Religion und Menschenrechte. Im Gespräch mit Amnesty International

In der letzten Woche wurde ein neuer Report der Nicht-Regierungs-Organisation Amnesty International veröffentlicht. Es geht um die Diskriminierung von Muslimen in Europa. Das Medienecho ist kontrovers. Etwa wenn es, wie im Fall Frankreich, auch mit einer laizistischen Tradition zu tun hat, dass religiöse Symbole oder das Tragen religiöser Kleidung in bestimmten öffentlichen Räumen eingeschränkt worden sind. Das “Anti-Burka-Gesetz” allerdings kann genauso als Ausdruck von Islamophobie verstanden werden (vgl. Telepolis-Artikel “Ein Fall für den Europäischen Gerichtshof der Menschenrechte”). Menschenrechte und Religion(en) können sowohl in Konflikt miteinander geraten als es auch Menschenrechte in Bezug auf religiöse bzw. weltanschauliche Selbstbestimmung gibt. Schließlich haben Menschenrechte als ethischer Wertekanon auch in ihrer Diskussion immer schon Bezüge zur Philosophie und zu religiösen Traditionen. REMID interviewte aus aktuellem Anlass Ulrike Fell von der Themenkoordinationsgruppe Religion und Menschenrechte bei der deutschen Sektion von Amnesty International.

Weiterlesen

Devotionale Fitness – Körperideale in evangelikaler Perspektive

Mönchsaskese und Martyrium, Krankheit und Schmerz – in solche Richtungen gehen für gewöhnlich die Assoziationen, wenn es um den Umgang mit dem Körper im Christentum geht (vgl. z.B. Die Christen und der Körper. Aspekte der Körperlichkeit in der christlichen Literatur der Spätantike; hrsg. von Barbara Feichtinger und Helmut Seng, 2004). Sport dagegen galt nach Pius XI. in seiner Enzyklika über die christliche Erziehung der Jugend (Divini illius magistri, 31.12.1929) als problematisch; er kritisierte “die Überschätzung des Sports, die auch im heidnischen klassischen Altertum die Entartung und den Niedergang echter körperlicher Erziehung zur Folge hatte” (zitiert nach Pater Rolf Hermann Lingen: Katholische Kirche und Sport). Anders sieht es allerdings bei einer aus Amerika kommenden Bewegung innerhalb des evangelikalen Spektrums aus. Wir interviewten Martin Radermacher zu diesen Formen devotionaler Fitness. Er arbeitet am Seminar für Allgemeine Religionswissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und promoviert zu devotionaler Fitness im Kontext des US-amerikanischen Evangelikalismus.

Weiterlesen

Religion – Kultur – Medizin: Diversity ist die Devise und nicht Rezepte-Lernen

Das Verhältnis von Religion und Medizin ist vielfältig. Man könnte auch von Kulturen und Medizin sprechen. Das ist allgemeiner, blendet aber aus, dass – wie die Nähe von “Heil” und “Heilung” andeutet – gerade religiöse Sinnkonzepte die kulturellen Bilder formen, mit welchen über Krankheiten gesprochen wird, diese interpretiert werden oder Umgang mit der Erkrankung prägen. Das wird um so wichtiger, nicht nur durch gesteigerte Phänomene der Migration, Globalisierung etc., sondern auch in Hinblick auf eine pluralistische Gesellschaft, die eine Sensibilität dafür abverlangt, dass Menschen verschieden sind und auch – neben divergierenden Deutungsmustern – andere Heilmethoden bevorzugen können. Wir interviewten zu diesen Themen Frau Dr. Solmaz Golsabahi vom Dachverband der Transkulturellen Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik DTPPP e.V.

Weiterlesen

Zwischen den Stühlen – ein Gespräch über Magie

Der Diplominformatiker und Religionswissenschaftler Daniel Böttger arbeitet an religionspsychologischen Fragestellungen (siehe z.B. “Intersubjektivität von Tranceerleben durch religiös-rituelle Körperhaltungen” in der Zeitschrift für junge Religionswissenschaft). Schon in einem zu Studienzeiten studentisch von ihm mit organisierten Seminar “Von Arktische Religion bis Zigarrenzauber” (2006) lag der Fokus auf “ungewöhnliche[n] Themen der Religionswissenschaft”. Konkret geht es darum, mit Methoden der empirischen Psychologie religiöse Phänomene zu untersuchen. Dabei kann es sich um die Neurologie des Mantra-Singens handeln (To say “Krishna” is to smile, Ritual Dynamics Konferenz 2008; neben dem Paper gibt es eine Videopublikation) oder um die Psychologie des Glaubenzweifelns. Wir haben ihn zum Thema Magie bzw. Glauben an übersinnliche oder paranormale Fähigkeiten oder Erfahrungen interviewt.

Weiterlesen

Kein Pfingstfest der Moral: über den Erfolg segregativer Thesen

Am 3. Juni hatte die Giordano-Bruno-Stiftung Peter Singer und Paola Cavalieri als “zwei Initiatoren des Great Ape Projects für Grundrechte von Menschenaffen” trotz des Protests von Verbänden zur Behindertenhilfe ihren Ethikpreis verliehen. Gleichzeitig bringt der “Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken” einen Essay des Schriftstellers und Juristen Bernhard Schlink (“Der Vorleser”), der seinen StudentInnen (und dem diese prägenden gesellschaftlichen Kontext) eine “Kultur des Denunziatorischen” vorwirft, welche an den Beispielen von moralischen (Negativ-)Urteilen der Studierenden (nach “heutigen” ethischen Vorstellungen) über juristische Autoren des 19. Jahrhunderts bis in die Zeit des Nationalsozialismus festgemacht wird. Der Text im nach Selbstverständnis “antiutopischen” und “liberalen” Blatt findet im Spiegel durch Georg Dietz seine Kritik als Ausdruck einer “Kultur des Opportunismus”, “[a]ls ob Mord nicht immer Mord ist, Lüge immer Lüge, Verrat immer Verrat”. Diese Debatten und Ereignisse sind für Religionswissenschaftler nicht nur aufgrund dessen interessant, da Schlink historische Fälle von Antisemitismus und Rassismus relativiert und da Singer die (pränatalen und frühkindlichen) Rechte Behinderter gegen die Rechte von Menschenaffen ausspielt.

Weiterlesen

Natur des Glaubens? Die Kontroverse um die Evolutionary Religious Studies

Dr. Michael Blume, der als Religionswissenschaftler über die Arbeiten von Hirnforschern zur Religion promovierte, dürfte den meisten insbesondere aufgrund seines Blogs “Natur des Glaubens. Evolutionsgeschichte der Religion(en)” bzw. “Biology of Religion. Exploring the Natural History of Faith” bekannt sein. Die deutsche Version erhielt 2009 den Scilogs Preis. Blume ist Teil des Forschernetzwerk der Evolutionary Religious Studies. Seine in der Religionswissenschaft bereits kontrovers diskutierten Thesen (vgl. “Gott, Gene und Gehirn. Warum Glaube nützt. Die Evolution der Religiosität”, mit Rüdiger Vaas, 2. Aufl. 2009) beeinflussten bereits Memetikerin Susan Blackmoore, allerdings versuchte auch Thilo Sarrazin mit verkürzten Zitaten aus Blumes Arbeiten seine kruden Theorien zu belegen. Vor kurzem erst sprach Michael Blume bei unserer Veranstaltungsreihe “Religion am Mittwoch” über “Evolutionsforschung zur Religion: Chancen und Grenzen”.

Weiterlesen

Religiöse Themen in den E-Petitionen des Bundestags

Eine durch die Neuen Medien ermöglichte Form der demokratischen Beteiligung der BürgerInnen an der Politik stellen die E-Petitionen des Bundestages dar. Es mag ein unüblicher Gegenstand religionswissenschaftlicher Betrachtung sein, dafür aber auch eine unerwartete Fundgrube.

Weiterlesen

Großhirn-Voodoo und Voodoo-Politik – Kritik einer Metapher

Während einerseits religiöse Phänomene traditionell dasjenige Gegenüber der Wissenschaften darstellen, an denen diese sich in ihren Kindertagen erfolgreich profilieren konnten, erhalten die so scheinbar entwerteten Begrifflichkeiten häufig damit den Rang negativer Metaphern. Diese Praxis ist diskriminierend, zugleich offenbart sie aber etwas, wie im Folgenden gezeigt werden soll. Häufig zu finden sind offenbar Beispiele, etwas mit “Voodoo” in Verbindung zu bringen. So etwa, wenn Veronika Hackenbroch im Spiegel online am 2. Mai der Neurowissenschaft “Großhirn-Voodoo” unterstellt.

Weiterlesen

Religion versus Wissenschaft – ein Osterspiel

Vor kurzem rezensierte Peter Monnerjahn für Telepolis das Buch „Abschaffung der Religion? Wissenschaftlicher Fanatismus und die Folgen“ des evangelischen Theologen Richard Schröder unter der journalistisch wenig taktvollen Überschrift „Journalistischer Selbstmord“. Unter Verweis auf die Medienereignisse um Jacques Benveniste und seine Thesen zur Homöopathie wird eine schärfere Trennlinie zwischen Religion und Wissenschaft eingefordert. Zurecht werden die biologischen Behauptungen Schröders kritisiert, weniger wird auf das eingegangen, was der das Buch zusammenfassende Zweizeiler im aktuellen Wikipedia-Artikel zum Autoren angibt, nämlich dass dieser unterstellt, Richard Dawkins („Der Gotteswahn“, 2006) fehle es an Wissenschaftlichkeit im Bereich der Kulturtheorie.

Weiterlesen