Homosexualität in den Religionsgemeinschaften Deutschlands

Homosexualität und Religion sind nicht notwendig ein Gegensatz. Die hier im Folgenden zusammengestellten Erklärungen und Positionen zu alternativen Formen der Sexualität aus unterschiedlichen religiösen Strömungen Deutschlands zeigen eine Breite an möglichen Einstellungen. Allerdings gilt eine “fundamentalistische Religiosität” als einer von drei Faktoren für Homophobie, so Dr. Ulrich Klocke, Sozialpsychologe an der HU Berlin und Diskriminierungsforscher, in der Zeit am 10. Feb. 2014. Er ergänzt, dass laut einer Studie besonders Menschen, die Homosexualität aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen ablehnen, ihre Einstellung bei persönlichem Kontakt zu Homosexuellen überdenken (Cunningham & Melton, 2013). Folgende Zusammenstellung ist bemüht, offizielle Erklärungen im Auszug abzudrucken. Nur in Ausnahmefällen wurden Sekundärquellen herangezogen. Sollte durch Auslassung ein Zitat Ihrer Ansicht nach verfälscht worden sein, bitten wir von REMID um einen entsprechenden Kommentar.

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Zuerst kam der Konformismus: Ende und Transformation des alternativen Milieus

“Die Figur des ‘Schreibtischtäters'”, so heißt es in einem kulturwissenschaftlichen Call for Papers von Prof. Dr. Dirk van Laak und Jun.-Prof. Dr. Dirk Rose für eine gleichnamige interdisziplinäre Tagung in Essen im Oktober, “ist untrennbar mit der Geschichte des Dritten Reiches und seiner Aufarbeitung verbunden, insbesondere mit der Person Adolf Eichmanns und speziell in dessen Deutung durch Hannah Arendt“. Seither verstehe man hierunter im engeren Sinne den Bürokraten, der ohne innere Bewegung und von seinem Schreibtisch aus per Erlass den Mord organisierte. Inwiefern eignet sich diese Figur für einen paradigmatischen Typus der Moderne? Wie sehr hängt das Tun eines solchen Stuhlarbeiters mit gesellschaftlichem Konformismus zusammen? Und schließlich: Wie ist es heute um Konformismus bestellt?

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“Betrug”, “Gewalt” oder “Spiritualität”: Entwicklungen in der Berichterstattung über Religion in ‘Stern’ und ‘Spiegel’ seit 1960

Aktuelle Thematisierungen konkreter Gemeinschaften neuer Religionen als “Sekten” in deutschen Medien beschränken sich auf wenige skandalöse Einzelfälle, bei denen die Sektendebatte der Neunziger wieder reaktiviert wird. Der letzte Blog-Artikel “Überall ‘Sekten’? Religionsbezogene Diskriminierung (nicht nur) in öffentlich-rechtlichen Medienanstalten” zeigte daneben, dass außerdem Unterhaltungsformate mit fiktiven “Sekten” den Erhalt entsprechender Vorurteile über neue religiöse Bewegungen zu befördern suchen. Zudem haben sich neue – weniger negativ gestimmte – Wege etabliert, religiösen Pluralismus zu thematisieren. REMID interviewte zu diesem Thema Judith Stander (Religionswissenschaft Münster), die bereits bei einer universitären REMID-Veranstaltung am 28. Oktober in Münster die Berichterstattung über Religion in den Wochenzeitschriften Stern und Spiegel diskursanalytisch und linguistisch für das Publikum aufbereitete.

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Überall “Sekten”? – Religionsbezogene Diskriminierung (nicht nur) in öffentlich-rechtlichen Medienanstalten

“Letztlich geht es jedoch darum, sich von seiner eigenen Leidensgeschichte zu lösen. Nur so kann sich ein freies Ich entfalten. Schauen Sie erst mal ganz genau hin, was Sie runterzieht. Leider landen wir da häufig bei Eltern und Freunden…”. So wird in Folge 1611 (“In den Fängen der Sekte”) der Telenovela “Rote Rosen” (ARD) Malakron eingeführt – eine “Sekte”, welche die Figur Lotte aufsucht wegen ihrer Medikamentensucht. Ein evangelischer Pastor setzt sich in den nächsten Folgen dafür ein, dass schließlich Lotte von ihrer Familie aus der “Sekte” befreit wird. Gehört es zum Auftrag der öffentlich-rechtlichen Medienanstalten missionarisch für hier die evangelische Kirche tätig zu werden? Selbst mit erfundenen Beispielen kann Stimmung gegen neue religiöse Bewegungen gemacht werden – und die Diskriminierung beginnt nicht erst, wo Ähnlichkeiten zwischen der Fantasie-Gemeinschaft und einer konkreten neuen Religion ausgemacht werden können. Die Diskriminierung geht tiefer, denn sie baut auf einem verzerrten Bild alternativer Religiosität auf, welches diese grundsätzlich diabolisiert: “Ich frag nur, weil ich die Machenschaften einiger Sekten kenne” (Rote-Rosen-Pastor Mertens in Folge 1623).

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Übersetzer als Konquistadoren. Eine Geschichte der “Eroberung” heiliger Texte durch den Westen

So wie viele historische Irrtümer über Andersgläubige oder “fremde Kulturen” häufig auf Unkenntnis oder irrtümlicher Kenntnis beruhen, existieren heute insofern falsche Einschätzungen vergangener Kulturepochen und ihrer Konfliktlagen, als dass der Weg der Kunde in den Westen nicht geläufig ist. Die Geschichte erster Beschreibungen und früher Übersetzungen z.B. nicht-christlicher heiliger Texte eröffnet dabei einen anderen Blick sowohl auf die für eine Globalisierung bedeutsame philologische Aufarbeitung dieser Wissensbestände durch die “westlichen Kulturen” (vgl. aber auch Interview zum Eurozentrismus) als auch auf diejenigen Transformationsprozesse, welche durch diese sozusagen “geistige Eroberung” des Fremden allmählich in Gang gebracht worden sind.

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Bis 120! – Altersbilder im Judentum

“Demografie entscheidet alles”, zitiert Gil Yaron im Juli in der Rhein-Neckar-Zeitung Amnon Sofer, Professor für Geographie in Haifa, dessen Annahmen zur künftigen Bevölkerungsverteilung in Israel und den umstrittenen Gebieten israelische politische Debatten anstoßen. Ebenfalls im Juli schreibt Mathias Kamann in der Welt: “Deutschen Juden droht Armut im Alter“: Heute garantierten sie den Bestand jüdischer Kultur – morgen werden die meisten arm sein. Denn knapp 90 Prozent der hier lebenden Juden sind Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion und haben nur minimale Rentenansprüche. Wie ist die Situation jüdischer SeniorInnen in Deutschland? Welche Altersbilder gibt es im Judentum? Zu diesem Thema interviewten wir die Religions- und Kulturwissenschaftlerin Maria Mahler.

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Gott in Frankreich: Ein Fall von bedingter Religionsfreiheit

Neu erschienen ist ein Bericht zur Religionsfreiheit nicht nur von Christen im Auftrag von Deutscher Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche Deutschlands. Dazu heißt es in der Süddeutschen: “Seit 2007 hätten ‘Verletzungen des Rechts auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit beständig zugenommen’ […], ob durch staatliche Gesetze oder durch soziale Anfeindungen, die der Staat nicht unterbindet. Dies betreffe alle Religionen auf allen Kontinenten, am meisten betroffen seien jedoch Christen und Muslime. […] Ausdrücklich beschränkt der Bericht sich nicht allein auf die Christenverfolgung, er vermeidet auch Begriffe wie ‘Märtyrer’ oder ‘Glaubenszeugen’” (Artikel vom 1. Juli, man vgl. unsere Karte zur Religionsfreiheit nach dem Amnesty International Report 2012). Dabei sollten auch (west)europäische Länder berücksichtigt werden – sicherlich in Abstufung der jeweiligen Einschränkungen der Religionsfreiheit, aber auch ohne verharmlosend diese Diskriminierungen zu relativieren. REMID interviewte die Religionswissenschaftlerin und Soziologin Christiane Königstedt (Universität Leipzig, Graduiertenkolleg Religiöser Nonkonformismus und Kulturelle Dynamik) zur Situation in Frankreich.

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Religionsfreiheit hat in Deutschland keine Lobby

Nichts Neues steht im Länderbericht über Religionsfreiheit 2011 des Referats für Demokratie, Menschenrechte und Arbeitsfragen des US-Außenministeriums, so mancher Textabschnitt war bereits im Vorjahresbericht enthalten und wird auch vermutlich in dem für den Sommer zu erwartenden Folgebericht wiederzufinden sein. Die deutsche Regierung habe weder eine Tendenz in Richtung einer Verbesserung noch in Richtung einer Verschlechterung bei der Achtung und dem Schutz des Rechts auf Religionsfreiheit gezeigt. “In einer zunehmend säkularen und pluralen Gesellschaft ist das Recht auf Religionsfreiheit nicht mehr selbstverständlich”, resümiert die Sozialethikerin Marianne Heimbach-Steins in einer Studie im Rahmen des Exzellenzclusters “Religion und Politik” der Universität Münster Ende letzten Jahres. Ähnlich äußerte sich UN-Sonderberichterstatter Heiner Bielefeldt: Es gebe Defizite bei der Religionsfreiheit in Deutschland. So unglücklich die aktuelle Debatte um eine “Katholikenphobie” (Kardinal Joachim Meisner Anfang Februar) begonnen hatte, ausgelöst durch neue Skandale in katholischen Krankenhäusern um die Abweisung von Vergewaltigungsopfern in Köln oder Regensburg und durch einen problematischen “Pogrom”-Vergleich von Erzbischof Gerhard Ludwig Müller – was ist dran an den Beobachtungen, auch gerade in Bezug auf Religionsgemeinschaften jenseits der beiden Amtskirchen?

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Religionswissenschaftler und Stellenmarkt – Ideal versus reales Angebot

Vor kurzem begann eine aktuell weiter anhaltende Debatte in einer internen Liste für Religionswissenschaft. 770 Teilnehmer sind bei ihr angemeldet und es ist im Wissenschaftssektor vielleicht eine Seltenheit, dass VertreterInnen eines Faches so intensiv Grundsatzdebatten führen und sich auf diese Weise einen Spiegel vorhalten, den sicherlich auch andere Disziplinen manchmal nötig hätten. Der Anlass war das Missverhältnis von konfessionsloser, empirischer Religionswissenschaft als Gesellschaftswissenschaft einerseits und den tatsächlichen Berufsangeboten andererseits, welche gerne aus dem Bereich der christlichen Theologien stammen oder ein entsprechendes Bekenntnis einfordern. So kam unter anderem folgende Frage auf: Wie sieht es eigentlich aus, was für religiöse oder nicht-religiöse Selbstbilder bestehen bei denen, die Religionswissenschaft studieren?

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