Religionsparodien – konstitutives Element einer entwicklungsoffenen Religionsfreiheit?

Der Titel meines Vortrages in Jena wurde mir vorgegeben: “Religionsparodien – wie damit umgehen?”. Man spricht auch von “Spaßreligionen”, angedacht ist eine vorgebliche religiöse Verehrung von fliegenden Spaghetti-Monstern oder rosaroten Einhörnern zum Zweck der Parodie von Religionen. Gerade eine Religionswissenschaft, welche essenzialistische Bestimmungen “der Religion” nach ihrem angedachten “Wesen” hinter sich gelassen hat und mit einem erweiterten Religionsbegriff arbeitet, steht vor dem Problem, formal diese Parodiereligionen wie eine neue religiöse Bewegung einstufen zu müssen. Allerdings zielt dann die Frage nach dem Umgang darauf ab, sie in irgendeiner Form auszuschließen. Ich will im Folgenden zeigen, wie folgenschwer problematisch das wäre. Es wird darauf hinauslaufen, dass Religionsparodien für Religionswissenschaftler*innen sogar von systematischem Interesse sein könnten.

Weiterlesen

Neue Stiftungsprofessur in Leipzig: Religionskritik als Gesellschaftskritik?

An der Universität Leipzig wurde eine neue Stiftungsprofessur für Religionswissenschaft und Religionskritik eingerichtet. Ziel ist es die wissenschaftliche, nüchterne und positive Kritik von Religionen zu betreiben, ohne Religionsfeindschaft zu propagieren. Der suspendierte Priester und Autor Adolf Holl, der als „innerer Kritiker“ der katholischen Kirche wirkt, stiftete die Professur, was anfangs gar nicht so einfach war, wie unter anderem der Deutschlandfunk berichtete. Man siehe auch den Beitrag im Humanistischen Pressedienst (Nachtrag: und Jungingers Replik). Adrian Gillmann interviewte Horst Junginger für die Säkularen Sozialdemokrat_innen. REMID gibt das Interview mit freundlicher Genehmigung wider.

Weiterlesen

Was glaubt, wer nicht glaubt? Vergleichende Studie untersucht konfessionsfreie Identitäten

Eine neue vergleichende Studie von Prof. Dr. Tatjana Schnell (Universität Innsbruck), Prof. Dr. Hans Alma (University of Humanistic Studies, Utrecht), Dr. Elpine de Boer (Universität Leiden) und Dr. Peter La Cour (University of Copenhagen; hier geht es direkt zum Online-Fragebogen; Sie können bis Ende Dezember 2016 teilnehmen) versucht mittels sehr elaborierter Frageskalen das Feld der sogenannten Konfessionslosen oder Konfessionsfreien (vgl. z.B. Wer sind die Konfessionsfreien?) in fünf europäischen Staaten zu erschließen. Dabei geht es sowohl um die als “Ismen” vertrauten philosophischen Selbstverortungen als etwa Atheist oder Agnostiker (vgl. die Interviews mit Dr. Heinz-Werner Kubitza, Religion und Öffentlichkeit III: Säkularer Humanismus und Religionskritik, und mit Arik Platzek, „Abbau der systematischen Benachteiligung für Menschen ohne Religion“, sowie zur religionsphilosophischen Debatte um die Existenz Gottes mit PD Dr. Stamatios Gerogiorgakis, (A)Theismus und Religionsphilosophie: Aktuelle Streiflichter zur Debatte um die Existenz Gottes) als auch um diejenigen, welche ihre eigene Position zwar als nicht-konfessionsgebundene Weltanschauung verstehen, aber nicht aus jeder Perspektive als religionsfrei gedeutet werden. REMID interviewte Tatjana Schnell zu diesem besonderen Forschungsprojekt.

Weiterlesen

Religionsfreiheit und religiöse Vielfalt 2014: Indikatoren und Berichte

“In Herford entlud sich die Gewalt zwischen Jesiden und Sympathisanten radikaler Islamisten”, hieß es am 7. August in der “Welt” (vgl. unsere Kurzinformation Yeziden sowie zur aktuellen Situation den “[d]ringende[n] Appell zum Schutz der kurdischen Yeziden im Irak” der Gesellschaft für bedrohte Völker, der Kurdischen Gemeinde Deutschlands und des Zentralrats der Yeziden vom 4. August). Die aktuelle Krise der Religionsfreiheit im Irak ist längst in Deutschland angekommen. Das zur Denunziation und Drohung an Häusern von Christen angebrachte arabische Nun wurde zum Solidaritätszeichen, das online aktuell auf Webseiten oder als Profilbild von Twitter-Accounts (darunter auch Kirchen) zu finden ist. Doch wie sieht es aktuell global überhaupt mit Religionsfreiheit aus?

Weiterlesen

Interview: “Abbau der systematischen Benachteiligung für Menschen ohne Religion”

Im aktuellen diesseits-Heft des Humanistischen Verbandes Deutschlands wurde an einer Stelle der REMID-Blogartikel “Extreme liegen vorn: Alexa Ranks von religionsbezogenen Webseiten für Deutschland” vom 30. Nov. 2012 besprochen. Auch Dr. Michael Blume hatte sich vor einem Jahr unter dem Titel “Ablass per Twitter – Welche Religionen und Weltanschauungen gewinnen im Internet?” auf die ermittelte Rangliste religionsbezogener Webseiten in einem sogenannten SEO-Analyse-Tool bezogen. Anlass genug, mit Arik Platzek, diesseits-Redakteur, Journalist, Erfinder von wissenrockt.de, ein Interview zu führen – über Humanismus in Deutschland, Religionskritik, Sozial- und Medienarbeit – und Spiritualität.

Weiterlesen

Religiöse Vielfalt und politische Gegenwart im Libanon

Einen besonderen Blick auf ein anderes Land ermöglicht uns Christian Witt, Politologie-Student an der Universität Marburg. Nach der Herbstmigration der Bhaktiari im Iran, dem Christentum nicht nur auf den Philippinen, religiösem Pluralismus in Südkorea oder Auroville in Indien widmet sich das aktuelle Interview der religiösen Vielfalt und der politischen Gegenwart des Libanon – einschließlich der Anerkennungspraxis von Religionen, ihrer Beteiligung in der Politik, über Atheismus, westliche Kultur, Antisemitismus und antikes Erbe.

Weiterlesen

Okkulte DDR – Umgang mit heterodoxen Wissensbeständen, Erfahrungen und Praktiken

“Natürlich hatte Hans Bender – der wohl berühmteste (und gleichermaßen auch hierzulande nicht unumstrittene) Parapsychologe in der BRD – eine Stasiakte”, erwähnt Dr. Ina Schmied-Knittel am Rande, doch die genaue Sichtung der entsprechenden Akten, der öffentlichen und weniger öffentlichen Diskurse, der Praxis im Privaten wie ihrer Beobachtung und Dokumentation im Geheimen, Zeitzeugeninterviews – das ist die Aufgabe, der sich die Soziologin und ihr Team um Prof. Dr. Michael Schetsche und M.A. Andreas Anton während der Laufzeit des Projektes stellen. Dabei ist die Forschungsgruppe auf die Mithilfe von Menschen angewiesen, die damals in der DDR Erfahrungen mit diesen Themen sammeln konnten (Email: kontakt [at] okkulte-ddr.de).

Weiterlesen

(A)Theismus und Religionsphilosophie: Aktuelle Streiflichter zur Debatte um die Existenz Gottes

vier_reiter_atheismusNicht nur der Religionsbegriff lohnt einer näheren Betrachtung, wenn es um den sogenannten neuen Atheismus geht (vgl. Artikel Gefangen im Sprachspiel: Der Religionsbegriff und die neuen Atheisten). REMID interviewte PD Dr. Stamatios Gerogiorgakis (Universität Erfurt) zu milderen und strengeren Spielarten des Atheismus, zur rationalen Wahrscheinlichkeit Gottes und zur Religionsphilosophie.

Weiterlesen

Gleiche Rechte für alle Religionen und Weltanschauungen: Mit offener Religionspolitik kann Deutschland international zum Vorbild werden

Die Bahai-Gemeinde kann Körperschaft des Öffentlichen Rechts werden, das beschloss das Bundesverwaltungsgericht Ende 2012 in Leipzig: “Die absolute Zahl der Mitglieder oder das Verhältnis der Mitgliederzahl zur Bevölkerungszahl ist für sich allein regelmäßig nicht aussagekräftig für die Prognose, ob eine Religionsgemeinschaft dauerhaft bestehen wird. Die Bahá´i-Gemeinde in Deutschland besteht seit über 100 Jahren. Ihre Mitgliederzahl in Deutschland ist dabei langsam, aber konstant angestiegen.” Im Juni 2013 erhält darauf die Ahmadiyya Muslim Jamaat als erste muslimische Gemeinde den Körperschaftsstatus. Ebenfalls im Juni beschloss das Verwaltungsgericht Arnsberg, der Hindu-Tempelverein in Hamm sei als Körperschaft anzuerkennen. Insofern ist es genau der richtige Zeitpunkt, sich über die Zukunft von Religionspolitik Gedanken zu machen. Dazu lud das Forum Offene Religionspolitik (FOR) vom 18.-20. Oktober in Gummersbach zu einer Tagung. REMID stellte vor Ort die religiöse Vielfalt Deutschlands vor. Aktuell folgt ein Interview mit FOR-Mitbegründer Sven Speer.

Weiterlesen