Religionswissenschaft gegen Vorurteile und Stereotype: Interview mit dem SORAPS-Projekt

Das heutige REMID-Interview wurde geführt mit Felix Petzold, Leiter im Team des nationalen Partners im SORAPS-Projekt, Universität Augsburg, und dem Projektkoordinator, Giovanni Lapis, L’Università Ca’ Foscari Venezia. SORAPS steht für: “Study of Religions against Prejudices and Stereotypes”, also “Religionswissenschaft gegen Vorurteile und Stereotype”. Herr Petzold hat zudem die Passagen von Giovanni Lapis übersetzt.

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Eine kleine Geschichte vom Sinn des Lebens

Im Jahre 1731 war es noch üblich, wie Franz Sebastian Nonhardt in seiner theologischen Abhandlung “Die Allzeit bestrittene, aber niemahlen überwältigte Wahrheit des Heil. Römischen, Catholisch-Apostolischen Glaubens” vorführt, eher davon zu sprechen, es seien “[d]ie Sinn des Lebens sehen / hören / kosten / fühlen / riechen alles Würckungen [Wirkungen]”, mit welchen Gott auf die Aktivitäten “in Nachstrebung nach dem jenigen / was die Seele will” antworte (S. 444). Schon einen Schritt weiter geht Angelo Paciuchelli in seinem “Sittlichen Diskurs” in der Übersetzung von Wunibald Reichenberger 1743. Angesichts der Vorstellung einer Verdunkelung der Welt im Moment des Sterbens Jesu am Kreuz greift der Tod um sich: “Es seyn tod alle Sinn, welche den Sinn des Lebens, und das Heyl eindrucken allen, die solche betrachten” (S. 617). Es wird sich zeigen, wie das 18. Jahrhundert an der christlich-religiösen Figur Jesus überhaupt die Idee eines Sinns des Lebens als einer Bestimmung entwickelt, um dann zu sehen, wie grob ein Jahrhundert später durch insbesondere Autoren wie Wilhelm Dilthey dieser zum allgemeinen Kernbegriff eines eben gerade nicht metaphysischen Selbstverständnisses des modernen Menschen transformiert wurde. Die Rolle seiner Ausgestaltung hängt dabei eng mit derjenigen der Geisteswissenschaften zusammen.

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Ressource oder Wachstumsblase Bildung? “Religiöse” und utopische Aspekte eines besonderen Konzeptes

Betrachtet man den sogenannten “Verbraucherpreisindex für die Bundesrepublik Deutschland“, haben die meisten Graphen eine spätestens seit 2005 steigende Tendenz. Das meiste wird teurer, “Bekleidung und Schuhe” pendeln seit den 1990ern auf dem gleichen Niveau, ähnlich gibt es bei “Freizeit, Unterhaltung und Kultur” langfristig kaum Veränderung. Rasant abstürzend aus vergleichsweise schwindelnden Höhen verliert sich die “Nachrichtenübermittlung”. Dagegen klettert das “Bildungswesen” in solche Höhe empor, alle anderen Graphen weit hinter sich lassend.
Daneben steht etwa “Am schwarzen Berg” von Anna Katherina Hahn, das Werk erhielt die Auszeichnung einer Nominierung für den Leipziger Buchpreis 2012 unter der Rubrik “Belletristik”. Die Jury nennt den Roman um Peter und Mia im Stuttgart des Jahres 2010 eine “gnadenlose Milieustudie des alltäglichen Lebens zweier Familien mit den Gewohnheiten und Verzweiflungen einer akademischen Mittelschicht”. Moritz Bassler nennt das Buch in der TAZ gar einen “metabildungsbürgerliche[n] Roman“. Das “ganze bürgerliche Bildungskonzept” rücke “im Verlauf der Lektüre in ein neues, durchaus unerwartetes Zwielicht”. Viele Rezensenten sehen das (tragisch endende) Seelenleben eines idealtypischen “Wutbürgers” dargestellt, “bürgerliche Bildung” erscheint gar als idealistisch-humanistischer Religionsersatz – symbolhaft repräsentiert durch die schwäbische Romantik eines Eduard Mörike, aus dessen Gedicht “Die Elemente” der Titel entlehnt ist (“Am schwarzen Berg da steht der Riese…”).

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