Gefangen im Sprachspiel: Der Religionsbegriff und die neuen Atheisten

Es war eine Auszeichnung des frühen Ludwig Wittgensteins, den Begriff des “Sprachspiels” völlig ohne Voraussetzungen einer unabhängig von den Sprechern bestehenden “Natur” zu bestimmen. Man versuchte, den Schwebezustand, den man bei solchen Philosophien verspürte, abzuschwächen, indem Versuche unternommen worden sind, neben dem natürlichen auch das gesellschaftliche Sein des Menschen zu systematisieren und beide Seinsweisen auf verschiedene Weisen miteinander zu verbinden. Eine dieser Weisen führte zum Faschismus. In dieser Zeit institutionalisierte sich auch die Religionswissenschaft neben vielen anderen damals neuen Disziplinen. Doch wie aktuell sind auf solche Weise systematisierte Sprachspiele noch?

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Religion – Kultur – Medizin: Diversity ist die Devise und nicht Rezepte-Lernen

Das Verhältnis von Religion und Medizin ist vielfältig. Man könnte auch von Kulturen und Medizin sprechen. Das ist allgemeiner, blendet aber aus, dass – wie die Nähe von “Heil” und “Heilung” andeutet – gerade religiöse Sinnkonzepte die kulturellen Bilder formen, mit welchen über Krankheiten gesprochen wird, diese interpretiert werden oder Umgang mit der Erkrankung prägen. Das wird um so wichtiger, nicht nur durch gesteigerte Phänomene der Migration, Globalisierung etc., sondern auch in Hinblick auf eine pluralistische Gesellschaft, die eine Sensibilität dafür abverlangt, dass Menschen verschieden sind und auch – neben divergierenden Deutungsmustern – andere Heilmethoden bevorzugen können. Wir interviewten zu diesen Themen Frau Dr. Solmaz Golsabahi vom Dachverband der Transkulturellen Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik DTPPP e.V.

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Aussteiger. Zur Geschichte eines einstigen Modewortes

Von “Neoprimitiven” spricht Peter Mühlbauer angesichts der Gruppe(n?), die sich nach isländischen Vulkanen “Das Grollen des Eyjafjallajökull” oder auch “Hekla” nennen und laut ihrer Bekennerschreiben auf indymedia.org (man googele selbst) “die quälende und mörderische Normalität” mit Anschlägen (vor wenigen Tagen auf Berliner Schienennetze) bestreiken möchten. Einerseits geht es um Themen wie Atomausstieg, Waffentransporte, Kapitalismuskritik (“Alternativlosigkeit”), aber den zitierten Journalisten stört wohl im Besonderen die allgemeine Technikfeindlichkeit der anonymen Autoren: “Dabei sollen wir uns einfach an Ersatzscheiße gewöhnen, die zwischen uns Menschen installiert wird: Eben Handys, I-Phone, Internet, Mobilität”. Der gewaltverherrlichende Text möchte dabei suggerieren, per “Entschleunigung” müsse das “mörderische Spektakel” erst gestoppt werden, damit nicht mehr gelte: “Aussteigen geht nicht” .

Doch um was geht es eigentlich bei Aussteigern? Dieser Ausdruck ist in der Religionswissenschaft ja nicht gänzlich unvertraut.

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Aber das Wichtigste ist der «Faktor Mensch»: INFOREL in Basel

Bei REMID besteht die Möglichkeit, als Institution Mitglied zu sein. Dies nutzen ein Unternehmen, mehrere Religionsgemeinschaften (z.B. die Deutsche Buddhistische Union) sowie das inhaltlich verwandte Schweizer Projekt INFOREL. Während REMID 1989 von ReligionswissenschaftlerInnen gegründet wurde, waren es Angehörige von elf Religionsgemeinschaften, welche 1987 INFOREL ins Leben riefen, um differenzierte, unabhängige Information über Religionen, kirchliche Gemeinschaften, religiöse und weltanschauliche Bewegungen anzubieten. Wir interviewten den Leiter, den Religionswissenschaftler Christoph Peter Baumann.

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Fluchtgrund: (Un)Glaube. Ein Interview zum Tag des Flüchtlings

2010 ‚feierte’ die Genfer Flüchtlingskonvention (GFK), das internationale Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge den 60. Geburtstag. Die vom Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) veröffentlichten Weltflüchtlingszahlen 2010 belegen, dass dieses Abkommen auch heute noch notwendig ist, den internationalen Flüchtlingsschutz sicherzustellen. Mit insgesamt 43,7 Millionen Flüchtlingen – das entspricht der Bevölkerungszahl von Skandinavien und Sri Lanka zusammengenommen – stellte 2010 einen neuen Rekord auf. Seit 15 Jahren waren nie mehr Menschen auf der Flucht. Mehr als die Hälfte von ihnen – 27,5 Millionen Menschen – waren innerhalb ihres Heimatlandes auf der Flucht. Von denen, die ihr Land verlassen konnten / mussten fanden 4/5 Zuflucht in den unmittelbaren Nachbarländern. Anlässlich diese traurigen Rekords sprach REMID mit Rita Schillings, Geschäftsführerin des Flüchtlingsrates Leverkusen, über ihre Erfahrungen mit ‚religiösen’ Fluchtgründen in ihrer Beratungstätigkeit.

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“Pyramiden” im Dschungel – auf Forschungsreise in Guatemala

Der Archäologe Achim Schulze berichtet von seinen Forschungsarbeiten im Rahmen eines DAAD-Auslandsstipendiums für Doktoranden. Der Marburger Absolvent der Vor- und Frühgeschichte beschäftigt sich in Unterstützung durch die Bonner Altamerikanistik mit der Vorklassik der Maya in Mesoamerika. Er selbst hat in den letzten 10 Jahren bereits mehrere Male die Länder mit den „Pyramiden im Dschungel“ bereist, wobei er den Begriff „Pyramide“ nicht besonders gerne hört. Neben Einblicken in die präkolumbianische Zeit vor der Conquista geht es um die Gegenwart der synkretistischen indianischen und/oder afroamerikanischen Religionen, die Zukunft der Altertumswissenschaften und die esoterischen Erwartungen mancher Maya-Touristen.

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Der Buddha im Westen: Moderne einmal anders

Weder Islam, Buddhismus oder Hinduismus haben es bislang geschafft, als Körperschaft des Öffentlichen Rechtes anerkannt zu werden. Dabei sind Buddhisten ein nicht zu vernachlässigender Faktor in der deutschen Religionslandschaft geworden, der z.B. rein zahlenmäßig durchaus dem Judentum nahekommt. REMID befragte Michael A. Schmiedel zu aktuellen Entwicklungen des Buddhismus in Deutschland und global, zur Ost-West-Brille, mit der häufig Religionen aus Asien betrachtet werden und zur Rolle des interreligiösen Dialogs.

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Religionswissenschaftler und Stellenmarkt – Ideal versus reales Angebot

Vor kurzem begann eine aktuell weiter anhaltende Debatte in einer internen Liste für Religionswissenschaft. 770 Teilnehmer sind bei ihr angemeldet und es ist im Wissenschaftssektor vielleicht eine Seltenheit, dass VertreterInnen eines Faches so intensiv Grundsatzdebatten führen und sich auf diese Weise einen Spiegel vorhalten, den sicherlich auch andere Disziplinen manchmal nötig hätten. Der Anlass war das Missverhältnis von konfessionsloser, empirischer Religionswissenschaft als Gesellschaftswissenschaft einerseits und den tatsächlichen Berufsangeboten andererseits, welche gerne aus dem Bereich der christlichen Theologien stammen oder ein entsprechendes Bekenntnis einfordern. So kam unter anderem folgende Frage auf: Wie sieht es eigentlich aus, was für religiöse oder nicht-religiöse Selbstbilder bestehen bei denen, die Religionswissenschaft studieren?

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Globale Gurus: Indische Religionen auf Welttournee

Vielen Menschen ist heute vertrauter, dass “Hinduismus” ein Sammelbegriff ist, hinter dem sich eine Vielzahl von Religionen verbirgt. Bewegungen wie die Hare Krishnas haben einen indischen Hintergrund, agieren aber international, auch in Deutschland. Die Frage, ob bzw. inwieweit und aus welcher Perspektive letztgenannte z.B. “hinduistisch” sind, lässt sich gar nicht so einfach beantworten. Wir haben zu aktuellen Entwicklungen um globale Gurus und indische Religiosität Prof. Dr. Frank Neubert (Religionswissenschaft in Bern) befragt. Von ihm ist bei REMID die Studie “Krishnabewusstsein. Die International Society for Krishna Consciousness (ISKCON) – ‘Hare-Krishna-Bewegung’” mit Unterstützung des Sonderforschungsbereiches Ritualdynamik der Universität Heidelberg erschienen. Seine aktuellen Arbeiten beschäftigen sich neben vielem anderen mit Neuformierung von Religion in der Gegenwart und “Global Hinduism”.

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