Vielfalt? Das Problem ist weitaus komplexer, und hat sogar tatsächlich auch eine politische Dimension.

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Religion und (alternative) Ernährung: Vom ‚Kohlrabi-Apostel‘ zum ‚Bionade-Biedermeier‘

REMID interviewt Jörg Albrecht vom Graduiertenkolleg “Religiöser Nonkonformismus und kulturelle Dynamik” (Leipzig, vgl. “In Sekten”? Religiöser Nonkonformismus als Auslöser kultureller Dynamik – aktuelle Ansätze in der Religionsforschung, 2012; Religion und Öffentlichkeit II: Sommerschule diskutiert über Nonkonformismus, 2012) zum Thema seiner Doktorarbeit “Vom ‚Kohlrabi-Apostel‘ zum ‚Bionade-Biedermeier‘: Zur kulturellen Dynamik Alternativer Ernährung”. Dabei ist nicht nur spannend, dass er sich als Religionswissenschaftler diesem Gegenstand nähert, sondern dass gerade an einer solchen Transferleistung deutlich wird, was im Feld “theologischen” Debatten äquivalent wird, wenn das Feld religionswissenschaftlich bearbeitet wird, als ob es sich um religiöse Bewegungen handele. Das ist hier also methodologisch zu verstehen und gerade nicht als entwertend gedachte Polemik gegen die “alternativen” Formen der Ernährung (siehe dazu: Veganismus ist keine Religion! Ein Essay über demokratische Kultur, 2013).

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Religionswissenschaft gegen Vorurteile und Stereotype: Interview mit dem SORAPS-Projekt

Das heutige REMID-Interview wurde geführt mit Felix Petzold, Leiter im Team des nationalen Partners im SORAPS-Projekt, Universität Augsburg, und dem Projektkoordinator, Giovanni Lapis, L’Università Ca’ Foscari Venezia. SORAPS steht für: “Study of Religions against Prejudices and Stereotypes”, also “Religionswissenschaft gegen Vorurteile und Stereotype”. Herr Petzold hat zudem die Passagen von Giovanni Lapis übersetzt.

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Von Agnostizismus bis Säkular: Eine Zusammenstellung zu nichtreligiösen Weltanschauungen

Unter einem früheren ‘A-Z’, nämlich “Religion und Vorurteil von A-Z” (2015; man siehe aber auch Buddhas Drittes Auge – Populäre religionsgeschichtliche Irrtümer von A bis Z, 2015), kommentierte ein Leser, “eine schöne Erweiterung wäre mit der Aufnahme von ‘Atheismus’ denkbar, der im Bereich der Vorurteile für und wider Religion wohl eine ähnlich schillernde Rolle spielt, wie Säkularisierung/-rismus (die auch passend in dieser Reihe wären)”. Nun soll es aber an dieser Stelle weniger um “Vorurteile für und wider Religion” gehen, auch wenn hier und dort auch besondere religionwissenschaftliche Anmerkungen erfolgen, die man in dieser Hinsicht nennen könnte. Vielmehr soll es insbesondere um “Vorurteile für und wider Nichtreligion” gehen. Denn auch hier ist vielleicht die Religionswissenschaft ein guter Ansprechpartner, um zwischen z.B. Philosophie und den Theologien der Religionen zu vermitteln. Einerseits, weil die Möglichkeit des Nichtglaubens eine Bedingung der Möglichkeit überhaupt ist, so etwas wie eine vergleichende Religionswissenschaft sinnvoll betreiben zu können. Andererseits, weil schon aus religionsstatistischen Gründen auch diejenigen in den Blick kommen, die sich nicht religiös verorten. Zum Thema vergleiche aber auch unseren Themenschwerpunkt “Weltanschauungen und Säkularität”.

Bild von Albert Bridge unter Creative Commons Lizenz CC BY-SA 2.0.

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