Devotionale Fitness – Körperideale in evangelikaler Perspektive

Mönchsaskese und Martyrium, Krankheit und Schmerz – in solche Richtungen gehen für gewöhnlich die Assoziationen, wenn es um den Umgang mit dem Körper im Christentum geht (vgl. z.B. Die Christen und der Körper. Aspekte der Körperlichkeit in der christlichen Literatur der Spätantike; hrsg. von Barbara Feichtinger und Helmut Seng, 2004). Sport dagegen galt nach Pius XI. in seiner Enzyklika über die christliche Erziehung der Jugend (Divini illius magistri, 31.12.1929) als problematisch; er kritisierte “die Überschätzung des Sports, die auch im heidnischen klassischen Altertum die Entartung und den Niedergang echter körperlicher Erziehung zur Folge hatte” (zitiert nach Pater Rolf Hermann Lingen: Katholische Kirche und Sport). Anders sieht es allerdings bei einer aus Amerika kommenden Bewegung innerhalb des evangelikalen Spektrums aus. Wir interviewten Martin Radermacher zu diesen Formen devotionaler Fitness. Er arbeitet am Seminar für Allgemeine Religionswissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und promoviert zu devotionaler Fitness im Kontext des US-amerikanischen Evangelikalismus.

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Gespenster – festliche Dekonstruktion einer Universalkategorie

Das Gespenst oder die Geister gelten im allgemeinen als eine alte Kategorie so genannter “niederer Mythologie”, wie es die deutsche Philologie des 19. Jahrhunderts nannte. Sie werden erst im religionswissenschaftlichen Blickpunkt zu einer phänomenologischen Kategorie universaler Relevanz. Doch ist das den Forschern geläufige europäische Vorbild, welches ihnen weltweit für die Konzepte der Totengespenster, aber auch der Ahnengeister als Erklärungsmuster Modell stand, wirklich alt? Oder ist es vielmehr wie mit vielen in Zeiten des Nationalismus für traditionell ausgegebenen Bräuchen, wo es galt, mit “Volksaberglauben”, Märchen und Sagen einen kulturellen Wettbewerb auszufechten?

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Ihr Kinderlein kommet? Religiosität und Familienideal als Faktor der Demographie

In den meisten Religionen, so klingt es fast schon banal, spielen Familie und damit Fortpflanzung irgend eine Rolle. Bezüglich westlicher Industrieländer gilt aber seit dem so genannten “Pillenknick”, dass zumindest auf einmal für erheblich mehr Menschen als zuvor die theoretische Möglichkeit besteht, aus dem Kindersegen eine Frage der Wahl zu machen. Dr. Carsten Ramsel ist der Frage nachgegangen, inwiefern Religion als Faktor einen Einfluss auf die Demographie haben könnte und hat in einer qualitativen Untersuchung seine Hypothesen mittels Diskussionen in 15 verschiedenen religiösen Gruppen unterschiedlichster Coleur überprüft. REMID interviewte ihn zu seiner Studie.

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Mudangs, Weon-Buddhismus und Hananim – religiöser Pluralismus in Südkorea

Nach Hai-Ran Woo lautet die koreanische Übersetzung von “Pluralismus”: “Chonggyo Dawôn Chûi” (“Religion” – “mehrere Quellen” – “Ideologie” / “-ismus”) und als Konzept sei “religiöser Pluralismus” durch zunächst westlichen Einfluss dann über die koreanische Religionswissenschaft bekannt gemacht worden. Ihre Rolle habe sich dadurch ergeben, dass es keine dominante Religion in Korea gebe (vgl. Die Dialogbewegung aus der Perspektive nicht-westlicher Religion. In: Michael Pye / Edith Franke (Hrsg.): Religionen nebeneinander: Modelle religiöser Vielfalt in Ost- und Südostasien, Münster 2006, S. 121-144). Über den religiösen Pluralismus Südkoreas interviewten wir Religionswissenschaftler Dr. Heinz-Jürgen Loth.

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Islamophobie: Pauschale Ablehnung einer gesamten Religionsgemeinschaft hat mit Religionskritik nichts zu tun

Während die schwarz-gelbe Regierungskoalition ihre ursprünglichen Pläne zur Kürzung der Programme gegen Rechts zurücknehmen will, kritisieren konservative Stimmen “Symbolpolitik” oder streiten um die Extremismusklausel (welche auch manche Kooperationspartner beim Kampf gegen Rechts betrifft). Alle Erklärungen und Absichten angesichts der aktuellen Rechtsterror-Debatte sollten sich aber nicht allein auf altbekannte Milieus wie die Neonazi-Szene oder ein neu zur Diskussion stehendes NDP-Parteiverbot konzentrieren: So verwundert es kaum, dass wenige jetzt Thilo Sarrazin ins Gedächtnis rufen, der letztes Jahr mit seinem Bestseller “Deutschland schafft sich ab” demonstrierte, dass rechte Positionen in Bezug auf den Islam viel tiefer in der Gesellschaft verwurzelt sind. Wir interviewen dazu den Buchautor und Religionswissenschaftler Florian Illerhaus.

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Wer zählt was? Statistiken aller Religionen der Welt und ihre Probleme

REMID bietet eine inzwischen häufig zitierte Internetstatistik zu den Religionsgemeinschaften Deutschlands an, die auf eigenen Auswertungen religionswissenschaftlicher Arbeiten sowie auf Veröffentlichungen von Mitgliederzahlen z.B. der großen christlichen Kirchen beruht. Wir erhalten allerdings auch Anfragen aus der Rubrik lokaler Religionsforschung, solche zu anderen Ländern und eben die nach der Religionsverteilung weltweit. Diese Fragen gehören bislang nicht zum Service von REMID. Die Ergebnisse einer Recherche zu dieser letzten Frage nach der Weltverteilung geben aber Anlass, kritisch nachzufragen, warum hier wer zählt – und welche Interessen mit den verschiedenen möglichen Lösungen der Frage: Wann gehört jemand zu einer Religion? zusammenhängen.

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Anders berichten. Gegen Sterotype in Bezug auf Islam und arabische Welt

Es war im Jahr 1978, als Edward Said den Begriff “Orientalismus” prägte und damit den westlichen, “eurozentrischen” Blick auf die arabische Welt als einen „Stil der Herrschaft, Umstrukturierung und des Autoritätsbesitzes über den Orient“ (1981, S. 10) analysierte. Auch wenn es Said um die akademische Orientalistik der Kolonialmächte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ging, ist sein Vorwurf weiterhin aktuell. Während zwar von unten inzwischen der “Tahrir-Platz” zum geflügelten Wort mit universaler Einsetzbarkeit aufgewertet wird, zeichnen die konventionellen Medien in Europa weiterhin gewohnte Bilder eines “Orients”. Nicht nur zum arabischen Frühling und zum interkulturellen Dialog interviewte REMID Wenke Krestin von eurient e.V.

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Weg von den Hinterhöfen. Interview mit Ahmadiyya-Gemeinde in Marburg

Wie bereits schon einmal angekündigt, sollen im REMID-Blog neben Wissenschaftlern und Vereinen, die sich mit Religionen beschäftigen, auch religiöse Gemeinschaften selbst zu Wort kommen. Folgendes Interview mit der Marburger Ahmadiyya-Gemeinde ergänzt dabei das Projekt der lokalen Religionsforschung von Hermann Ruttmann: “Vielfalt der Religionen am Beispiel der Glaubensgemeinschaften im Landkreis Marburg-Biedenkopf” von 1995. Die seit 2009 in Räumlichkeiten in der Bunsenstraße ansässige Gemeinde konnte damals noch nicht in das Projekt eingebunden werden. 2005 zählte REMID 50.000 Ahmadiyya-Gläubige bzw. 244 Gemeinden in Deutschland, religiöse Flüchtlinge aus Pakistan stellen einen größeren Anteil. Kamran und Saadat berichten über das Leben als Angehörige einer muslimischen Minderheit in Deutschland.

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Im Reigen der Propheten: Apokalypse in aller Munde

Es grenzt nahezu schon an ein Wunder, dass man trotz der Allgegenwart von Untergangsprosa überhaupt noch erfährt, dass Harold Camping, seines Zeichens Prediger eines Family Radio, zum wiederholten Mal erfolglos den Weltuntergang in diesem Jahr, diesmal für den 21. Oktober, angekündigt hatte. Bzw. nach aktueller Lehre Campings stand der erste Termin für eine “Entrückung” der Wenigen, während am zweiten die übrigen Menschen untergehen sollten. Angesichts der schon seit einigen Jahrzehnten populären Prophezeiung zu 2012 (wir nahmen diesbezüglich an einem Wettbewerb der Gesellschaft für Anomalistik [GfA] um einen wissenschaftlichen Artikel über dieses Thema teil) fragt man sich nach einem Blick in die Medien: Das soll noch ein Jahr lang so weiter gehen?

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